Photovoltaik-Förderung
Ein Klodeckel für den Wirtschaftsminister

Münster/Steinfurt -

Diese Pakete dürften den Wirtschaftsminister nicht erfreuen: Peter Altmaier hat demnächst einige Klodeckel im Postfach liegen, auch von Professoren der FH Münster. Mit der Aktion protestieren sie gegen einen anstehenden Förderstopp von Photovoltaik-Anlagen.

Dienstag, 09.04.2019, 09:29 Uhr aktualisiert: 09.04.2019, 11:29 Uhr
Photovoltaik-Förderung: Ein Klodeckel für den Wirtschaftsminister
Ein Toilettendeckel für Peter Altmaier: (v.l.) Prof. Dr. Reinhart Job, Prof. Dr. Tilman Sanders und Prof. Dr. Konrad Mertens beteiligen sich an einer Aktion, die auf den gesetzlichen Photovoltaik-Deckel aufmerksam macht. Foto: FH Münster

Peter Altmaier hat demnächst ein paar Klodeckel im Postfach liegen. Einer davon kommt aus Steinfurt von den Elektrotechnik-Professoren Dr. Reinhart Job, Dr. Konrad Mertens und Dr. Tilman Sanders, die sich damit an der Aktion #DerPVDeckelMussWeg beteiligen. Die Aktion will auf den anstehenden gesetzlichen Förderstopp von Photovoltaik-Anlagen in Deutschland aufmerksam machen, wie die Fachhochschule mitteilt.

Der Protest richtet sich gegen die gesetzliche Deckelung der Photovoltaik-Förderung, die auf 52 Gigawatt begrenzt ist. Das bedeutet: Haben alle installierten Solarmodule in Deutschland zusammengerechnet mehr als 52 Gigawatt, zahlt die Regierung keine Einspeisevergütungen für Strom mehr an Privatpersonen und Unternehmen, die zukünftig Photovoltaikanlagen auf ihre Dächer bauen und den daraus gewonnenen Strom ins Netz speisen könnten. Dieser Wert könnte bereits in kommenden Jahr erreicht werden.

Derzeitige Vergütung fiele weg

Aktuell liegt die Vergütung bei 11 Cent pro Kilowattstunde für kleine private Anlagen und bei 4,5 Cent pro Kilowattstunde für Stromerzeuger mit großen Freiflächen. Wenn diese Vergütungen wegfallen, können Solaranlagen-Besitzer den Strom nur noch selbst verbrauchen, dem Netz schenken oder Stromanbietern „für winziges Geld” verkaufen, heißt es in der Mitteilung der Fachhochschule.

Es macht einfach keinen Sinn zu sagen, wir hören bei 52 Gigawatt auf zu fördern.

Dr. Konrad Mertens, FH Münster

„Es macht einfach keinen Sinn zu sagen, wir hören bei 52 Gigawatt auf zu fördern“, meint Mertens. Der Photovoltaik-Experte gibt zu bedenken, dass Deutschland und Europa noch meilenweit davon entfernt sind, die Klimaziele zu erreichen, und diese mit einer Deckelung im Bereich der erneuerbaren Energien nicht gerade vorangetrieben werden. Auch dass die Temperatur und der Meeresspiegel steigen und der Ausstoß an CO2 drastisch zugenommen hat, sei nicht von der Hand zu weisen.

Energie mit den „geringsten Auswirkungen auf die Umwelt“

„Dabei ist Photovoltaik die Energie, die die geringsten Auswirkungen auf die Umwelt hat und die mittlerweile am günstigsten von allen erneuerbaren Energien ist“, erklärt Mertens. „Die Module werden auf Dächern installiert, die eh schon da sind, sie machen keinen Lärm, und ihre Produktion ist recht umweltfreundlich. Eine komplette Anlage benötigt nicht mal zwei Jahre, um die Energie wieder hereinzuholen, die für die Produktion gebraucht wurde.“

Auch von Ressourcenknappheit könne keine Rede sein: Die Solarzellen bestehen aus Silizium – dieses Element ist das zweithäufigste auf der Erde, direkt nach Sauerstoff, und könne deshalb bedenkenlos verwendet werden.

Die Aktion ins Leben gerufen hat ein Kollege der drei Professoren von der HTW Berlin: Prof. Dr. Volker Quaschning. Er startete mit dem ersten Toilettendeckel während des Photovoltaik-Symposiums in Bad Staffelstein Ende März, und einige Kolleginnen und Kollegen verschicken ebenfalls Briefe und Deckel ans Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.

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