Nachwuchs ist Ende April geschlüpft
Wanderfalken-Flugschule am Nikomedes-Kirchturm

Borghorst -

Der Kirchturm von St. Nikomedes hat sich als Wohnung für den seltenen Wanderfalken etabliert. Jahr für Jahr zieht ein Pärchen seinen Nachwuchs groß. Der elegante Luft-Jäger ist aber nicht überall beliebt.

Mittwoch, 05.06.2019, 17:00 Uhr aktualisiert: 06.06.2019, 06:58 Uhr
 Der Wanderfalke fühlt sich in Borghorst wohl. Schon im sechsten Jahr ist der seltene Greifvogel an der Nikomedeskirche zu Hause. Der Wanderfalke fühlt sich in Borghorst wohl. Schon im sechsten Jahr ist der seltene Greifvogel an der Nikomedeskirche zu Hause.
 Der Wanderfalke fühlt sich in Borghorst wohl. Schon im sechsten Jahr ist der seltene Greifvogel an der Nikomedeskirche zu Hause. Foto: Axel Roll

Die Ehe funktioniert. Das Borghorster Wanderfalken-Paar zieht auch in diesem Jahr wieder Nachwuchs groß, der gerade am Turm der Nikomedeskirche die ersten Flugübungen macht. Die Kleinen sind putzmunter, wie sich Hubert Große Lengerich unlängst aus nächster Nähe überzeugen konnte. Der Wanderfalken-Experte war am 10. Mai im Kinderzimmer der Borghorster Familie hoch über den Dächern der Stadt und hat den Jungen den Personalausweis ausgestellt, also einen Ring mit ihren persönlichen Daten um den Fuß gelegt. Damit sind sie jetzt Zeit ihres Lebens als Steinfurter erkennbar.

Nachwuchs geschlüpft

„Der Nachwuchs ist Ende April geschlüpft“, weiß Hubert Große Lengerich, der jedes Jahr wenigstens zweimal die Stufen und Leitern im Nikomedes-Kirchturm zur Brutkiste hochklettert. Der Münsteraner ist froh, dass sich das Pärchen in Borghorst offensichtlich so wohl fühlt. „Das hat nicht unbedingt etwas mit der Nistmöglichkeit zu tun“, weiß der Wanderfalken-Fachmann. Die Kiste werde von den geschickten Luftjägern zwar gerne angenommen. „Aber die ersten Vögel haben wir in Borghorst schon gesichtet, bevor die Nisthilfe aufgestellt wurde.“ Hubert Große Lengerich weiß: „Die Kirche hat als Jagdgebiet eine gewisse Qualität, die die Falken gerne annehmen.“ So hätten die Tiere von ihrer hohen Warte aus einen hervorragenden Überblick. Und den nutzen sie, um nach Beute Ausschau zu halten. Das sind in der Regel Vögel bis maximal Taubengröße. Übrigens der Grund dafür, dass vor einigen Jahren die Brieftaubenzüchter bei der Pfarrgemeinde Sturm gelaufen sind gegen das Aufstellen der Brutkiste.

Fester Wohnsitz

Das Wanderfalken-Ehepaar hat seit wenigstens zwei Jahren seinen festen Wohnsitz in Borghorst. Sie ist eine gebürtige Schöppingerin und mittlerweile fünf Jahre alt. Er war vorher offensichtlich ohne festen Wohnsitz. Hubert Große Lengerich: „Das Männchen hat keinen Ring.“ Die beiden sind die zweiten Mieter in der Nikomedes-Brutkiste. Das erste Pärchen war 2014, also vor fünf Jahren, nach Borghorst gezogen. Ein Jahr später wurde der überdimensionale Nistkasten aufgestellt – und dankbar angenommen. Das Glück war aber nicht von langer Dauer. 2016 fand der Naturschutzbund-Experte das Weibchen tot auf dem Nest. Den Witwer hielt es nicht mehr lange in Borghorst, er ist nach unbekannt verzogen.

Ob es die eleganten Flieger grundsätzlich in die Ferne zieht, wenn sie sich als Jungtiere – meist im August – von ihren Eltern verabschieden? „Das kann man so pauschal nicht sagen“, weiß Große Lengerich. Die Weibchen seien eher als Globetrotter bekannt. Ein Jungvogel aus Mettingen sei zum Beispiel drei Monate später in Belgien identifiziert worden. Und ein Borghorster hat es im Gegenzug nur bis zum Fernmeldeturm in Greven geschafft.

Population stabilisiert

Vor 20 Jahren hätte niemand damit gerechnet, dass sich im Münsterland wieder eine stabile Population entwickeln könnte. Der Wanderfalke galt als so gut wie ausgestorben. Mittlerweile ist der Bestand stabil, wie Hubert Große Lengerich feststellt. Er beziffert die Zahl der Brutpaare im Münsterland auf 14. Nach seiner Meinung werden es auch nicht mehr. Die Reviere sind aufgeteilt.

Wer sich jetzt immer noch fragt, warum dieser Text keine Antwort auf die Frage gibt, wie groß die Kinderstube der Borghorster Wanderfalken in diesem Jahr ist, dem sei gesagt: Hubert Große Lengerich ist ein sehr vorsichtiger Mensch und möchte die Gegner der am weitesten verbreiteten Vogelart der Welt nicht unnötig auf den Plan rufen. . .

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