Konzertlesung begeistert
Traumpaar feiert Wonnemonat

Burgsteinfurt -

Alles neu macht der Mai – und er bringt so ein liebenswertes, wunderbar sympathisches Traumpaar auf die Bühne wie Usch Hollmann und Ulrich Eckhardt, die am Sonntag den Wonnemonat feierten – und den restlos beseelten Zuhörern in der voll besetzten Konzertgalerie beflügelnde Frühlingsgrüße kredenzten, wogend zwischen Frohsinn und Melancholie.

Montag, 06.05.2019, 18:24 Uhr aktualisiert: 08.05.2019, 14:16 Uhr
Usch Hollmann und Ulrich Eckhardt kredenzten den Besuchern in der Konzertgalerie beschwingte Frühlingsgrüße. Kneipp-Vorsitzende Barbara Wiemann (kl. Bild) hatte zuvor die Begrüßung der Gäste vorgenommen.
Usch Hollmann und Ulrich Eckhardt kredenzten den Besuchern in der Konzertgalerie beschwingte Frühlingsgrüße. Kneipp-Vorsitzende Barbara Wiemann (kl. Bild) hatte zuvor die Begrüßung der Gäste vorgenommen. Foto: Lüttmann

Seien wir ehrlich: Nichts als Wonne, einen ganzen Monat lang? Nein, das würde dem Mai auch nicht gerecht, weshalb er sich in all dem Wallen der Gefühle auch mal ein bisschen Wehmut gönnt. Kaum ein deutscher Dichter hat diesen Zwiespalt schöner in vier Zeilen ausgedrückt als Erich Kästner in seinem wundersamen Maigedicht: „Melancholie und Freude sind wohl Schwestern. Und aus den Zweigen fällt verblühter Schnee. Mit jedem Pulsschlag wird aus Heute Gestern. Auch Glück kann weh tun. Auch der Mai tut weh.“ Ganz überwiegend aber macht er Freude, Lust und Liebe und bringt so ein liebenswertes, wunderbar sympathisches Traumpaar auf die Bühne wie Usch Hollmann und Ulrich Eckhardt, die am Sonntag den Wonnemonat feierten – und den restlos beseelten Zuhörern in der voll besetzten Konzertgalerie beflügelnde Frühlingsgrüße kredenzten, wogend zwischen Frohsinn und Melancholie.

Eingeladen hatte sie der Kneipp-Verein, dessen Vorsitzende Barbara Wiemann ihre Vorfreude kaum bändigen konnte – nicht nur wegen der gleich zu hörenden Musik und den Gedichten, sondern auch, weil die beiden Künstler ohne Gage aufgetreten und der Erlös des wonnigen Nachmittags an das Hospiz „Haus Hannah“ in Emsdetten geht.

Usch Hollmann muss man auch in Stemmert wohl nicht mehr groß vorstellen; die gebürtige Schweizerin („Mein Chott, nu bin ik auk all 81!“) hat sich als „Lisbeth“, „freche Frau“, vielen Büchskes und Rezitationsabenden einen ausgesprochen wohlklingenden Namen gemacht. Ulrich Eckhardt, von Geburt Rheinenser, war und ist deutschlandweit bekannter Kulturmanager, Musiker, Jurist und Intendant (genau genommen auch ein Dr. und ein Prof.), vor allem oder auch ein Freund von Außenseitern. („Nur Außenseiter bringen die Welt voran.“) So einer wie John Field, der heute fast vergessene Ire war ein Komponist, der beinahe ganz und gar im Schatten von Franz Schubert verloren ging. Dabei war er es doch, der Frédéric Chopin zu seinen unsterblichen Nocturnes inspirierte, denn John Field gilt als Erfinder der Nachtstücke, für die Chopin weltweit verehrt wird.

Elf der 18 Nocturnes, die John Field komponiert hat, spielte Ulrich Eckhardt an diesem Nachmittag und ließ die intimen, träumerischen, stillen Töne wie warmen Mairegen auf die Tasten tropfen, weich, als würden sie auf Samtkopfkissen fallen, funkelnd wie aufgewehter Sternenstaub. In diesen Nachtstücken paart sich die kantable, hochromantische Melodik in der Oberstimme mit gebrochenen Akkorden und taucht die Maigedichte in wohlig-melancholisches Frühjahrsabendlicht.

Kästner, Annette von Droste-Hülshoff und Grillparzers „Kuss“, plattdeutsche Deftigkeit über eine verbotene Liebe, Storms „Katzen“ und vor allem eine mit schweizerischem Zungenschlag erzählte aufblühende Verliebtheit beim Entenfüttern – Usch Hollmann rezitiert nicht nur, sie lebt und liebt, was sie erzählt.

Wahrlich überaus wonnig, dieser Nachmittag im Mai, oder wie Erich Kästner es so wunderbar fabuliert: „Mai – das ist der Mozart des Kalenders.“

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