Pilotprojekt im Norden der Stadt
Wie warm ist es unter Warendorf?

Warendorf -

Kanalarbeiten im künftigen Baugebiet In de Brinke? Nein. Die drei Schachtringe markieren die Testbohrungen für geothermische Messungen im Auftrag der Stadtwerke. Sie wollen wissen, wie warm es 150 Meter tiefer ist. Für regenerative Heizenergie 150 Meter höher.

Mittwoch, 30.10.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 30.10.2019, 16:32 Uhr
So sieht‘s aus unter Warendorf: Oben links ist es die ersten paar Meter Mutterboden und Lehm, weiter nach unten rechts kommt dann langsam der Emscher-Mergel. Die ersten Bohrlöcher sind 150 Meter tief.
So sieht‘s aus unter Warendorf: Oben links ist es die ersten paar Meter Mutterboden und Lehm, weiter nach unten rechts kommt dann langsam der Emscher-Mergel. Die ersten Bohrlöcher sind 150 Meter tief. Foto: Stadtwerke / Florian Skirde

Warendorfs innere Werte? Florian Skirde ist wirklich gespannt drauf. Für ihn dürfte Ende dieses Monats so ein kleines Bisschen Vorweihnachtsgefühl aufkommen. Dann liegen dem Produktmanager Energiedienstleistungen der Stadtwerke Zahlen vor: Was taugt der Boden unter dem Norden der Stadt als Wärmelieferant? Seit dem Wochenende laufen die Auswertungen nach dreiwöchigen Auszeichnungen spezieller Messtechnik.

Und zwar die des TRT, des „Thermal Response Test“. Mit ihm hat ein Fachbüro im Auftrag der Stadtwerke aufgezeichnet, wie groß die Temperatur-Differenz zwischen der Luft direkt überm Erdboden des künftigen Baugebiets In de Brinke zum Erdreich 150 Meter darunter ist. So tief reichen die ersten drei Bohrlöcher. Vom „Ertrag“ hängt dann ab, wie viele der sogenannten Sonden dann bis in welche Tiefe gebohrt werden, um Hausbesitzern eine wirtschaftliche Beheizung ihrer Gebäude mit Geothermie (Erdwärme) statt mit dem herkömmlichen Gas anbieten zu können.

Da steckt richtig Herzblut drin.

Florian Skirde ist begeistert vom Pilotprojekt der Stadtwerke

„Ein Vorteil an dem System ist“, so Florian Skirde, „dass es keinen Anschluss- oder Nutzungszwang gibt.“ Jeder Grundstückseigner kann also selbst entscheiden, wie er heizen will, wobei allerdings klar ist, dass die Stadtwerke gemäß ihrem Grundsatzbeschluss kein neues Baugebiet mehr mit Gasleitungen ans Netz anschließen. Seine Premiere hatte das im ungleich kleineren Baugebiet Kardinal-von-Galen-Straße (wie berichtet).

Prinzipiell soll ein Ringsystem aus Leitungen zwischen 20 und 30 Zentimetern Durchmesser das durch die Sonden laufende Gemisch aus Sole und Glykol in rund eineinhalb Metern Tiefe durchs ganze Baugebiet mit seinen fünf nacheinander entstehenden Abschnitten führen. Die Zahl der in mehreren Bohrzonen am Rand und mitten im Gebiet geplanten Sonden richtet sich nach den beiden Größen Nachfrage (also anzuschließenden Häusern) und der „Heizleistung“ aus dem Erdreich. Die beträgt zwar in der Regel nur einige Grad Unterschied, doch die Wärmepumpen in den Häusern erzeugen aus dieser Spanne die nötige Heizleistung.

Ringleitung mit Heizgemisch durchs ganze Baugebiet

Genau auf diese Spanne ist Florian Skirde so gespannt. „Nach der TRT-Auswertung kommt die Feinrechnung, und dann können wir irgendwann ein Preisschild dranhängen.“ Da es ein Unternehmen gibt, das alle Bohrungen für die Stadtwerke übernimmt, geht Skirde von einem deutlich günstigeren Preis pro Sonde aus als dem, den ein Privatmann zahlt. „Das kostet zwischen 7000 und 10 000 Euro. Wir werden da sicher günstiger kalkulieren können.“

Wie teuer der Anschluss an die Wärme aus der Erde wird, stellt sich also noch heraus. Aber Skirde rechnet damit, dass der Preis wettbewerbsfähig sein wird. „Und was künftige gesetzliche Regelungen angeht, sind wir auf jeden Fall auf der sicheren Seite.“ Ab 2021 müssen neu errichtete Häuser auf Niedrigstenergie-Standard sein. Das erfüllt das Geothermie-Gebiet schon mal.

Ab Jahreswechsel Informationen über die Preise

Auch die Versorgung des „warm“ geplanten Bereichs im Baugebiet mit einem herkömmlichen Blockheizkraftwerk und einem Gaskessel wird bald ausgeschrieben. Und Endes dieses, Anfang kommenden Jahres beginnen die Stadtwerke dann mit der Information und Werbung für das Pilotprojekt, das Florian Skirde aus fachlicher Sicht extrem spannend findet: „Da steckt richtig Herzblut drin.“

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