Burgsteinfurter Künstler Heyko Prass erstellt Skulptur für Dortmunder Phoenixsee
Mit dem Patriarchen Arm in Arm

Burgsteinfurt -

Für Heyko Prass schließt sich am Ufer des Dortmunder Phoenixsees ein Kreis. „Dort, wo ich früher mit den Arbeitern der Eisenhütte demonstriert habe, wird demnächst meine Skulptur stehen“, sagt der Burgsteinfurter Künstler und klopft Hermann Piepenstock freundschaftlich auf den Arm.

Mittwoch, 26.06.2019, 15:56 Uhr aktualisiert: 26.06.2019, 16:00 Uhr
Künstler Heyko Prass und sein neues Werk. Er legt dem Industriellen und Gründer der Dortmunder Hermannshütte die Hand auf die Schulter. Die Plastik wird im August am Phoenixsee aufgestellt, wo bereits ein Stahlarbeiter des Burgsteinfurters steht.
Künstler Heyko Prass und sein neues Werk. Er legt dem Industriellen und Gründer der Dortmunder Hermannshütte die Hand auf die Schulter. Die Plastik wird im August am Phoenixsee aufgestellt, wo bereits ein Stahlarbeiter des Burgsteinfurters steht. Foto: Axel Roll

Der zeigt sich völlig unbeeindruckt und blickt, ganz Firmenpatriarch, stolz und erhaben über seinen Erschaffer hinweg. Beste Freunde wären Prass und Piepenstock, wenn sie sich einmal über den Weg gelaufen wären, wohl nie geworden. „Ich bin Alt-68er und habe mich immer zu den Arbeitern hingezogen gefühlt“, lacht der 77-Jährige. Ja, und Hermann Piepen­stock, der war eben Fabrikant und gründete vor 178 Jahren ein Stahlwerk im Dortmunder Stadtteil Hörde.

Heyko Prass erweckt den Industriellen gerade in Form einer überlebensgroßen Skulptur zum Leben. Gestützt durch ein geschweißtes Stahlskelett wird Piepenstock durch in Kunstharz getränkte Glasfasermatten in Form gebracht. Damit seine Zugehörigkeit zur Stahlbranche auch jedem unbedarften Spaziergänger sofort klar wird, lehnt er sich an ein großes Zahnrad an. Im August, so plant der Burgsteinfurter, wird er sein jüngstes Werk in dem noch jungen Dortmunder Erholungs- und Wohngebiet im Auftrag der Dortmund Süd Bauträger GmbH aufstellen können.

Dort, wo ich früher mit den Arbeitern der Eisenhütte demonstriert habe, wird demnächst meine Skulptur stehen.

Heyko Prass

Hermann Piepenstock wird sich am Phoenixsee in bester Gesellschaft befinden. Am anderen Ufer geht einer seiner Stahlarbeiter, ebenfalls von dem Burgsteinfurter Künstler erschaffen, seiner schweißtreibenden Arbeit nach. Heyko Prass freut sich natürlich über seine doppelte Präsenz am Dortmunder Seeufer. Hat aber eine Sorge: „Ich hoffe, man erkennt, wem meine eigentliche Sympathie gilt.“ Natürlich dem in Rost-Optik getauchten Stahl-Malocher. Ganz bewusst hat Heyko Prass ihn nicht zu einem Helden der Arbeit gemacht. Das wäre mit dem bekennenden Immer-noch-Sozialisten auch nicht zu machen gewesen. „Künstlerische Freiheit geht mir über alles“, sagt Prass.

Diese Einstellung hat ganz viel mit seinem Lebensweg zu tun, auf dem der Abzweig Künstler eigentlich gar nicht vorgesehen war. „Ich sollte die Anwaltskanzlei meines Vaters übernehmen“, erzählt der 77-Jährige. Das hätte auch fast geklappt. „Dann kam aber das Jahr 1968.“ Und der gebürtige Oldenburger reckte mit den Studenten die Faust für „Freiheit für alle“ in den Himmel. „Außerdem faszinierten mich Künstler wie Andy Warhol oder Roy Lichtenstein.“ Der Wechsel ins Kunstfach war damit die logische Konsequenz.

Heyko Prass ist gerade in Münster und Umgebung kein Unbekannter. An der Ecke Steinfurter-/Grevener Straße blickt seit vielen Jahren ein junges Pärchen von seinem Balkon auf die vorbeiflitzenden Autos – gemalt von dem Burgsteinfurter. Fassadenmalerei, das war sein Ding. Oft gepaart mit Objekten aus Fiberglas. „Der Hype ist aber leider vorbei“, bedauert der Künstler. Diese Kunstform entsprach in vielerlei Hinsicht seinem Weltbild. „Das war nichts Elitäres. Die Kunst kam zum Menschen und trug zu seiner Wohnumfeldverbesserung bei.“ Er kann sich noch gut daran erinnern, wie er – wieder – in Dortmund eine Hauswand bemalte und unten die Nachbarn die Hände in die Luft reckten. Diesmal aber nicht, um für ihre Freiheit zu kämpfen, sondern um den Künstler oben an der Fassade bei seiner anstrengenden Arbeit anzufeuern.

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