Kabarettist Carsten Höfer gab zum ersten Mal ein Gastspiel in Burgsteinfurt
Männer sind Sitzexperten

Burgsteinfurt -

Statt einer Neurose, weil er von seiner Schwester in Mädchenkleider gesteckt wurde, entwickelte Carsten Höfer ein Gespür für Frauen. Als Kind wurde er in den Kleidern sogar fotografiert, damit seine Schwester ihren Freundinnen zeigen konnte, dass sie kein Brüderchen hat, sondern ein kleines Schwesterchen. „Ich bin sehr weiblich sozialisiert worden, aber in der Pubertät entdeckte ich meine Macho-Seite“, erzählt Höfer beim Interview.

Montag, 30.09.2019, 14:18 Uhr aktualisiert: 01.10.2019, 16:46 Uhr
Carsten Höfer erklärte im Martin-Luther-Haus, welche Probleme im Zusammenleben zwischen Mann und Frau entstehen können – und wie man sie lösen kann.
Carsten Höfer erklärte im Martin-Luther-Haus, welche Probleme im Zusammenleben zwischen Mann und Frau entstehen können – und wie man sie lösen kann. Foto: Annegret Rose

Er habe Verständnis für beide Seiten, Frau und Mann, entwickeln können und darauf käme es ihm bei seinem Programm an. „Ich mache mich nicht über meine Zuhörer lustig, sondern bin mit ihnen auf Augenhöhe,“ erklärt Höfer, der sich selbst auch als „Frauenversteher“ bezeichnet. Mit seinem preisgekrönten Kabarett ist der 1969 geborene Autor und Moderator vorher noch nie in Steinfurt gewesen, obwohl er in Münster wohnt. Jetzt war er endlich reif und bereit für einen Auftritt im vollbesetzten Martin-Luther-Haus. Auf Einladung von Oliver Thom trat er mit seinem bekannten Programm „Der Frauenversteher“ an.

Nachdem der Künstler dem gut gelaunten Publikum versicherte, dass die erste Reihe keine Angst vorm Mitmachen haben müsse, entspann sich ein Dialog zwischen ihm und den Zuschauern. Viele Paare und auch etliche Singles wurden nun mit der „Biernebenhöhle“ beim Mann bekannt gemacht. Wenn diese durch die Zufuhr von Bier gefüllt ist, kann der Mann kommunizieren. Was bedeute, dass beispielsweise einer in einer Männer-Fünferrunde eine Mördergeschichte erzählen kann, während die anderen vier zuhören. Dann fragt jeder ruhig nach.

Ganz anders sei das in einer fünfköpfigen Frauenrunde: Die bestellten schon, obwohl sich alle untereinander unterhalten. Die hätten keine Biernebenhöhle. Sie brauchen kein Thema, es reichen Namen und Andeutungen.

Dann sind sie fähig, ständig zwei Dinge gleichzeitig tun. Also Multitasking, während die Männer im Monotasking verharrten. Männer würden gerne „wohnen“, also schweigend im Sessel sitzen, während Frauen sich sogar beim Fernsehen unterhalten wollten.

Wenn diese kommunikationstechnischen Gegensätze den Paaren bewusst wären, könnte es zwischen Frau und Mann harmonischer zugehen. Am Gelächter im Saal war abzulesen, dass solche Situationen keine unbekannten waren.

Ein „initiierender Sprechakt“, nämlich Nachfragen beim Mann, sei nur dann von Erfolg gekrönt, wenn die Frau ein Thema vorgäbe. Ansonsten wisse er nicht, wovon eigentlich die Rede sei. Männer seien Sitzexperten, wenn bei ihnen der Satz falle: „So, jetzt muss ich mich erst einmal hinsetzen“, dann erinnere das an Buddha. Er denkt nicht, er sieht nicht fern, er spricht nicht. Er sitzt. Das Sitzen als einzelne Tätigkeit. Die anwesenden Damen juchzten laut auf. Die Herren grinsten.

Nach der Pause erläuterte er seinem Publikum den hohen Wert des Nachwuchses, auch seine Majestät genannt. Da wurden nicht nur kinderreiche Paare neugierig. Er mahnte die Anwesenden, stolz auf jedes Kind zu sein, dessen Wert immerhin 200 000 Euro betrage, bis es das Elternhaus verlasse. Die Anschaffung einer Luxuskarosse könnte da bei weitem nicht mithalten.

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