Grenzstein am Fürstlichen Wald „Fuchshagen“ aufgestellt
Nr. 83 wieder an Ort und Stelle

Burgsteinfurt -

„Taler, Taler, du musst wandern.“ Der Kinderliedtext müsste in Burgsteinfurter Sprache übersetzt lauten: „Schnatstein, Schnatstein, du musst wandern.“ Die Rede ist vom Grenzstein mit der Nummer 83. Lange musste der Heimatverein Burgsteinfurt um ihn kämpfen, seit Mittwoch steht er wieder an angestammter Stelle.

Freitag, 29.11.2019, 06:00 Uhr
Schnatstein Nr. 83 steht wieder an seinem alten Platz. Vertretern des Katasteramts des Kreises sowie Mitglieder des Heimatvereins freuten sich über die Rückkehr der alten Landmarke, die in der Lehmkuhl-Werkstatt wieder herausgeputzt worden ist.
Schnatstein Nr. 83 steht wieder an seinem alten Platz. Vertretern des Katasteramts des Kreises sowie Mitglieder des Heimatvereins freuten sich über die Rückkehr der alten Landmarke, die in der Lehmkuhl-Werkstatt wieder herausgeputzt worden ist. Foto: Heimatverein Burgsteinfurt

„Taler, Taler, du musst wandern.“ Der Kinderliedtext müsste in Burgsteinfurter Sprache übersetzt lauten: „Schnatstein, Schnatstein, du musst wandern.“ Die Rede ist vom Grenzstein mit der Nummer 83. Lange musste der Heimatverein Burgsteinfurt um ihn kämpfen, seit Mittwoch steht er wieder an angestammter Stelle. Hennig Meyer und weitere Vertreter des Katasteramts des Kreises Steinfurt, Heimatfreunde sowie Mitarbeiter der Firma Lehmkuhl waren Zeugen, als der 300-Kilo-Koloss in sein neues Standbett gewuchtet wurde, heißt es in einer Pressemitteilung der Heimatfreunde.

Die Historie des Grenzsteins geht bis in das 18. Jahrhundert zurück. Im Protokoll über den genauen Grenzverlauf zwischen dem Fürstbistum Münster (auf den Grenzsteinen mit M gekennzeichnet) und der Grafschaft Steinfurt (S) von 1788 listet der münsterische Artillerie-Fähnrich Jan Anton Jansinck den Stein Nr. 83 als „vorhanden“ auf. Der besonders behauene, säulenartige Sandstein mit den Wappen der beiden Landesherren stand am Ende des fürstlichen Waldes „Fuchshagen“.

Als der Heimatverein in den 1950er-Jahren auf Initiative von Günther Hilgemann die historischen Schnatgänge wieder aufleben ließ, stand der Stein Nr. 83 noch an Ort und Stelle. Gottfried Bercks, der wie Hilgemann schon als Kind die Schnatgänge mitgemacht hatte, kümmerte sich im Beirat ab 1991 um die Schnatsteine.

Plötzlich hieß es: Stein 83 ist weg. Recherchen ergaben, dass der Stein in Neuenkirchen einen Privatgarten schmückt. Das Katasteramt forderte beim neuen „Besitzer“ die Herausgabe. Mit dem „Argument“, dann falle seine Garage um, war der Fall zunächst erledigt. Einige Jahre später konnte der Heimatverein den Stein in Hauenhorst fotografieren. Auf Betreiben des Vereins wurde die gesamte Grenze 2002 unter Denkmalschutz gestellt. Es brauchte zahlreiche Anstöße durch Gottfried Bercks bei der nun federführenden Bezirksregierung, bis nach 14 Jahren die Herausgabe von Stein Nr. 83 eingeklagt wurde. Weitere fünf Jahre später wurde im Februar 2019 das Urteil des Verwaltungsgerichtes rechtskräftig. Der inzwischen sichergestellte Stein konnte wieder an seinen alten Standort zurück.

Mit schwerem Gerät ist der geschichtsträchtige Koloss nun wieder dort aufgestellt worden, wo er hingehört. Der Heimatverein bedauert, dass Gottfried Bercks als „Vater“ des Ganzen bei dem feierlichen Moment wegen Krankheit leider nicht dabei sein konnte.

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