Auch in Steinfurt wird bei der Aktion „Maria 2.0“ protestiert
Frauen rebellieren gegen katholisches Kirchensystem

Steinfurt -

Die katholischen Frauen machen mobil: Sie wollen sich nicht länger mit den überkommenen Strukturen der katholischen Kirche zufriedengeben, die viele Missbrauchsfälle erst ermöglichten, weil das Handeln der Täter vertuscht und gedeckt wurde.

Dienstag, 07.05.2019, 19:00 Uhr aktualisiert: 08.05.2019, 14:16 Uhr
Das Marienbild mit dem zugeklebten Mund ist das Zeichen der Aktion, mit der Frauen für mehr Mitbestimmung kämpfen.
Das Marienbild mit dem zugeklebten Mund ist das Zeichen der Aktion, mit der Frauen für mehr Mitbestimmung kämpfen. Foto: Kfd

Sie wollen nicht mehr länger als Gläubige zweiter Klasse behandelt werden, die aufgrund ihres Geschlechts keinen Zugang zu den kirchlichen Ämtern haben. Und sie wollen sich nicht mit einer kirchlichen Sexualmoral zufriedengeben, die die Lebensrealität der meisten Gläubigen völlig ignoriert. Sie fordern grundlegende Reformen der katholischen Kirche und nicht nur wohlfeile Worte der Kirchenoberen, denen keine Taten folgen.

Maria 2.0 nennt sich die Initiative, denen sich auch die Frauen der drei Kfd-Gruppen in der St. Nikomedes-Pfarrei angeschlossen haben. Sie geht auf einen Lesekreis katholischer Frauen in der Münsteraner Heilig-Kreuz-Gemeinde zurück, bei denen Anfang Januar „die Stimmung kippte“, wie sie selbst sagen. Unterstützt von ihrem Pfarrer, dem gebürtigen Borghorster Stefan Jürgens, verfassten sie einen offenen Brief an Papst Franziskus und den Aufruf zum Kirchenstreik, an dem sich mittlerweile Gläubige aus ganz Deutschland beteiligen wollen.

Die Initiatorinnen rufen alle Frauen dazu auf, eine Woche lang, vom 11. bis 18. Mai, keine Kirche zu betreten und keine ehrenamtlichen Dienste abzuleisten. Durch die leeren Bänke und die fehlenden Dienste soll verdeutlicht werden, wie hoch der Anteil der Frauen und wie wichtig ihre Arbeit in der katholischen Kirche sind. Statt in die Kirchen zu gehen sollen die Frauen in dieser Woche vor den Kirchen auf ihre Anliegen und Forderungen hinweisen, miteinander ins Gespräch kommen, aktiv werden, gemeinsam beten und singen.

„Das ist natürlich eine freiwillige Entscheidung der Mitglieder“, sagt Christel Dephoff, Teamsprecherin der Kfd St. Marien. Sie weiß, dass einige der älteren Frauen wenig Verständnis für die radikale Aktion haben. „Aber es soll ja auch ein starkes Zeichen sein.“ Sie persönlich werde in der Woche keine Kirche betreten, wohl aber vor ihr auf die Aktion aufmerksam machen – genau wie Margret Zellerhoff, die Sprecherin der Kfd St. Nikomedes.

Vor dem Hauptportal der Nikomedeskirche gibt es am 17. Mai (Freitag) um 17 Uhr ein Veranstaltung für alle Frauen und natürlich auch Männer, die das Abliegen unterstützen, bei der über die Initiative Maria 2.0 informiert, auch soll gemeinsam gebetet und gesungen werden. Zum Zeichen der Solidarität sollen alle Teilnehmerinnen in weißer Oberbekleidung kommen.

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