Prozess wegen schwerer Körperverletzung in einer Spielothek wird neu anberaumt
„Es waren 20 bis 30 Schläge“

Horstmar/Steinfurt/Rheine -

Wegen schwerer Körperverletzung müssen sich zwei Bürder aus Steinfurt und ein Syrer aus Horstmar vor dem Jugendschöffengericht in Rheine verantworten. Allerdings bestreiten die drei die Tat. Weil sich bei der Anhörung des zweiten Zeugen Ungereimtheiten ergaben, die polizeilich aufgearbeitet werden müssen, soll der Prozess neu anberaumt werden. Der Vorfall ereignete sich in einer Spielothek in Horstmar. Dabei wurde der 32-jährige Angestellte schwer verletzt.

Dienstag, 04.06.2019, 11:00 Uhr aktualisiert: 04.06.2019, 16:34 Uhr

Brutal wurde der Angestellte einer Spielothek in Horstmar am 27. Oktober 2018 zusammengeschlagen. Nun verhandelte das Jugendschöffengericht in Rheine gegen zwei 19 und 20-jährige Brüder aus Steinfurt sowie gegen einen 23-jährigen Syrer aus Horstmar. Nach zweieinhalb Stunden wurde der Prozess abgebrochen, um weitere Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und Polizei vorzunehmen.

Die drei Männer auf der Anklagebank behaupteten: „Wir waren das nicht“. Laut Anklage sollen sie Hausverbot in der Spielothek gehabt haben. Auch davon wussten sie nichts, „wir waren nie dort“, sagten sie, „höchstens mal, um Zigaretten zu ziehen, wenn die Tankstelle geschlossen hatte“.

Als der Angestellte aus Recke sie wegen des Hausverbots aufforderte zu gehen, sollen sie gemeinschaftlich auf ihn eingeprügelt haben. Das Opfer war zwei Tage im Krankenhaus und wurde gegen ärztlichen Rat wegen akuter Angstzustände entlassen. Er sei bis heute deswegen arbeitsunfähig, sagte der 32-Jährige, der als Nebenkläger mit Anwalt auftrat. Zur Unterstützung seiner Person begleitete ihn auf Empfehlung der Berufsgenossenschaft eine psychologische Psychotherapeutin. Der Geschädigte leide seitdem unter erheblichen Gedächtnisstörungen.

Bei seiner Aussage war er sich sicher, dass der 19-jährige Steinfurter ihn geschlagen hätte und der Syrer hinzugekommen sei. An den dritten Angeklagten hatte er „jetzt kein Bild mehr im Kopf“, wie er sagte. Ursprünglich wollte er an dem Abend mit einigen Gästen in der Spielothek Abschied feiern, weil er in Österreich eine neue Stelle antreten wollte. Der Syrer sei als Erster gekommen und zu einem anderen Gast gegangen, dem er etwas mitteilen wollte.

„Der hatte kein Hausverbot“, korrigierte der Zeuge seine polizeiliche Aussage. Den ersten Schlag habe er auf den Hinterkopf bekommen, den Zweiten ins Gesicht. Danach hätten sie nach seiner Erinnerung zu dritt auf ihn eingeprügelt. „Es waren 20 bis 30 Schläge“, glaubte er. Irgendwann hätten sie von ihm abgelassen. Er erlitt eine Schädelprellung, Platz- und Schürfwunden sowie Prellungen. Über „Whats app“ ermittelte er die Namen der mutmaßlichen Täter, weil er ihre Namen nicht kannte.

Während der Tat seien 13 oder 14 Gäste in der Spielothek gewesen, aber keiner hätte ihm trotz seiner Hilferufe geholfen, beklagte das Opfer den Tathergang. Bei der Anhörung des zweiten Zeugen ergaben sich Ungereimtheiten, die jetzt polizeilich aufgearbeitet werden müssen.

Der Prozess wird zu einem späteren, bisher unbekannten Zeitpunkt neu anberaumt.

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