Prozess wegen Unfallflucht am Amtsgericht
„Sie hätten nicht wegfahren dürfen!“

Borghorst -

Schmerzhafte, weil im Portemonnaie und in der Mobilität deutlich spürbare Nachhilfe in Sachen Bürgerpflichten als Unfallverursacher gab der Richter am Amtsgericht gestern einem 82-jährigen Borghorster. Er sah es als erwiesen an, dass der Rentner im November vergangenen Jahres in einem Kreisverkehr auf der Emsdettener Straße einen vorfahrtberechtigten 14-jährigen Jugendlichen mit seinem Wagen angefahren und dann Unfallflucht begangen zu haben.

Dienstag, 11.06.2019, 00:00 Uhr aktualisiert: 12.06.2019, 14:28 Uhr
 
  Foto: Mike Oelerich

Schmerzhafte, weil im Portemonnaie und in der Mobilität deutlich spürbare Nachhilfe in Sachen Bürgerpflichten als Unfallverursacher gab der Richter am Amtsgericht gestern einem 82-jährigen Borghorster. Er sah es als erwiesen an, dass der Rentner im November vergangenen Jahres in einem Kreisverkehr auf der Emsdettener Straße einen vorfahrtberechtigten 14-jährigen Jugendlichen mit seinem Wagen angefahren, ihn dabei verletzt und sich anschließend vom Unfallort entfernt hat, ohne sich den daraus ergebenen Regulierungspflichten zu stellen – insbesondere die Polizei zu rufen. Das Urteil: 800 Euro Geldstrafe und der Entzug des Führerscheins, der bereits seit drei Monaten sichergestellt ist, für weitere sechs Monate. Zum Verfahren war es gekommen, nachdem der Angeklagte gegen einen entsprechenden Strafbefehl Einspruch erhoben hatte.

Der Angeklagte hatte zuvor erklärt, dass er den Jungen mit seinem Wagen im Kreisverkehr am Hinterrad touchiert hatte und dieser zu Boden gestürzt war. Er habe angehalten und gefragt, ob der 14-Jährige sich verletzt habe. Der Junge habe gesagt, dass ihm der Nacken ein bisschen weh tut, sonst aber alles in Ordnung sei. Da auch keine Schäden am Rad und am Auto zu erkennen gewesen seien, habe er seine Fahrt fortgesetzt.

Der als Zeuge geladene 14-Jährige gab an, dass er auf den Hinterkopf gefallen sei und zwei Tage lang unter Kopfschmerzen gelitten habe. Auch eine Wunde habe er davongetragen. Seinem Wunsch, er solle die Polizei rufen, sei der Unfallfahrer nicht nachgekommen. Dies bestätigten auch zwei Schülerinnen, die zufällig Zeuge des Geschehens geworden waren. Sie hatten Fotos vom Nummernschild des Unfallwagens gemacht, als der Borghorster davonfuhr.

Der Anwalt des 82-Jährigen erklärte, dass sein Mandant angehalten und sich beim Unfallopfer nach seinem Befinden erkundigt habe. Er habe sich nicht gleich wieder in den Wagen gesetzt, sondern sei eine geraume Zeit vor Ort geblieben. „Zehn bis 15 Minuten“ werden es wohl gewesen sein, bestätigte eine der Schülerinnen. Dies müsse in der Urteilsfindung berücksichtigt werden. Sein Mandant sei überdies auf den Führerschein angewiesen, da er und seine Frau krank seien und Arzttermine wahrzunehmen hätten.

Der Richter machte unmissverständlich deutlich, was er vom Verhalten des Angeklagten hielt: „Sie hätten nicht wegfahren dürfen, nachdem der Junge Sie gebeten hatte, die Polizei zu rufen.“ Kinder unterlägen im Straßenverkehr einem besonderen Schutz.

Mit der Geldstrafe in Höhe von 800 Euro blieb er unter der Forderung des Staatsanwalts in Höhe von 1200 Euro. Hintergrund: Der 82-Jährige hatte sich persönlich bei dem Jungen entschuldigt. Der Angeklagte nahm das Urteil noch im Gerichtssaal an.

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