Trockenheit macht Waldbesitzern und Landwirten zu schaffen
„Minus viel größer als im Vorjahr“

Steinfurt -

Die zwei Liter Regen, die in der Nacht zuvor gefallen sind, entlocken Jan-Dirk Hubbert am Donnerstag nur ein müdes Lächeln. Der für Steinfurt zuständige Revierförster des Regionalforstamts Münsterland weiß: Diese Niederschlagsmenge reicht bei weitem nicht aus, um die sich verschärfende Trockenheit in den Wäldern abzumildern. Es war nicht mehr als der buchstäbliche Tropfen auf den heißen Stein.

Donnerstag, 25.04.2019, 14:44 Uhr aktualisiert: 26.04.2019, 16:50 Uhr
Jan-Dirk-Hubbert, Revierförster für Steinfurt, macht die starke Trockenheit schon zu Beginn der Vegetationsperiode Sorgen. Bei den Landwirten ist die Situation besonders auf den sandigen Böden ebenfalls angespannt.
Jan-Dirk-Hubbert, Revierförster für Steinfurt, macht die starke Trockenheit schon zu Beginn der Vegetationsperiode Sorgen. Bei den Landwirten ist die Situation besonders auf den sandigen Böden ebenfalls angespannt. Foto: Oliver Werner/Wilfried Gerharz

Wie groß das Feuchtedefizit in den Wäldern schon jetzt im Frühjahr ist, zeigt sich an einem ersten kleineren Flächenbrand, der laut Aussage Hubberts auf der Grenze zwischen Emsdetten und Nordwalde am Tag zuvor aufgetreten ist (s. Seite Nordwalde). Zwar sei die Waldbrandgefahr im April generell erhöht, berichtet der Revierförster. Doch in diesem Frühjahr sei die Lage besonders dramatisch. „Es liegt jede Menge Trockenholz im Forst“, sagt Hubbert und nennt den Sturm Friederike Anfang 2018 und die seit dem vergangenen Herbst andauernde Borkenkäferplage als Gründe. Der Schädlingsbefall nehme mittlerweile Dimensionen an, die dem Förster die Sorgenfalten auf die Stirn treibt. „Ich habe einen solchen Befall in meiner über 30-jährigen Karriere noch nicht erlebt: Wir befürchten im Regionalforstamtsbezirk einen Totalverlust der Fichtenbestände.“

Deutlich besser sieht es im Waldgebiet Bagno/Buchenberg aus: Aufgrund der dort stehenden Mischwaldbestände seien die Folgen der Trockenheit weniger ausgeprägt. Dennoch sei auch dort Vorsicht geboten, wendet sich Hubbert an die Wanderer und Spaziergänger. Wer dabei erwischt wird, dass er im Wald raucht, muss mit einem Bußgeld rechnen. Hubbert würde sich darüber freuen, wenn solche Verstöße auch aktiv von anderen Waldnutzern in der Form angegangen werden, dass illegal im Wald Rauchende angesprochen und auf ihr Fehlverhalten aufmerksam gemacht werden.

Wie lange es regnen müsste, um das bestehende Wasserdefizit wieder auszugleichen? „Mindestens sechs Wochen – und zwar durchgehend“, macht Hubbert eine dicke Rechnung auf. Für den Waldfachmann ist es vor allem die im Vergleich zum Vorjahr deutlich veränderte Ausgangssituation am Anfang der Vegetationsperiode, die Anlass zu Besorgnis gibt. „Das Minus ist viel ausgeprägter, da das Vorjahr ein Dürrejahr war und es im Winter relativ wenig geregnet hat.“ Für ihn steht fest: „Wenn es noch eines Beweises bedurfte, dass der Klimawandel bei uns angekommen ist, dann ist er nun erbracht.“

Auf Regionalforstamtsebene haben die Verantwortlichen längst reagiert. Schon seit einiger Zeit werden vermehrt Bäume gepflanzt, die mit Trockenheit und hohen Temperaturen besser klarkommen als heimische Arten. Hubbert nennt die Edelkastanie, die eigentlich aus Südeuropa stammt, sowie als Vertreterin der Nadelgehölze, die Douglasie.

Als „angespannt, aber noch nicht dramatisch“ stuft Henning Stoyke, Vorsitzender des landwirtschaftlichen Ortsverbandes Burgsteinfurt, die Situation ein. Auf den sandigeren Böden gebe es jedoch schon jetzt erste Anzeichen, dass es zu trocken ist. Stoyke: „Die Grundwasservorräte sind geschwächt.“ Der Burgsteinfurter Landwirt verweist auf die Erfahrung, dass es im April in den vergangenen Jahren häufiger sehr trocken war. Er hofft, dass Perioden mit deutlich mehr Niederschlag folgen als aktuell. „Dann wären wir nochmal mit einem blauen Auge davongekommen.“  

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