Turban und Endres zeigen in der Konzertgalerie unglaubliche Virtuosität und Emotionen
Zwei wie Kaffee und Latte

Steinfurt -

Mit Schuberts „Rondo brillant“ begann der Klavier- und Violinabend zweier hoch professioneller Musiker, die – niemand konnte das merken – überhaupt erstmals zusammen gespielt haben und doch auf der Bühne wirkten wie zwei, die zusammengehören wie Zahnkranz und Fahrrad, wie Kaffee und Latte.

Sonntag, 17.11.2019, 15:36 Uhr aktualisiert: 20.11.2019, 16:24 Uhr
Überzeugten ihr Publikum am Samstag in der Bagno-Konzertgalerie mit unglaublicher Virtuosität und Emotionen: Ingolf Turban (Violine) und Michael Endres (Klavier).
Überzeugten ihr Publikum am Samstag in der Bagno-Konzertgalerie mit unglaublicher Virtuosität und Emotionen: Ingolf Turban (Violine) und Michael Endres (Klavier). Foto: Hans Lüttmann

Tja, dann fiel die Deutschland-Premiere wohl der krakeligen Notenklaue dieses Norwegers zum Opfer, den aber sowieso kaum jemand kennt: Christian Sinding, dessen 1882 komponierte Sonate noch immer nicht gedruckt vorliegt. Ingolf Turban und sein Duopartner am Klavier, Michael Endres, hatten sich zwar stundenlang über die Sinding-Noten gebeugt und hätten sie auch gerne im Steinfurter Bagno gespielt, „aber“, seufzte Turban, „dieses Manuskript macht einen wahnsinnig.“

Gut, dass die beiden es nicht so weit haben kommen lassen; und Johannes Brahms hat ja auch schöne Sonaten geschrieben, und diese, die ersatzweise gespielte Thuner Liebes- und Liedersonate („in Erwartung einer lieben Freundin“) klingt doch wie der feine Abgesang eines Sommerabends, an den die Zuhörer in der Bagno-Konzertgalerie bestimmt gerne, wenn auch mit Wehmut zurückgedacht und Herrn Sinding darüber vergessen haben.

Ingolf Turban und Michael Endres zeigten eine unglaubliche Virtuosität und Vielfalt an Emotionen, Klangfarben und Tempi. Sowohl wiegenliedartige Passagen und pastorale Klänge, als auch rasante, lebhaft sprühende Sätze wussten sie im intensiven Dialog beider Instrumente in klingender Musik zu vereinen.

Und dann ein typischer Grieg, folkloristisch an den Springtans angelehnt, klingt die Sonate so norwegisch wie wie kaum ein anderes seiner Kammermusikwerke. Neben den fröhlichen Rhythmen im heiteren G-Dur prägen auch wehmütige Melodien in Moll das Werk, wie das einleitende Lento doloroso, das ganz leise vom Klavier angestimmt wird. Auf diese zarte norwegische Ballade antwortet die Violine alleine mit einem Ausbruch von Schmerz im Fortissimo. Daraus geht schließlich das quicklebendige Hauptthema hervor, der heitere Springtanz. Der fröhliche Charakter des Werkes erklärt sich aus einem einfachen Umstand: Grieg komponierte es während seiner dreiwöchigen Hochzeitsreise im Sommer 1867. Die Sonate ist zugleich eine Liebeserklärung an seine Frau Nina Hagerup und eine Hymne auf die Hochzeitsfeiern im ländlichen Norwegen.

Mit Wiener Kaffeehausklängen aus Franz Kreislers „Caprice Viennois“ und einer zarten Schubert-Zugabe schickten die beiden weltweit gefeierten Musiker ihre beseelten Zuhörer in die herbstlich-fröstelnde Bagno-Nacht, in der über die ausgefallene Premiere kein Wort mehr fiel.

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