Messerstecherei auf dem Graf-Arnold-Platz vor einem Jahr
War es Notwehr?

Burgsteinfurt/Ochtrup/Münster -

Die Tat hatte vor etwas mehr als einem Jahr auf dem Graf-Arnold-Platz in der Burgsteinfurter Innenstadt für großes Aufsehen gesorgt: Ein damals 30 Jahre alter Gronauer war von einem 48-Jährigen aus Ochtrup mit einem Messer am Hals und am Bein verletzt und später auch noch angefahren worden. Die Frage, die die Juristen jetzt in einem zweiten Anlauf beantworten müssen: War es Körperverletzung oder Notwehr?   Foto:

Mittwoch, 18.09.2019, 16:04 Uhr aktualisiert: 19.09.2019, 19:14 Uhr

Der Täter flüchtete mit seinem Auto, wurde dann wenig später in Metelen nach einer Verfolgungsjagd mit der Polizei festgenommen. Im Februar wurde der Fall das erste Mal vor dem Amtsgericht in Rheine aufgearbeitet. Das Urteil: Dreieinhalb Jahre Haft für den Ochtruper wegen gefährlicher Körperverletzung. Der Verurteilte ging in Berufung. Darum befasst sich derzeit die Fünfte Strafkammer des Landgerichts mit dem Fall. Der Täter beruft sich in dem neuen Verfahren auf Notwehr. Ein Urteil wird in der kommenden Woche erwartet.

Inzwischen erscheinen die Hintergründe des gewalttätigen Streits in einem helleren Licht. Demnach kannten sich die beiden Männer gut, wohnten sogar zusammen. Auslöser für die Auseinandersetzung sollen Drogen gewesen sein. Beide sind in dieser Beziehung keine unbeschriebenen Blätter. Das Opfer sollte am Mittwoch eigentlich vor dem Landgericht als Zeuge aussagen. Der Mann war allerdings verhindert, weil er wenige Tage zuvor eine Haftstrafe angetreten hatte.

Erst Alkohol und Haschisch, dann Heroin und Kokain – Drogen sind für den 49-jährigen Angeklagten seit der Jugend ein ständiger Begleiter. Und kurz vor der Tat, als der Gronauer bei ihm eingezogen war, „wurde es damit erst recht nicht besser“, sagte der Ochtruper im Gerichtssaal. Er sitzt seit seiner Festnahme in Untersuchungshaft, nur unterbrochen durch eine richtige Haftstrafe. Schon vor dem Gang ins Gefängnis nahm der Angeklagte täglich Methadon.

Wie er auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters erzählte, trank er schon während seiner Ausbildung zum Tischler mehr als gut für ihn war. Erst nur Bier, dann Whisky. In der ersten Jugendhaft nahm er das erste Mal Heroin. „Ohne, dass das jemand mitbekam?“, fragte der Richter ungläubig. Antwort: „Das hat keiner mitbekommen.“

Zwischen den Abstürzen gab es immer wieder Phasen, in denen sich der heute 49-Jährige bekrabbelte und ein geordnetes Leben führte. So machte er nach einer Therapie eine zweite Ausbildung zum Zweiradmechaniker, schloss die Meisterprüfung an und arbeitete zeitweise als Werkstattleiter in einem großen Fahrradgeschäft in Osnabrück. Auf die Frage des Richters, ob die letzte Therapie erfolgreich verlaufen sei, antwortete der Ochtruper: „Wenn sie erfolgreich verlaufen wäre, würde ich dann hier sitzen?“

Die Flucht mit dem eigenen Auto nach der Messerstecherei spielt vor Gericht ebenfalls eine Rolle. Der 49-Jährige besitzt nämlich schon lange keinen Führerschein mehr.

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