Volker Leiß und die „Symphonie des Münsterlandes“
Eine Liebeserklärung in vier Sätzen

Steinfurt -

Tagsüber arbeitet er als Arzt, seine Freizeit gehört der Musik. Aber an ein solches Mammutprojekt hat sich Volker Leiß noch nie gewagt: Der 53-Jährige hat eine einzigartige Hommage an seine Heimat komponiert, eine „Symphonie des Münsterlandes“ mit Schützenfest-Besuch und Pättkestour…

Mittwoch, 18.09.2019, 16:43 Uhr
Volker Leiß und die „Symphonie des Münsterlandes“: Eine Liebeserklärung in vier Sätzen
Am Klavier oder am Computer im Keller übersetzt Dr. Volker Leiß seine musikalischen Ideen in Melodien und Harmonien. Foto: Wilfried Gerharz

Hätte Dr. Volker Leiß einen Hang zu avantgardistischer Musik, könnte der Staubsauger-Roboter, der in seiner Küche an der Steckdose hängt, in seiner nächsten Komposition die Hauptrolle übernehmen. In regelmäßigen Abständen verkündet dieses futuristische Ding einen „Fehler 17“ und untermalt die Meldung mit einer monotonen Melodie.

Da hilft kein Rütteln und kein Schütteln, „Fehler 17“ mischt sich alle paar Minuten ins Gespräch ein. Dabei sollte es eigentlich um einen ganz und gar klassischen Stoff gehen: die „Symphonie des Münsterlandes“, die im Oktober Weltpremiere feiert. Leiß, Allgemeinmediziner, Musiker und Komponist aus Steinfurt, hat sie geschrieben.

"Ständig im Komponier-Modus"

Wobei „geschrieben“ nur bedingt richtig ist. Der 53-Jährige pflegt Melodien in sein Smartphone zu pfeifen, wann immer sie ihm in den Kopf kommen. „Und das passiert oft, sehr oft“, sagt er lachend, „ich bin ständig im Komponier-Modus“. Dann nimmt er das Handy, drückt auf „Aufnahme“ und speichert seine musikalische Idee so lange ab, bis er die Muße hat, sie zu Hause am Klavier oder am Computer in seinem kleinen digitalen Keller-Studio zu verfeinern.

Volker Leiß und die Symphonie des Münsterlandes

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  • Dr. Volker Leiß zeigt am Rechner die Partitur der „Symphonie des Münsterlandes“.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Die verschiedenen Tonspuren geben eine Idee davon, wie komplex eine Symphonie ist.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Viele Abende hat der Allgemeinmediziner am Klavier und am Computer verbracht...

    Foto: Wilfried Gerharz
  • ...um seine musikalischen Ideen zu einer Symphonie zusammenzuführen.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Die Blockflöte ist sein Hauptinstrument. Schon als 15-Jähriger bekam Leiß die Chance, an der Musikhochschule zu studieren.

    Foto: Wilfried Gerharz
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Viele Abende hat der erfahrene Blockflötist, Hausarzt und vierfache Familienvater in den vergangenen zwei Jahren unten im Keller verbracht, um seine Vision einer Münsterland-Symphonie Note für Note, Stimme für Stimme reifen zu lassen. „Es gab keinen Reißbrettplan“, erzählt er. „Am Anfang stand die Musik, dann habe ich daraus nach und nach eine Geschichte entwickelt.“ Das Ergebnis ist ein 26-minütiges, monumentales Werk für Sinfonieorchester und Fahrradklingel in vier Sätzen, eine Liebeserklärung an die Heimat - und sein ganz persönliches kompositorisches Meisterstück.

„Eine Symphonie ist die Königsdisziplin“, sagt Leiß, „ich habe lange gebrütet, ob ich mich daran wagen soll.“ Den Ritterschlag erhielt er vor einigen Monaten von Golo Berg, dem Leiter des Sinfonieorchesters Münster. „Ich war ein bisschen stolz, als er gesagt hat, er könne sich gut vorstellen, das Werk aufzuführen!“ Und es blieb nicht beim Konjunktiv: Das Sinfonieorchester wird die Leiß’sche Komposition am 12. Oktober im Grevener Ballenlager zum Leben erwecken. „Ich freue mich total“, blickt der 53-Jährige voraus, „aber eine Uraufführung ist auch wie eine Geburt. Die erlebt man als werdender Vater üblicherweise nicht ganz tiefenentspannt.“   

Radeln im Dreivierteltakt

Ein schmaler Balken fährt auf dem Computer-Bildschirm im Keller über eine Notenzeile, dazu erklingt ein virtuelles Orchester und gibt einen Eindruck davon, wie Volker Leiß „sein“ Münsterland in Musik übersetzt hat: Mal klingt es so majestätisch wie die Burgen und Schlösser der Region, mal so romantisch wie die weitläufige Natur. Die Vergänglichkeit der Textilindustrie, „von der ich in den bisher 21 Jahren als Hausarzt in Borghorst einiges mitbekommen habe“, ist neben der unvergänglichen Parklandschaft Thema des zweiten Satzes. Auf der „Pättkestour“ im dritten Satz, vorbei am einen oder anderen Schützenfest, wird beschwingt im Dreivierteltakt geradelt. Der Westfälische Friede im vierten Satz mündet in ein tänzerisches, fröhliches Finale.

Zur Person

Weil die Stadt Steinfurt, in der Volker Leiß lebt und als Arzt praktiziert, schon seit einigen Jahren mit dem Slogan „Symphonie des Münsterlandes“ warb, reifte in ihm der Entschluss, diese Symphonie mit Leben - und Musik - zu füllen. Idee und Komposition stammen allein aus seiner Feder, beim Feinschliff unterstützte ein ausgebildeter Arrangeur. Die Symphonie soll bei der Premiere professionell in Bild und Ton aufgezeichnet und später zum Verkauf angeboten werden.

Leiß, Kulturpreisträger des Kreises Steinfurt, studierte schon als 15-Jähriger an der Musikhochschule Blockflöte, erlernte dort auch die Grundlagen von Harmonielehre und Tonsetzung. Später machte er Musikkabarett, realisierte (u.a. mit der eigenen Volker-Leiß-Band) Folk- und Pop-Projekte und trat zeitweilig bei Götz Alsmann im „Zimmer frei!-Kurorchester“ auf.

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„Ich habe bewusst ganz klassische und schlichte musikalische Elemente gewählt“, erzählt Leiß, während „Fehler 17“ sich erneut aus der Küche meldet. „Das Münsterland ist für mich im positiven Sinne einfach. Nicht Avantgarde, nicht Berlin-Kreuzberg, eher Bauernmalerei als Picasso.“ Er lacht: „Auch Bauernmalerei kann sehr attraktiv sein und dem Publikum wegen seiner schlichten Schönheit besonders gefallen!“

Premieren beim Münsterland-Festival

Am 12. Oktober (Samstag) erwartet die Gäste des Münsterland Festivals im Ballenlager in Greven ein Abend voller Jubiläen: Das Sinfonieorchester Münster feiert in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag und reist dafür durch die Musiklandschaften des Münsterlandes. Gleich mehrere Uraufführungen sind an dem Abend im Kulturzentrum GBS zu hören.

Zum einen präsentiert das Orchester erst- und einmalig die „Symphonie des Münsterlandes“ von Volker Leiß. Eine weitere Uraufführung ist die „Musik für Violine und Orchester“ des Münsteraner Komponisten Thorsten Schmid-Kapfenburg mit Maia Shamugia als Solistin.
Außerdem erklingen Stücke des 1999 in Münster verstorbenen Louis Thomas Hardin alias Moondog, eine höchst eigenwillige, aber deshalb umso interessantere Erscheinung des Musiklebens in Münster. In seiner Jugend erblindet, war er als Obdachloser mit langen Haaren, Rauschebart, Umhang, Sandalen und gehörntem Helm, in der Hand seinen Speer, als „Wikinger der 6th Avenue“ eine New Yorker Berühmtheit. Das Konzert ist Teil des vom Münsterland e.V. veranstalteten Münsterland Festivals part 10 und findet in Kooperation mit der Kulturinitiative Greven statt.

Beginn des Konzertes ist um 20 Uhr, Karten kosten im Vorverkauf 25 Euro (ermäßigt: 23 Euro).

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Die „Symphonie des Münsterlandes“ wird am 12. Oktober im Rahmen des Münsterland-Festivals im Grevener Ballenlager uraufgeführt. Alles Infos:  www.muensterland-festival.de

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