Bewegende Gedenkfeier am Platz der zerstörten Synagoge
Frieden kommt nicht von selbst

Burgsteinfurt -

Dass Elisabeth Epping gekommen war, hat der Gedenk- und Friedensfeier in der Kauten­stege am Freitag noch einmal einen besonders bewegenden Moment gegeben. Als Kind hatte sie 1938 fassungslos vom Balkon ihres Elternhauses mitansehen müssen, wie Burgsteinfurter Nationalsozialisten die jüdische Synagoge in Schutt und Asche legten.

Samstag, 23.11.2019, 07:00 Uhr
Schüler, Eltern, Lehrer und Bürger waren gestern Vormittag zu der Gedenkfeier am Platz der zerstörten Synagoge in die Kautenstege gekommen, um die „Friedensbotschaft II“ in den Bäumen zu sehen und für den Frieden einzustehen. Peter Kücking, Dr. Peter Krevert und Udo Röllenblech (Bild u.r., v.l.) bedankten sich bei Elisabeth Epping, die die Schreckensnacht 1938 als Kind miterleben musste.
Schüler, Eltern, Lehrer und Bürger waren gestern Vormittag zu der Gedenkfeier am Platz der zerstörten Synagoge in die Kautenstege gekommen, um die „Friedensbotschaft II“ in den Bäumen zu sehen und für den Frieden einzustehen. Peter Kücking, Dr. Peter Krevert und Udo Röllenblech (Bild u.r., v.l.) bedankten sich bei Elisabeth Epping, die die Schreckensnacht 1938 als Kind miterleben musste. Foto: Drunkenmölle

Dass Elisabeth Epping gekommen war, hat der Gedenk- und Friedensfeier in der Kauten­stege am Freitag noch einmal einen besonders bewegenden Moment gegeben. Als Kind hatte sie 1938 fassungslos vom Balkon ihres Elternhauses mitansehen müssen, wie Burgsteinfurter Nationalsozialisten die jüdische Synagoge in Schutt und Asche legten. Heute gehört sie zu den letzten Zeitzeugen, die die Schrecken dieser, in die Geschichtsbücher eingegangenen Pogromnacht miterlebt hat.

Wie Epping waren Schüler, Lehrer und Bürger am Vormittag gekommen, um für den Frieden einzustehen. 120 hölzerne Friedenstauben waren im Kunstunterricht in drei örtlichen Schulen gestaltet und anschließend in die Baumgruppe an der Gedenkstätte des zerstörten jüdischen Gotteshauses gehängt worden. Peter Kücking und Jugendliche der Werkstatt der Evangelischen Jugendhilfe hatten diese Aktion ihrer ersten Tauben-Botschaft zu den 5. Steinfurter Geschichtstagen folgen lassen (wir berichteten). „Eine beeindruckende Aktion“, wie Geschichtstags-Initiator Dr. Peter Krevert erklärte und dazu aufrief, an diesem Ort der Erinnerung diese beeindruckende Botschaft vom „Frieden für alle“ zu verinnerlichen und in die Welt zu tragen.

Was es heißt, aus der Vergangenheit für die Zukunft zu lernen, macht Udo Röllenblech deutlich. Der Europa-Experte in der Geschichtstag-Gruppe schilderte, wie der Zweite Weltkrieg ganz Europa in den Abgrund gestürzt hat. „Am liebsten möchte man sich abwenden, vergessen, wegsehen oder weghören. Doch das ist eine Versuchung, der man widerstehen muss“, appellierte Röllenblech an seine Zuhörer, niemals zu vergessen, was geschehen ist. „Es ist geschehen, und folglich kann es wieder geschehen. Darin liegt der Kern dessen, was wir zu sagen haben“, zitierte Röllenblech Primo Levi, einen jüdischen und später nach Auschwitz deportierten Widerstandskämpfer. Röllenblech sprach mit Blick auf die aktuellen gesellschaftlichen Veränderungen von einem Déjà-vu: „Wenn man die politische Landschaft beobachtet, dann ist festzustellen, dass wieder Vorurteile geschürt werden.“ Rechter, gewaltbereiter und radikaler Extremismus und Hass würden die Demokratie gefährden. „Frieden kommt und geht nicht von selbst. Wir können froh sein, dass wir schon so lange im Frieden leben dürfen. Aber man muss etwas tun, um ihn zu erhalten. Er bleibt nicht, wenn man wegschaut“, lautete Röllenblechs Botschaft.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7083181?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686838%2F
Nachrichten-Ticker