100 Kilometer Jakobsweg als erlebnispädagogisches Projekt
„Man geht über eigene Grenzen“

Steinfurt -

„Ich dachte, das wäre ein ganz normaler Wanderweg“, erzählt Annalena. inzwischen weiß sie es besser: Die letzten Kilometer des Jakobswegs von Santiago de Compostela nach Finisterre haben es in sich, auf steinigen Pfaden führt der Weg über steile Anstiege und tiefe Täler. „Mit Höhen und Tiefen“, fasst die 18-Jährige den insgesamt 100 Kilometer langen Fußmarsch zusammen – geografisch und mental.

Donnerstag, 02.05.2019, 15:29 Uhr
Sabine Wiesmann (2.v.l.) und Patrick Klinge (2.v.r.) begleiteten Katharina, André und Annalena auf dem 100 Kilometer langen Weg von Santiago nach Finisterre.
Sabine Wiesmann (2.v.l.) und Patrick Klinge (2.v.r.) begleiteten Katharina, André und Annalena auf dem 100 Kilometer langen Weg von Santiago nach Finisterre. Foto: Jugendhilfe

In Begleitung von Sabine Wiesmann und Patrick Klinge von der Jugendwerkstatt der Evangelischen Jugendhilfe starteten Annalena, Katharina und André im Frühjahr zu der fünftägigen Wanderung. Möglich war das erlebnispädagogische Projekt durch eine Förderung des Diakonischen Werks. „Wir wollten bis zum Ende der Welt gehen“, sagt Sabine Wiesmann über die Wahl von Finisterre als Zielort. Dabei kamen die Jugendlichen oft auch ans Ende ihrer eigenen Kräfte. „Man geht über eigene Grenzen“, bestätigt die 19-jährige Katharina.

Für Annalena schien die erste davon schon zu Beginn der Tour erreicht: „Da war gleich ein extrem steiler Hügel.“ „Und da wolltest du direkt einen Sitzstreik machen“, erinnert Katharina sie an diesen Moment gleich am ersten Tag.

Genau wie alle anderen hielt Annalena aber bis ins Ziel durch – trotz derart großer Blasen an den Füßen, dass sie am Ende nicht mehr in die Schuhe passen und die letzten Kilometer in Badeschlappen laufen mussten. Irgendwelche Wandererfahrungen hatte nämlich niemand aus der Truppe, die eigentlich geplante „Trainingswanderung“ fiel mangels gutem Wetter aus, und so bestand die einzige Vorbereitung aus dem Studium von Karten und einem „Shopping“-Queen-Tag, bei dem sich die Teilnehmer mit entsprechender Kleidung und Ausrüstung versorgten.

Insofern war der Aufbruch in Santiago wie ein Spurt von null auf hundert – Schuhe an und los. „Wir hatten schon von anderen gehört, dass der erst Tag der schlimmste sein wird, der zweite etwas besser und man ab dem dritten Tag nichts mehr merkt“, erzählt Katharina – und kann das mittlerweile bestätigen. Genau wie Annalena: „Am Anfang haben wir noch viele Pausen, irgendwann waren wir dann im Flow und haben zehn Kilometer ohne Pause gemacht. Und ab dem dritten Tag haben wir auch die Rucksäcke nicht mehr gespürt.“

Eine Woche lang Tag und Nacht zusammen – auch das war für die Gruppe, die sich vorher untereinander nicht besonders gut kannte, eine echte Herausforderung. „Richtigen Stress gab‘s aber nie“, meint Katharina, schränkt aber ein: „Am Ende sind wir uns manchmal schon ein bisschen auf die Nerven gegangen und haben uns gegenseitig angezickt.“ Wenn‘s hart auf hart kam, hätten aber alle immer zusammengehalten und sich gegenseitig unterstützt, etwa, wenn einem das Wasser ausging oder er zu wenig zu Essen eingepackt hatte.

Neben vielen Begegnungen mit anderen Pilgern erlebten die Jugendlichen auch die spirituelle Seite des Wegs: „Man denkt mehr nach, als wenn man zu Hause ist.“

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