Ist Esport eine richtige Sportart?
Für das Zocken bezahlt

Sie sitzen Stunden vor dem Bildschirm, besprechen Taktiken und trainieren. Esportler haben einen härteren Alltag, als so manche meinen. Sie verdienen ihr Geld damit, in ausverkauften Stadien auf der Bühne bei Wettkämpfen in Computerspielen gegen andere Teams anzutreten. Doch nicht alle sehen die Arbeit, die wirklich dahinter steckt.

Dienstag, 05.11.2019, 16:10 Uhr aktualisiert: 05.11.2019, 16:30 Uhr
E-Sport wird immer populärer. Wettkämpfe füllen ganze Hallen.
E-Sport wird immer populärer. Wettkämpfe füllen ganze Hallen. Foto: FrankPeters

Für viele gehören Sport und körperliche Betätigung einfach zusammen. Wer nicht schwitzt, der bewegt sich auch nicht richtig. In letzter Zeit allerdings macht das Phänomen E-Sports immer mehr um sich Furore. Ganze Stadien werden gefüllt mit Fans von Teams, die in Spielen wie „League of Legends“, „Counter-Strike“ oder „Fortnite“ gegeneinander antreten. Begleitet von Lichtshows, Live-Acts und Kommentatoren werden die Begegnungen in der Arena auf großen Bildschirmen, oder ganz bequem auf Livestreaming-Plattformen wie „Twitch“ am Schirm zu Hause verfolgt. Dabei handelt es sich längst nicht mehr um ein kleines Nischenpublikum. Momentan finden die Weltmeisterschaften von „League of Legends“, aktuell einem der größten Online-Titel, in Berlin statt, und diese werden von hunderttausenden Zuschauern verfolgt. Dabei geht es nicht nur um Ruhm und Ehre, sondern auch um ein riesiges Preisgeld.

Dennoch wird der ganze Bereich von vielen belächelt. E-Sport sei kein richtiger Sport, für Daddelei bezahlt werden, Training für Wettkämpfe als Ausrede für die Computersucht, das sind einige Argumente von Gegnern des neuen Bereiches. Die Diskussion darum, ob E-Sport überhaupt Sport ist oder sogar zu einer olympischen Disziplin werden soll, wird schon seit vergangenen Jahr diskutiert. Der Deutsche Olympische Sportbund spricht sich allerdings noch gegen die Anerkennung aus. Begründet wird dies unter anderem mit den dargestellten Inhalten, die oft mit Gewalt einhergehen. Außerdem geht es um die Infrastrukturen und den Einfluss der Unternehmen, die hinter den Spielen stehen.

Obwohl die körperliche Anstrengung nicht so groß wie beispielsweise beim Fußball ist, ist in Studien der Deutschen Sporthochschule in Köln bereits bewiesen worden, dass die professionellen Zocker einem hohen physischen Druck ausgesetzt sind. Die Herzfrequenz ist erhöht, die Konzentration und motorische Fähigkeiten stehen auf einem außergewöhnlich hohen Prüfstand und das Stresslevel, gemessen an dem Stresshormon Cortisol, ist ebenfalls auf dem Niveau eines Rennfahrers. Eine sportliche Fitness ist also durchaus Voraussetzung, um ein erfolgreicher E-Sportler zu werden.

Nicht zu verleugnen ist, dass dieser Bereich gerade bei Jugendlichen viel Aufmerksamkeit bekommt. Die Zuschauer sind selten älter als 30. Auch die Zahl der eingetragenen Mannschaften wird größer. Schalke 04 hat beispielsweise eine E-Sport-Mannschaft, die bei dem Spiel „League of Legends“ in der obersten europäischen Liga mitspielt. Zumindest also im Wettbewerbsbereich kann sich der virtuelle Sport im Vergleich durchaus sehen lassen.

Auch in Steinfurt ist E-Sport angekommen. Der Verein „Galaxy Steinfurt“ hat ein eigenes Team gebildet, welches sich auf die Fußballsimulation „FIFA“ spezialisiert hat. Spieler aus dem Kreis und auch aus Österreich oder der Schweiz sind Teil des Kaders.

„Für mich ist da eine klare Unterscheidung wichtig. Wenn ich abends für mich zocke, ist das kein Sport“, sagt Ali Pish Been, Leiter der E-Sports-Abteilung von „Galaxy Steinfurt“. „Allerdings hat Sport viele Merkmale. E-Sport erfüllt nur das Kriterium der körperliche Betätigung nicht, dafür aber alle anderen moralischen Werte wie Teamgeist und Taktik. Allerdings meine ich auch, wenn Darts, Billard oder Schach als Sport zählen, dann ist E-Sport genau so eine Sportart wie die anderen auch.“

„Ich würde für mich schon sagen, dass Sport mit starker körperlicher Betätigung einhergeht. Wenn man mich fragt, Sportarten aufzuzählen, denke ich an Fußball, Tennis, Joggen und so. Aber es gibt im E-Sport ja auch Wettbewerbe wie im normalen Sport, deswegen kann ich es auch durchaus nachvollziehen, wenn es als offizielle Sportart gilt“, meint Thorben Laumeier aus Steinfurt.

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