„Task Force Wärmewende“ der FH beim weltweiten Vorreiter
Inspiration aus Dänemark

Steinfurt/Münster -

Fast die Hälfte der Deutschen heizt mit Gas, ein Viertel greift auf die fossilen Energieträger Öl und Kohle zurück. Heizen mit erneuerbaren Energien, Strom oder Fernwärme ist hingegen zwar ein aktuelles Thema, aber noch nicht so ausgeprägt – muss es aber werden, wenn die Energiewende gelingen soll, schreibt die Fachhochschule in einem Pressetext.

Dienstag, 08.10.2019, 15:44 Uhr
Vertreter von Hochschulen, Unternehmen, Ingenieurbüros und Forschungseinrichtungen sahen sich jetzt an, wie die Energiewende in Dänemark vorangetrieben wird – auch Dr. Elmar Brügging (2.v.l.).
Vertreter von Hochschulen, Unternehmen, Ingenieurbüros und Forschungseinrichtungen sahen sich jetzt an, wie die Energiewende in Dänemark vorangetrieben wird – auch Dr. Elmar Brügging (2.v.l.). Foto: FH-Pressestelle

„In Dänemark sieht das ganz anders aus, die Dänen sind Vorreiter im ökologischen Heizen und in der nachhaltigen Wärmeversorgung“, sagt Dr. Elmar Brügging von der FH. Und da sich das Forschungsprojekt Task Force Wärmewende, an dem Brügging unter anderem an der Hochschule arbeitet, genau diesem Thema verschrieben hat und die Wärmewende in der Euregio vorantreiben soll, lag es nahe, auf einer Dienstreise nach Dänemark Inspiration zu sammeln und fachliche Kontakte zu knüpfen.

„Insgesamt war es eine fantastische Reise“, zieht Brügging Bilanz. „Wir haben uns drei verschiedene Konzepte in Gråsten, Gram und Silkeborg angeschaut, bei denen immer eine Solaranlage im Fokus stand.“ Solarthermie ist hier zu unterscheiden von Photovoltaik: Während Photovoltaik Strom produziert, dreht sich bei einer Solarthermieanlage alles um Sonnenwärme, die clever genutzt wird.

So besichtigte die 32-köpfige Truppe – mit Vertretern von Hochschulen, Unternehmen, Ingenieurbüros und Forschungseinrichtungen – unter anderem das größte Solarfeld der Welt. Es ist 156 700 Quadratmeter groß – das entspricht etwa 22 Fußballfeldern –, und versorgt 45 000 Menschen in Silkeborg mit Wärme.

Beeindruckend war auch ein Solarfeld, das im Zentrum einen sehr großen saisonalen Warmwasserspeicher hat. Mit 100 mal 100 Metern und einer Tiefe von 20 Metern ist er viel größer als zum Beispiel ein Schwimmbecken im Freibad. Konzept Nummer drei war eine Solaranlage, die mit Wärme aus der Strohverbrennung ergänzt wird.

Außerdem gibt es in Dänemark Elektroheizkessel, die überschüssigen Strom in Wärme umwandeln. „Unter anderem auch aus Stromüberschüssen aus erneuerbaren Energien aus Deutschland“, sagt Brügging.

„Wir haben in Deutschland vor allem bei Windkraft und Photovoltaik Situationen, in denen so viel Strom produziert wird, dass unser Stromnetz die elektrische Energie nicht komplett aufnehmen kann. Dann werden andere Länder, zum Beispiel Heizwerkbetreiber in Dänemark, dafür bezahlt, den überschüssigen Strom abzunehmen. Das machen die Dänen natürlich mit dem größten Vergnügen und aus dem Strom einfach Wärme für ihre Wärmenetze. In Deutschland gibt es noch keine ordentlichen Konzepte für Stromüberschüsse, hier gilt es sinnvolle Systeme zu planen und zu errichten.“

Die Situation, dass zwei Drittel der dänischen Haushalte, Unternehmen und Industrien über Fernwärme oder Wärmenetze versorgt werden, spielt dem Land nicht nur ökologisch, sondern eben auch ökonomisch in die Karten.

„Das hat die Politik geschickt gemacht“, erklärt Brügging. „In den Siebzigern wurden Erdgas und Erdöl so teuer besteuert, dass Fernwärme die günstigste Alternative war. Unter diesen Rahmenbedingungen konnten die Wärmenetze ausgebaut werden.“

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