E-Auto-Pionier Georg-Friedrich Becker
Eine Ente mit Elektro-Herz

Burgsteinfurt -

Ente fand er immer schon gut: Georg-Friedrich Becker besitzt einen ganz besonderen „2CV“. Die französische Sänfte, Baujahr 1985, besitzt einen Elektro-Antrieb. Damit dürfte sie in der Region ziemlich einzigartig sein. Für den Ibbenbürener, der regelmäßig mit dem Wagen zur Arbeit nach Burgsteinfurt fährt, ist er zudem ein rollendes Öko-Bekenntnis.

Dienstag, 09.04.2019, 08:10 Uhr aktualisiert: 09.04.2019, 10:26 Uhr
E-Motor, Laderegler und dicke Elektrokabel statt Motor, Lichtmaschine und Wasserpumpe: Georg-Friedrich Becker ist Besitzer einer einzigartigen Ente.
E-Motor, Laderegler und dicke Elektrokabel statt Motor, Lichtmaschine und Wasserpumpe: Georg-Friedrich Becker ist Besitzer einer einzigartigen Ente. Foto: Ralph Schippers

Ganz unscheinbar steht er auf dem Parkplatz der Evangelischen Jugendhilfe Münsterland im Viefhoek: der Citroën 2CV. Die Ente, wie der Volksmund sie nennt, ist Baujahr 1985 und wurde in der Charleston-Ausführung ausgeliefert. Auf den ersten Blick ein Auto, wie man es (noch) recht häufig im Straßenverkehr antrifft. Und dennoch ist die Burgsteinfurter Ente etwas ganz Besonderes. „So besonders, dass es höchstwahrscheinlich kein zweites Exemplar davon im Münsterland gibt“, lacht Besitzer Georg-Friedrich Becker.

Das leuchtend orange Kabel, das am hinteren Kotflügel dort eingesteckt ist, wo eigentlich der Tankeinfüllstutzen liegt, sowie das „E“ auf dem Kennzeichen verraten das „Geheimnis“ des Wagens. Beckers Ente verfügt über einen Elektroantrieb. Und sie ist so etwas wie ein rollendes Öko-Bekenntnis ihres Besitzers. 500 bis 600 Kilometer im Monat, so schätzt der 62-jährige Ibbenbürener, ist er als Mitarbeiter der Jugendhilfeeinrichtung mit dem ungewöhnlichen E-Auto dienstlich im ganzen Kreisgebiet unterwegs. Seltener auch privat. Rund 32 000 Kilometer hat die Becker- Ente seit dem Umbau Ende 2016 so schon abgespult. „Nur einmal ist eine Sicherung durchgebrannt“, berichtet der Autobesitzer von einer hohen Zuverlässigkeit des Wagens.

17 000 Euro hat der Ibbenbürener, der sich in seinem Wohnort politisch für die Bündnisgrünen engagiert, damals in die Umrüstung gesteckt. Wieder reinfahren könne er das nicht, dessen war er sich wehr wohl bewusst. Sei‘s drum: Die Charleston-Ente bekam einen neuen Antrieb samt Akku. Das Getriebe ist noch das alte. Das hat mit TÜV-Vorschriften und den Bremsen zu tun, verrät der Enten-Liebhaber.

„Der Umbauaufwand war sehr groß“, bezeichnet Becker die Arbeit des Elektro-Ingenieurs und Profi-Tüftlers aus der Nähe von Frankfurt, der die Umrüstung vorgenommen hat, als „herausragend“. Der TÜV habe nicht schlecht gestaunt, als er wenig später zur Vollabnahme vorstellig geworden sei. Den amtlichen Segen bekam der Wagen anstandslos.

Seit rund zweieinhalb Jahren ist die Öko-Ente nun im Alltagseinsatz. Tag für Tag spult Becker zwischen 20 und 50 Kilometer für seinen Arbeitgeber im gesamten Kreisgebiet ab – und genießt dabei das einzigartige Fahrgefühl, das sich aus der Kombination der klassischen 2CV-Stärke Komfort und lautloser Beschleunigung zusammensetzt.

Der E-Motor verfügt über eine Kapazität von 15 Kilowattstunden. „Im Sommer reicht das für 100 Kilometer Reichweite, im Winter sind es 80“, berichtet der Enten-Fan. Apropos Winter: Dass der Wagen in dieser Jahreszeit ein Heizungsproblem hat, ist wirklich das einzige Detail, das ihn stört.

Ansonsten: Begeisterung pur – zum Beispiel über die Fahrleistungen. Bis Tempo 70 zieht die Ente hoch, wie keine andere ihrer Verbrenner-Artgenossen. Spitzentempo ist 110. Das reicht, um Lastwagen zu überholen, sagt Becker. Das klappt, weil der Wagen trotz Akku nur rund 770 Kilo schwer ist. Moderne E-Autos haben mehr Power und Reichweite, sind aber gerne auch mal über zwei Tonnen schwer, weiß Becker. Freude lösen bei ihm auch die geringen Betriebskosten aus: nur rund 3,30 Euro pro 100 Kilometer fallen an.

Ist die hinter den Vordersitzen angebrachte 85-Volt-Batterie – trotz eifrig genutzter Rekuperation – leer, dauert eine Komplettaufladung an der Haushalts-Steckdose rund fünf Stunden. Großzügig zeigt sich in dieser Hinsicht Beckers Arbeitgeber: Er darf kostenlos Strom zapfen.

Becker freut sich, dass sein Engagement für das Zukunftsthema E-Mobilität so unterstützt wird. Das Interesse an seiner Öko-Ente wächst stetig. „Ich werde oft auf den Wagen angesprochen“, berichtet er. Dann plaudert der E-Auto-Pionier gerne über sein Schätzchen, der äußerlich ganz normalen Ente mit dem Elektroherzen unter der Haube.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6528793?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686838%2F
Nachrichten-Ticker