Ausstellung „Die Avantgarde des Ostens“ im Bauhaus-Museum eröffnet
Aufbruch in die Moderne

Steinfurt -

Als „Geburt von ganz neuen Vorstellungen von Kunst und bis heute die Grundlage für sämtlicher Schattierungen der modernen Kunst“ bezeichnete Dr. Elisabeth Hemfort die „Avantgarde des Ostens“ am Sonntag im Heinrich-Neuy-Bauhaus-Museum. Die Gastkuratorin eröffnete die Präsentation aus Anlass des Bauhaus-Jubiläums. Es ist die zweite ihrer Art in diesem Jahr.

Sonntag, 02.06.2019, 16:56 Uhr aktualisiert: 02.06.2019, 17:01 Uhr
Zahlreiches Publikum wohnte der Ausstellungseröffnung im Café Kater des Museums bei.
Zahlreiches Publikum wohnte der Ausstellungseröffnung im Café Kater des Museums bei. Foto: nix

Die Resonanz auf die Ausstellungseröffnung „Die Avantgarde in Osteuropa“ im Heinrich-Neuy-Bauhaus-Museum war groß. „In der letzten Ausstellung haben wir uns mit der Avantgarde des Westens befasst, jetzt wenden wir uns den Künstlern in Osteuropa zu“, sagte Kuratorin Dr. Dagmar Kronenberger-Hüffer bei der Begrüßung. Den Hintergrund bildet das Jubiläums-Kooperationsprojekt „100 Jahre Bauhaus im Westen“ des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, an dem unter anderem auch der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) beteiligt ist. Dessen Referatsleiterin in der Kulturabteilung, Dr. Cornelia Bauer, betonte in ihrem Grußwort, dass die Bauhaus-Bewegung in NRW mit mehr als 40 Ausstellungen im Jubiläumsjahr lebendige Spuren hinterlassen habe.

Gastkuratorin Dr. Elisabeth Hemfort gestaltete federführend die Avantgarde-Ausstellung im Heinrich-Neuy-Bauhaus-Museum. „Die Avantgarde lässt sich nicht festlegen auf einen einzigen Ursprung oder ein Land“, betonte sie. Fest stehe, dass sie sich durch ganz Europa zieht und nicht nur der Beginn eines neuen Stils war. „Sie ist die Geburt von ganz neuen Vorstellungen von Kunst und bis heute die Grundlage sämtlicher Schattierungen der modernen Kunst“, so Hemfort.

Ein Russe tat den entscheidenden Schritt nach vorn: Wassily Kandinsky (1866 – 1944). Er löste in seinen Bildern die Formen ganz von ihrer Bindung an einen Gegenstand. Damit machte er die Form- und Farbenklänge zu reinen Ausdrucksträgern seelischer Empfindungen. Osteuropäische Künstler wie Josef Capek (1887 – 1945) oder Kasimir Malewitsch (1879 – 1935) dachten Impulse des französischen Kubismus und des italienischen Futurismus weiter, wie in der Präsentation zu sehen ist.

Die Suche nach künstlerischer Neuorientierung war nicht alleiniger Motor für die Avantgarde, es war das Zusammenspiel mit den epochalen Veränderungen nach dem Ersten Weltkrieg. Durch die Revolution 1917 traf das insbesondere für Russland zu. Viele Künstler sahen eine historische Chance, die neue Gesellschaft mitzugestalten. Das „schwarze Quadrat“ von Malewitsch wurde für die Progressiven ein Erkennungszeichen. Alexander Rodtschenko (1891 – 1956) kam zu dem Schluss, dass sich jede Struktur auf die geometrischen Grundelemente Kreis, Oval, Quadrat, Dreieck und Sechseck zurückführen lässt. Hier lässt sich die Nähe zum Bauhaus leicht ableiten.

„Unverrückbar sind die Errungenschaften der abstrakten Künstler der Avantgarde für unsere mediale Welt“, erläuterte Hemfort. „Die neue Typografie hat unsere Sehgewohnheiten in Buch und Reklame grundlegend geformt“, erklärte sie weiter. Die Dynamik von Buchstaben, der appellative Charakter von Layouts, die Eigenständigkeit typografischer Elemente sind heute selbstverständlich.

Hedwig Seegers, Treuhänderin der Heinrich-Neuy- Stiftung, bedankte sich bei allen an der Ausstellung Beteiligten. Sie ist bis zum 15. September zu sehen (mittwochs bis freitags und sonntags von 11 bis 17 Uhr oder nach Vereinbarung).

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