Breitbandausbau in den Bauerschaften
„Haben die Hausaufgaben gemacht“

Steinfurt -

Der Breitbandausbau in den Bauerschaften lässt auf sich warten. Manchem Bewohner, insbesondere Gewerbetreibenden, geht die Umsetzung zu langsam. Die lokale Wirtschaftsförderung kann das Verfahren aber nicht beschleunigen. Der Förderantrag ist gestellt und liegt zur Bearbeitung beim Bundesprojektträger. Erwartet wird von den Verantwortlichen eine Zusage bis zum Ende des Jahres.

Montag, 28.10.2019, 18:00 Uhr
Kompliziert: Die Karte zeigt rot gekennzeichnet die Flächen, in denen im Außenbereich von Steinfurt das Glasfaserprojekt umgesetzt werden soll.
Komplex: Die Karte zeigt rot gekennzeichnet die Flächen, in denen im Außenbereich von Steinfurt das Glasfaserprojekt umgesetzt werden soll. Foto: Geobasisdaten Land NRW/Geofachdaten: Kreis ST

Schnelles Internet für seinen Betrieb in Ostendorf – für Kai-Uwe Klabes bleibt das nach wie vor ein Traum. Der Geschäftsführer der gleichnamigen Hundeschule und tiergestützten Therapiepraxis wartet sehnsüchtig darauf, dass er „nicht mehr erst einmal einen Kaffee trinken gehen kann, wenn ich eine Mail sende“, wie er es – sicher etwas überspitzt – in einer Mitteilung an die Stadt formuliert hat.

Vor gut einem Jahr habe die Stadt angekündigt, dass der Breitbandausbau in den Bauerschaften erfolgen werde. „Ein ganzes Jahr ist vergangen, ohne dass wirklich etwas passiert ist“, echauffiert sich Klabes und fragt provokant: „Wissen Sie eigentlich, dass auch wir Gewerbetreibenden im Außenbereich ein schnelles Internet für unser Alltagsgeschäft benötigen, um konkurrenzfähig zu bleiben?“

Ingmar Ebhardt, der als Breitbandkoordinator des Kreises Steinfurt auch den Ausbau der Glasfaserinfrastruktur in der Kreisstadt begleitet, kann die Kritik durchaus nachvollziehen, muss jedoch um Geduld bitten. Die Verzögerung sei zum großen Teil nicht hausgemacht. So gebe es derzeit eine sehr hohe Nachfrage nach Dienstleistungen im Zusammenhang mit dem Breitbandausbau, berichtet Ebhardt. Allein kreisweit seien derzeit acht Kommunen im Geschäft, macht er beispielhaft den großen Wettbewerbsdruck deutlich.

Verzögerungen gebe es auch in der Bearbeitung: Die europaweite Ausschreibung sei inzwischen zwar abgeschlossen und ein so genannter „bevorzugter Bieter“ habe sich herauskristallisiert. Auch der Förderantrag, der einen millionenschweren Zuschuss von Bund und Land für den Ausbau beinhaltet, sei am 15. August eingereicht worden. „Er wird aber derzeit noch vom Bundesprojektträger geprüft, wir warten auf eventuelle Nachforderungen“, gibt der Breitbandexperte den Stand der Dinge wieder. Es könne zum Beispiel sein, dass sich herausstellt, dass die Adressliste, mit denen der Antragsteller gearbeitet hat, nicht aktuell war und noch nachgebessert werden muss.

Ebhardt geht davon aus, dass die Förderbescheidszusage bis spätestens Ende des Jahres vorliegen wird. Danach könne dann kurzfristig die Auftragsvergabe an den Anbieter erfolgen. Mit dem Beginn der Tiefbauarbeiten sei im ersten Halbjahr des kommenden Jahres zu rechnen, nicht jedoch mit einem Abschluss der Arbeiten vor Jahresende 2020, schätzt der Experte die Zeithorizonte ein.

Wie groß der Aufwand bei dem Glasfaserprojekt sein wird, verdeutlichen einige Zahlen: So sind es rund 660 Haushalte sowie weitere 60 Gewerbebetriebe, die in den Bauerschaften mit dem schnellen Netz verbunden werden. „Der Anschluss wird dabei kostenfrei bis ins Haus gelegt und endet nicht zehn Meter vorher, dazu ist der Anbieter verpflichtet“, versichert Ebhardt.

Die Gräben, die für die Verlegung der Kabel gezogen werden müssen, summieren sich auf mehr als 163 Kilometer Gesamtlänge. Der als Betreiber ausgewählte Telekommunikationsdienstleister tritt dabei als Auftraggeber für das Tiefbauunternehmen auf, das die Erdarbeiten vor Ort durchführt.

Aus Sicht der Stadt sieht Wirtschaftsförderin Debbie Kattenbeck den Ausbau „in dem Zeitplan, den wir uns selbst gesteckt haben“. Man habe die Hausaufgaben gemacht,. Nun liege es an der Bundesprüfstelle, den eingereichten Förderantrag zu bearbeiten. Kattenbeck kündigte an, weitere Infoveranstaltungen anzuberaumen, sobald dieser genehmigt worden ist.

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