Einmal 15 und einmal 13 Monate Haft – ohne Bewährung
„Fahrradhandel“ bringt Angeklagte hinter Gitter

Burgsteinfurt -

Einmal 15 Monate, einmal 13 Monate Gefängnis. Ohne Bewährung. Das Amtsgericht Steinfurt hat am Mittwoch die beiden Männer, die angeklagt waren, 2017 in Burgsteinfurt und darüber hinaus regen Handel mit gestohlenen Fahrrädern betrieben zu haben, zu empfindlichen Haftstrafen verurteilt. Weil die Taten als „besonders schwerer Diebstahl“ eingestuft und die beiden Angeklagten einschlägig vorbestraft waren, ließ die Vorsitzende keine Milde walten. Sie schloss es aus, die Strafe zur Bewährung auszusetzen.   Foto:

Mittwoch, 20.11.2019, 16:24 Uhr

Die Angeklagten hatten von ihrem Recht Gebrauch gemacht, zu allen Vorwürfen zu schweigen. Entsprechend zog sich der Prozess in die Länge. Bis das Urteil gesprochen war, hat es drei Verhandlungstage gedauert. Mehr als ein Dutzend Zeugen wurden im Verlauf der Beweisaufnahme gehört. Die Polizei hatte Chat-Protokolle in beschlagnahmten Handys ausgelesen, Rechtsmediziner sogar DNA-Spuren an Lenkern ausgewertet, um am Ende die Frage zu beantworten, ob den Beschuldigten die Taten zweifelsfrei nachgewiesen werden können.

Beide Verteidiger waren davon nicht überzeugt. Sie räumten zwar ein, dass die von der Vertreterin der Staatsanwaltschaft aufgelisteten Indizien den Eindruck erwecken könnten, „die Angeklagten hätten irgendwas mit Fahrrädern oder Diebstählen zu tun“. Lückenlos sei diese Kette aber nicht geknüpft. „Das reicht nicht, die Männer zu überführen“, forderten der Verteidiger und seine Kollegin, ihre Mandanten freizusprechen.

Die Richterin sah das alles ganz anders. Sie folgte der Staatsanwältin, die die Männer für schuldig hielt. Die Anklägerin bezog sich insbesondere auf die Zeugen, die gesehen, gehört oder beobachtet hatten, wie die Männer wiederholt Markenfahrräder in ihrem Mehrfamilienhaus und einer Garage „zwischengelagert“ und mit einem Bulli transportiert haben. Dass sich Zeugen teilweise nicht mehr an ihre Beobachtungen erinnern konnten oder wollten, spielte nur eine untergeordnete Rolle. Die bei der Polizei protokollierten Aussagen halfen, ihnen auf die Sprünge zu helfen.

Während die DNA-Spuren nur ausreichten, Hinweise, aber (aufgrund der mangelnden Qualität) keine sichere Tatbeteiligung nachzuweisen, konnten die auf den Mobil-Telefonen gesicherten Chats und Fotos den Verdacht weiter erhärten, dass die Angeklagten im größeren Stil „Fahrradhandel“ betrieben haben. In neun Fällen wurde der Nachweis geführt. Vermutet wurde, dass das Duo noch viel mehr Räder gestohlen hat.

Gegen das Urteil können die beiden Männer jetzt noch Rechtsmittel einlegen. Dass der zweite Angeklagte zwei Monate weniger Haft verbüßen muss, ist der Tatsache geschuldet, dass sein Vorstrafenregister nicht so lang wie das seines Kollegen war. Außerdem wurde ihm eine günstigere Sozialprognose gestellt. Der dreifache Familienvater erwartet mit seiner Frau das dritte Kind und hat gerade eine Festanstellung gefunden. Die Richterin: „Das alles schützt aber vor Strafe nicht.“

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