Sonnenlicht ist gesund – wenn man auf die richtige Dosierung achtet
Wichtig, aber tückisch

Steinfurt -

Die Sonne knallt kräftig vom Himmel, und während viele eher Schatten suchen, nutzen andere jede Gelegenheit, um braun zu werden. Doch das Sonnenlicht hat so seine Tücken. Denn die darin enthaltene UV-A- und UV-B-Strahlung lässt die Haut altern. Wofür letztere aber wichtig ist und wieso man durch blaues Licht keine Falten befürchten muss, erklärt Prof. Dr. Thomas Jüstel vom Fachbereich Chemieingenieurwesen auf dem Steinfurter Campus der FH.

Freitag, 26.07.2019, 15:02 Uhr
Prof. Dr. Thomas Jüstel erklärt, was Licht mit Haut und Körper bewirkt.
Prof. Dr. Thomas Jüstel erklärt, was Licht mit Haut und Körper bewirkt. Foto: e

Herr Prof. Jüstel, die Sonne scheint – eine gute Gelegenheit für uns, Vitamin D zu tanken, oder?

Absolut, das können Sie jetzt ganz wunderbar machen. Denn Vitamin D bilden wir zu 90 Prozent mit Hilfe der Sonne, genauer durch die UV-B-Strahlung. Die restlichen zehn Prozent nehmen wir in der Regel durch die Ernährung auf. Lachs, Hering, und Aal zum Beispiel enthalten besonders viel Vitamin D. Allerdings müssten Sie schon sehr viel davon essen, um Ihren Vitamin D-Bedarf damit zu decken. Besser wäre es, ausreichend Sonne zu tanken und dabei an die Sonnencreme zu denken. Übertreiben sollten Sie es damit aber nicht: Nutzen Sie etwa Lichtschutzfaktor 50, bilden Sie fast gar kein Vitamin D mehr, weil die UV-B-Strahlung nicht zu den Hautzellen durchdringen kann, die das Vitamin D bilden. Mein Tipp deshalb: lieber einen geringeren Lichtschutzfaktor nehmen und dafür kürzer in der Sonne bleiben.

Das käme auch unserer Haut zugute, denn die altert durch UV-Strahlung schneller.

Das stimmt. Wer sich jahrelang intensivem Sonnengenuss aussetzt, merkt das irgendwann deutlich am Hautbild. Ein gutes Beispiel dafür ist die übermäßige Nutzung von Solarien. Ganz abgesehen davon kann intensive Besonnung auch gesundheitliche Folgen haben, Hautkrebs zum Beispiel. Richtiger Schutz ist das A und O.

In letzter Zeit liest man immer wieder auch vom blauen Licht, das einen ähnlichen Effekt haben soll. Was ist da dran?

So ganz stimmt das nicht. Es ist eher so: Wenn wir uns im Sommer draußen aufhalten, die Sonne scheint und der Himmel strahlend blau ist, erfahren wir ungefähr 100 000 Lux. Das ist die Maßeinheit für die Beleuchtungsstärke, also wie viel Licht von einer Lichtquelle – in dem Fall der Sonne – auf einer Fläche mit bestimmter Größe, zum Beispiel auf einem Quadratmeter, ankommt.

100 000 Lux ist also sehr viel. Unter ähnlichen Lichtverhältnissen, wie gerade beschrieben, sind es im Innenraum durch die Deckenbeleuchtung nur etwa 500 Lux. Es ist drinnen also mitunter 200 Mal dunkler als draußen. Das kommt uns allerdings nicht so vor, weil unser Auge sich an die Beleuchtungsverhältnisse stark adaptiert. Das bedeutet, es passt sich hellen oder dunklen Lichtverhältnissen ganz automatisch an.

Die Betrachtung der Lux-Werte im Außenbereich oder in Innenräumen allein reicht für eine Bewertung der physiologischen Effekte auf den Menschen nicht aus. Man muss die Lichtquellen auch bezüglich des UV- und Blaulichtanteils beurteilen.

Ein Computerbildschirm ist dafür ein gutes Beispiel: Seine Beleuchtungsstärke liegt bei nur etwa 50 Lux oder weniger – das ist also eine recht geringe Beleuchtungsstärke. Dabei ist der relative Anteil an blauem Licht ähnlich hoch wie bei der Sonne, allerdings erzeugt der Bildschirm keinerlei UV-Strahlung. Unsere Haut altert dadurch definitiv nicht.

Was hat das blaue Licht denn dann für Auswirkungen?

Blaues Licht wirkt auf die Blaulichtrezeptoren im Auge. Die wiederum regulieren den Haushalt des Melatonins, das heißt unseres Schlafhormons. Wird das Hormon herunterreguliert, so macht das vor allem eins: uns wach. Sind wir also vor dem Schlafen gehen viel von blauem Licht umgeben, zum Beispiel durch das Smartphone, Computer oder LCD-Fernseher, haben wir Probleme mit dem Einschlafen.

Um besser einzuschlafen, was sollte man da machen?

Ganz einfach: Das Smartphone beiseitelegen, Computer und Fernseher lieber aus lassen. Am besten lesen Sie ein gutes Buch, idealerweise bei Kerzen- oder Halogenlampenlicht – dann dürfte das Einschlafen kein Problem sein. Wenn doch, liegt es jedenfalls nicht an den Lichtverhältnissen.

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