Dirk Laabs stellt Buch „Bad Bank“ vor
Machtstreben oder einfach nur Ignoranz?

Nordwalde -

Dirk Laabs hat Jahre gebraucht, um das facettenreiche Finanzgeschehen der Deutschen Bank für sich aufzuarbeiten. Das Ergebnis ist in seinem Buch „Bad Bank“ zu lesen, das Laabs bei den Biografietagen vorstellte. Er sagt: „Diese Banker waren wie Drückerkolonnen, sie verkauften, verkauften, verkauften.“

Montag, 30.09.2019, 20:42 Uhr
Dirk Laabs schrieb über die Demontage eines deutschen Vorzeigeunternehmens. Das Publikum auf dem Bispinghof beteiligte sich mit einer engagierten Diskussion.
Dirk Laabs schrieb über die Demontage eines deutschen Vorzeigeunternehmens. Das Publikum auf dem Bispinghof beteiligte sich mit einer engagierten Diskussion. Foto: Rainer Nix

Dirk Laabs, Autor und Filmemacher aus Hamburg, recherchierte intensiv und gewissenhaft um harte, belastbare Fakten in seinem Buch „Bad Bank“ verarbeiten zu können. „Das müssen Sie schon machen, sonst können Sie übel verklagt werden“, betonte der literarische Gast am Sonntag bei seiner Lesung auf dem Bispinghof.

Thema des 2018 erschienenen Buches ist die Deutsche Bank, einst mächtigster Konzern Deutschlands. Der tiefe Fall der Bank begann mit der weltweiten Finanzkrise, in die das Geldinstitut laut Laabs in nicht unbedeutender Weise verstrickt war.

Deutsche Bank als „Staat im Staate“?

Laabs war einer der Autoren, die zu den 12. Nordwalder Biografie-Tagen eingeladen wurden. Sein Werk „Bad Bank“ passte punktgenau zum diesjährigen Thema „Macht und Missbrauch“, das Autoren aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchteten. „Als ich dieses Buch las, war ich erschrocken und teilweise auch bestürzt, es ist schon Wahnsinn, was an krimineller Energie in dieser Branche steckt“, sagte Organisator Matthias Grenda bei seiner Begrüßung.

War die Deutsche Bank als ein „Staat im Staate“ wichtiger als die Regierung und unfehlbar? Was den Autor bei seiner jahrelangen Beschäftigung mit diesem Thema verblüffte, ja geradezu schockierte, war die Erkenntnis, dass dies nicht stimmte.

Banker wie Drückerkolonnen

Es gab weitreichende Untersuchungen und Laabs brauchte Jahre, um das facettenreiche Finanzgeschehen für sich aufzuarbeiten. Auch Gespräche mit hochkarätigen Zeitzeugen machten ihm klar, dass der Nimbus der Unfehlbarkeit des Geldinstitutes und seines ehemaligen Vorstandschefs Josef Ackermann nicht haltbar war. „Entweder wir sind die Nummer eins oder wir gehen unter“, soll dieser gesagt haben.

Investitionen in zukunftsorientierte IT-Technologien seien versäumt worden, stattdessen hätten zähe Händler dominiert, denen horrende Boni ausgezahlt wurden. Es habe zuhauf riskante Kreditgeschäfte und rasante Deals gegeben. „Diese Banker waren wie Drückerkolonnen, sie verkauften, verkauften, verkauften“, sagte Laabs.

Abwesenheit einer Fehlerkultur bei der Deutschen Bank

„Die Deutsche Bank hatte extrem starken Einfluss auf die politische Sphäre“, so der Autor. Ein großes Problem war nach seiner Ansicht auch die „Abwesenheit einer Fehlerkultur“. Waren Schieflagen aufgrund der Komplexität aller Vorgänge einfach nicht zu erkennen oder verschloss das Management aus Machtstreben einfach die Augen davor? Eine schwierige Frage, über deren Beantwortung sich nur spekulieren lässt.

„Leute fragen mich manchmal, wie sie ihr Geld denn nun am sinnvollsten anlegen sollen“, sagte Laabs. Doch dazu habe er auch kein Patentrezept: „Ich kann nur eine Diagnose stellen, wie ich es in meinem Buch getan habe.“

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