Clara-Schumann-Abend im Huck-Beifang-Haus
Stimmiges Gesamtbild

Steinfurt -

Clara Schumann, besessene Musikerin, kaltherzige Frau? „Wer sich nicht für klassische Musik interessiert, sich aber an die Geldscheine der Deutschen Mark erinnert, weiß, dass ein 100-D-Mark-Schein das Porträt von Clara Schumann trug“, erinnerte Usch Hollmann im Burgsteinfurter Huck-Beifang-Haus an diese ungewöhnliche Frau und Künstlerin. In diesem Jahr wäre sie 200 Jahre alt geworden.

Montag, 28.10.2019, 16:26 Uhr
Führten das Publikum durch den Schumann-Abend: Usch Hollmann sowie Juliane Käschner, die am Klavier saß.
Führten das Publikum durch den Schumann-Abend: Usch Hollmann sowie Juliane Käschner, die am Klavier saß. Foto: aro

Clara Schumann, besessene Musikerin, kaltherzige Frau? „Wer sich nicht für klassische Musik interessiert, sich aber an die Geldscheine der Deutschen Mark erinnert, weiß, dass ein 100 DM-Schein das Porträt von Clara Schumann trug“, erinnerte Usch Hollmann das Publikum an diese ungewöhnliche Frau und Künstlerin. In diesem Jahr wäre sie 200 Jahre alt geworden.

Aus diesem Anlass lud der Kneipp-Verein die Rezitatorin und Autorin Usch Hollmann mit der Pianistin Juliane Käschner ins Huck-Beifang-Haus ein. Usch Hollmann, die sich neben anderen an dem Historiker Dieter Kühn, dem Romancier Peter Härtling und der Autorin Eva Weissweiler orientierte, hatte ein vielschichtiges Puzzle zum Leben von Clara Schumann zusammengetragen. Juliane Käschner spielte Stücke von ihr, ihrem Mann und Johannes Brahms, sodass ein stimmiges Gemälde aus dem 19. Jahrhundert entstand.

Das viel gerühmte Wunderkind Clara wurde vom Vater gehätschelt, als einzige der Geschwister, nachdem die Mutter den groben und lieblosen Friedrich Wieck verlassen hatte. „Merkwürdigerweise schien sie die Kälte und Grausamkeit ihres Vaters gegen die Geschwister kalt zu lassen. Sie flüchtete in die Musik“, trug Hollmann vor. Clara war schon mit neun Jahren ein Publikumsliebling und sehr begabt, das brachte dem bettelarmen Wieck reichlich Geld in die Kasse. Fast eifersüchtig überwachte er ihren Weg. Dazu passte ein gemeinsames Tagebuch, in das sie ganz offen mit 16 Jahren den ersten Kuss von Robert Schumann (1810 bis 1856) notierte, sodass der Vater gleich Bescheid wusste. Robert Schumann war im Gegensatz zu Clara Wieck noch unbekannt und als Mensch in den Augen des Vaters unberechenbar. „Dokumentiert wurde, dass er als alkoholsüchtig galt und einen langen Weg zum Erfolg brauchte“, führte die Vortragende aus. Es heißt, seine Krankheit, Syphilis, hinterließ Spuren und war vermutlich für seinen Selbstmordversuch verantwortlich. Danach lebte er noch zwei Jahre in einer Nervenheilanstalt, während Clara längst mit dem 14 Jahre jüngeren Johannes Brahms ein leidenschaftliches Verhältnis pflegte.

Die Schumann-Ehe währte von 1840 bis 1856, in der Clara eher widerwillig acht Kinder gebar. Sie war nicht zur Hausfrau und Mutter geboren. Es gelang ihr nicht, eine Bindung zu den Kindern aufzubauen. Nur der finanziellen Not in der Familie Schumann ist es zu verdanken, dass Clara weiterhin öffentliche Auftritte hatte, manchmal hochschwanger. Kritiker behaupteten, ihr Spiel sei mechanisch, ohne Seele und Intellektualität. Trotzdem hatte sie unzählige Bewunderer, auch im Ausland. Nach dem Tod ihres Mannes lebte sie noch eine reiche Witwenschaft, in der sie das von ihr bevorzugte Leben als Pianistin, Musikverlegerin und Professorin endlich auskosten konnte.

Durch Zitate aus den Briefen der Eheleute verfolgten die Zuhörer die Liebschaft zwischen zwei von der Musik besessenen Menschen, wobei Robert Schumann als Mann auf der bevorzugten Seite dieses Jahrhunderts stand. Geringschätzig hört es sich an, wenn er von dem „Geklimper“ seiner Frau schreibt, die sogar auf Wunsch des Vaters eigene Stücke komponierte. Kompositionen galten als die Domäne des Mannes.

Hollmann setzte Betonungen in ihrem Text, die den Zuhörern die Einfühlung in Gefühle von Clara oder Robert ermöglichten. Auch das Klavierspiel von Käschner schlich sich ins Herz des Publikums, zuletzt waren es die „Träumereien“ von Schumann. Mit großem Applaus bedankte es sich bei den Künstlerinnen.

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