Physikalische Messungen in Konzertgalerie
Testsignale unter Gehörschutz

Steinfurt -

Musiker und Zuhörer bescheinigen der Konzertgalerie im Steinfurter Bagno immer wieder eine tolle Klangfülle und eine hervorragende Akustik. Warum das so ist, dieser Frage sind Mitarbeiter der Rheiner Firma „Kötter Consulting Engineers“ auf den Grund gegangen. Prof. Dr. Dieter Scholz vom Fachbereich Maschinenbau der FH hat das Projekt angestoßen und fachlich begleitet.

Dienstag, 07.05.2019, 16:12 Uhr
Um die Raumakustik zu untersuchen, stellte das Team in der Konzertgalerie hochsensible Mikrofone auf. Nach den Messungen führten Prof. Dr. Dieter Scholz sowie Dr. Johann Lenz und Sven Rechenberger von der Firma Kötter sogleich Plausibilitätschecks durch (kl. Bild).
Um die Raumakustik zu untersuchen, stellte das Team in der Konzertgalerie hochsensible Mikrofone auf. Nach den Messungen führten Prof. Dr. Dieter Scholz sowie Dr. Johann Lenz und Sven Rechenberger von der Firma Kötter sogleich Plausibilitätschecks durch (kl. Bild). Foto: FH

Scholz ist stellvertretender Vorsitzender des VDI Münsterländer Bezirksvereins, der wiederum Auftraggeber ist, und er war bei allen akustischen Messungen dabei. Anlässlich der Jahresmitgliederversammlung des Bezirksvereins sind die Ergebnisse jetzt einem großen Zuhörerkreis in Münster vorgestellt worden.

„Die Konzertgalerie ist ein sehr schmaler Saal. Egal, wo man sitzt, man befindet sich stets nah an einer Wand, welche den Schall der Instrumente zum Hörer zurückwirft. Genau das ist das Erfolgsgeheimnis“, erklärte Kötter-Mitarbeiter Sven Rechenberger. Das Klarheitsmaß bestimmt, wie viel Schall des Nachhalls in den ersten 80 Millisekunden beim Zuhörer ankommt. Und in der Konzertgalerie ist dieses wegen der Kompaktheit des Saals sehr hoch. „Hier herrscht sehr hohe Klarheit bis in die hintersten Reihen. Und das erlaubt hervorragende musikalische Darbietungen auf allen Plätzen.“

Menschen im Saal beeinflussen die Akustik stark – das gilt im Übrigen auch für die Art der Stühle, wie sie im Konzertsaal aufgereiht sind, für die dekorativen Stuckelemente, die Skulpturen sowie die Fenster im Saal und im Bereich der Bühne. Um die akustischen Kennwerte zu ermitteln, führte das Team auch Messungen in dem vollbesetzten Saal durch. „Das ist eine absolute Besonderheit“, sagte Scholz. „Denn die Testsignale während der Messungen sind sehr schrill, sodass unbedingt Gehörschutz getragen werden muss. Natürlich will man Besucher während eines Konzerts nicht damit beschallen.“

Als aber der Münsterländer Bezirksverein des VDI im vergangenen November sein 70-jähriges Bestehen feierte und zu einem Festakt in die Konzertgalerie einlud, war die Gelegenheit für akustische Messungen gekommen. „Ein Lautsprecher auf der Bühne sendete Testsignale in alle Richtungen des Saals. Der resultierende Nachhall wurde an mehreren Positionen im Publikum aufgezeichnet“, so Scholz. Nach einer kurzen Pause begann dann das Konzert.

Jetzt präsentierte Rechenberger die Ergebnisse der Untersuchung. „Bei diesem Saal stehen Raumgröße und -form in einem guten Verhältnis, außerdem ist er vorteilhaft eingerichtet. Deshalb klingt der Nachhall ausgewogen und ermöglicht ein ansprechendes Hörerlebnis“, sagte der Ingenieur.

Das ist insofern verwunderlich, da beim Bau des Konzertsaals, der auf 1780 geschätzt wird, die physikalischen Grundlagen der Akustik noch gar nicht erforscht waren. „Um das Rad nicht neu erfinden zu müssen, orientierte man sich häufig an anderen Sälen mit guten Klangeigenschaften. In Steinfurt hat dies nachweislich sehr gut funktioniert“, so Rechenberger abschließend.

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