Wohnungseinbruch aus Opfersicht
Beklemmung – auch Jahre danach

Burgsteinfurt -

Opfer eine Einbruchs geworden zu sein, beschäftigt die Betroffenen noch eine lange Zeit. So erging es auch den Eheleuten Hermann aus Burgsteinfurt. Zwar ist der materielle Schaden längst ausgeglichen, aber das Gefühl von Beklemmung hält auch drei Jahre nach dem schicksalhaften Tag noch immer an.

Montag, 21.10.2019, 16:18 Uhr aktualisiert: 22.10.2019, 15:18 Uhr
Albtraum eines jeden Haus- und Wohnungsbesitzers: Ein Einbrecher steigt ins Gebäude ein – und hinterlässt dabei nicht nur materiellen Schaden. Vor allem die psychische Belastung ist hernach groß und hält auch nach Jahren noch an.
Albtraum eines jeden Haus- und Wohnungsbesitzers: Ein Einbrecher steigt ins Gebäude ein – und hinterlässt dabei nicht nur materiellen Schaden. Vor allem die psychische Belastung ist hernach groß und hält auch nach Jahren noch an. Foto: MIK NRW

Klaus-Dieter Hermann weiß es noch, als ob es gestern gewesen ist: „Wir waren von unseren Kindern nach Münster eingeladen worden und so gegen 1 Uhr nachts wieder zu Hause“, berichtet der 64-jährige Burgsteinfurter von jenem Samstag im Januar 2016, der sein Leben und das seiner Frau gehörig auf den Kopf gestellt hat.

„Als meine Frau die Haustür aufschloss, schenkten wir der verschobenen Weihnachtsdeko auf der Treppe noch keine wirkliche Beachtung“, erinnert sich Hermann. „Aber spätestens beim Blick auf die umgekippte Kommode im Flur war uns klar, dass etwas nicht stimmen konnte.“

Was dann folgte, erlebten die Eheleute als wahren Albtraum: Im Wohnzimmer waren sämtliche Schranktüren und Schubladen herausgerissen, deren Inhalt über den ganzen Boden verteilt. „Mein Büro sah aus wie nach einem Bombenangriff“, beschreibt Klaus-Dieter Hermann seine Eindrücke, die auch nach drei Jahren noch sehr präsent sind.

Auch im Schlafzimmer hatten die Einbrecher alles durchsucht. Durchsucht nach Wertgegenständen, die schnell zu Geld machen sind – und nach Barem. „Den Bürotresor schleppten die Täter nach draußen in den Garten, um ihn dort aufzubrechen“, berichtet Hermann.

Der Schaden? „Materiell hoch, aber ideell noch viel höher“, so der Burgsteinfurter. Der Schmuck seiner Frau, Erinnerungstücke an gemeinsame Reisen. Alles war futsch. Wertvolle Erbstücke, einfach weg. Aber auch Wertgegenstände wie Kameras oder den Bürorechner hatten die Diebe mitgehen lassen. Die Polizei kam rasch, sicherte Spuren und half über den Opferschutzbeauftragten auch im nachhinein sehr effektiv, wie Hermann berichtet. Und auch die Versicherung zeigte sich kulant. Sie ersetzte den materiellen Schaden weitestgehend.

Aber das beklemmende Gefühl, dass im Haus Menschen waren, die da nicht hingehören, das blieb. In abgeschwächter Form ist das auch heute noch so. „Mehr Beklemmung bei meiner Frau, bei mir geht es in Richtung Wut“, beschreibt der ehemalige Sparkassenmitarbeiter seine Gefühlslage.

Und die besserte sich auch nicht, als das Ehepaar erfuhr, wer die Täter waren. „Es handelte sich um zwei Männer mit Migrationshintergrund, die zur Zeit des Einbruchs nur wenige hundert Meter weiter in einem sozialen Brennpunkt der Stadt gelebt haben“, berichtet Hermann. Die Polizei war ihnen durch die Auswertung von Handygesprächen auf die Schliche gekommen, fand einen Teil des Diebesguts in ihrer Wohnung. „Wenngleich man sicher nicht alle Flüchtlinge über einen Kamm scheren darf, so muss ich doch sagen, dass unsere positive Willkommenskultur Risse bekommen hat“, gibt der 64-Jährige freimütig zu.

Zwischenzeitlich habe seine Frau sogar an einen Umzug gedacht. „Aber wir wollten uns aus unserem schönen Haus letztlich auch nicht vertreiben lassen“, sagt Hermann. Das ist jetzt – dank vor allem mechanischer Einbruchssicherung – deutlich besser gegen eine Wiederholung des traumatischen Ereignisses von vor drei Jahren gerüstet. Indes: Sollte es sich wider Erwarten dennoch dazu kommen, „dann werden wir wohl die Konsequenzen ziehen und es verkaufen“.

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