Nordhorner Investoren steigen aus den Planungen für das Kock-Areal aus
List hat keine Lust mehr

Borghorst -

Wenn jeder bisherige Investor oder Projektentwickler nur ein Haus gebaut hätte, wäre es auf dem Gelände der ehemaligen Kockschen Websäle I und II schon wohnlicher. So ist das Gelände mitten in der Stadt immer noch eine Industriebrache.

Dienstag, 07.05.2019, 17:26 Uhr aktualisiert: 07.05.2019, 17:28 Uhr
Das Gelände, auf dem einst die Kockschen Websäle standen, liegt nach wie vor brach. Wie lange das noch so sein wird, steht nach dem gestern verkündeten Ausstieg der Planungsgruppe mehr denn je in den Sternen.
Das Gelände, auf dem einst die Kockschen Websäle standen, liegt nach wie vor brach. Wie lange das noch so sein wird, steht nach dem gestern verkündeten Ausstieg der Planungsgruppe mehr denn je in den Sternen. Foto: Axel Roll

Dass sich daran in nächster Zeit etwas ändert, ist seit gestern wieder in weitere Ferne gerückt. Die Nordhorner List-Gruppe, die zuletzt die Überplanung des Geländes in Händen hielt, verkündete in einer knappen Pressemitteilung, dass sie raus aus der Nummer sei: „Trotz intensiver und partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit der Stadt Steinfurt konnten nicht alle für unsere Investitionsentscheidung erforderlichen Voraussetzungen erfüllt werden“, erklären Alexander Micheel und Raoul P. Schmid, Geschäftsführer der List Develop Residential in der Mitteilung. „Wir haben gemeinsam sehr viel Zeit und Mühe in das Projekt investiert. Gerade vor diesem Hintergrund tut es uns sehr leid, jetzt Abstand von der Entwicklung des Arnold-Kock-Geländes nehmen zu müssen.“

Damit werde die Projektentwicklung zurück in die Hände der ursprünglichen Initiatoren gelegt, sprich Udo Merkens und Peter Bollmann. Die hatten in den vergangenen Jahren schon mehrfach Pläne für die Entwicklung des rund 25 000 Quadratmeter großen Grundstücks vorgelegt und nach den Vorgaben der Steinfurter Politik immer wieder abgeändert. „Wir haben den Plan jetzt 20 Mal geändert. Wir können Ihnen offensichtlich nichts recht machen“, stöhnte Investor Udo Merkens schon vor zwei Jahren deutlich genervt in einer Planungsausschuss-Sitzung. Zum Jahreswechsel war der Projektentwickler dann nach Ablauf seiner Kaufoption erstmal nicht mehr im Rennen.

Dennoch will er jetzt wieder kämpfen. „Wir verfolgen das weiter, was wir immer schon machen wollten: Einen Gesundheitspark“, sagt Merkens nach dem Ausstieg der List-Gruppe. „Ich bin nach wie vor extremst von unserem Konzept überzeugt.“ Das vergangene Jahr über habe er nicht mit Verwaltung und Politik gesprochen – das werde sich in den nächsten Tagen ändern. „Wir wollen ein Gefühl dafür bekommen, ob das noch was werden kann.“ Immerhin hätten er und sein Partner bereits sehr viel Geld in die Pläne investiert. „Das wollen wir nicht wegwerfen.“

Zuletzt hatte die Verwaltung ein Zeichen gesetzt, indem sie eine Veränderungssperre für das Grundstück verhängte. Bedeutet: Alles, was dort gebaut wird, muss von der Stadt ausdrücklich genehmigt werden.

Vielleicht hatte da schon jemand eine Vorahnung – die Sperre sollte nämlich vor allem für den Fall eines Ausstiegs der List-Gruppe und einer möglichen Zwangsversteigerung des Areals für klare Verhältnisse sorgen. Bis Ende Juni haben Merkens und Bollmann jetzt wieder die Kaufoption auf das Kock-Areal.

„Man sieht: Das Grundstück ist sehr, sehr schwierig“, kommentiert CDU-Fraktionschef Norbert Kerkhoff die neue Entwicklung. Und bekräftigt die bereits von seinem Parteikollegen Hans Günter Hahn geäußerte Meinung: „Es ist an der Zeit, das Heft des Handelns selbst in die Hand zu nehmen.“ Die Stadt solle das Grundstück selbst kaufen und vermarkten. „Wir wollen Qualität haben.“ Auch wenn Bürgermeisterin Claudia Bögel-Hoyer diesen Plan bereits kategorisch ablehnte, sieht Kerkhoff Chancen, eine politische Mehrheit dafür zu bekommen. „Ich bin davon überzeugt, dass das in die Realität umgesetzt werden kann.“ Die Bürgermeisterin selbst kann das Geschehen derzeit nur aus der Ferne verfolgen, sie bringt sich nach einer Operation in der Reha wieder in Form. „Wir müssen erst einmal abwarten, wie es weitergeht“, will sie sich noch nicht zu möglichen Alternativen äußern.

Das will auch Alfred Voges (SPD) nicht. „Man weiß nicht, wo die Reise hingeht“, sagt er mit Blick auf die sieben Wochen, die das Vorkaufsrecht von Bollmann/Merkens noch gilt. „Alles andere wäre Glaskugel-Gucken.“

Immerhin: Prinzipiell verweigern mag er eine Zustimmung zum Kauf des Geländes durch die Stadt nicht: „Kategorisch ausschließen kann man nichts.“

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