Tiergestützte Therapie mit Pferd im Cläre-Fund-Haus
Krümel auf dem Flur

Burgsteinfurt -

Mitten im Evangelischen Altenhilfezentrum steht am Mittwochvormittag ein Pferd auf dem Flur – das gab es in der Geschichte des Hauses auch noch nicht. Der ungewöhnliche Besuch ist Bestandteil der tiergestützten Gruppentherapie, die das Haus regelmäßig anbietet. Bislang mit Hunden – und jetzt erstmals auch mit einem Pferd.

Freitag, 29.11.2019, 18:00 Uhr
Mit Krümel war jetzt ein echtes Pferd zu Gast bei den Senioren des Cläre-Fund-Hauses – Therapeutin Lina Jordan machte es möglich.
Mit Krümel war jetzt ein echtes Pferd zu Gast bei den Senioren des Cläre-Fund-Hauses – Therapeutin Lina Jordan machte es möglich. Foto: rs

Krümel schnaubt zufrieden. Dazu hat der vierjährige Shetland-Pony-Wallach auch allen Grund. Er ist – im übertragenen Sinne – gerade Hahn im Korb. Um den Mini-Vierbeiner, Stockmaß deutlich unter einem Meter, sitzen Bewohner des Cläre-Fund-Hauses, bürsten, streicheln und hätscheln ihn. Ja, richtig gehört: Mitten im Evangelischen Altenhilfezentrum steht am Mittwochvormittag ein Pferd auf dem Flur – das gab es in der Geschichte des Hauses auch noch nicht.

„Therapiehunde gehören ja schon länger zu unserem Angebot – und im vergangenen Jahr hatten wir auch schon Hühner zu Gast“, sagt Stefanie Altrogge. Aber ein Pferd, dass sei schon etwas ganz Besonderes, so die Mitarbeiterin im Sozialen Dienst des Cläre-Fund-Hauses.

Auf die Idee, eine tiergestützte Therapie mit Pferd durchzuführen, hat sie Reinhard van Loh gebracht. Der neue Leiter des Ev. Altenhilfezentrums ist ja bekanntlich auch Chef im Gronauer Bethesda-Seniorenzentrum – und dort gab es ein Pferdegastspiel schon im vergangenen Jahr. Stefanie Altrogge recherchiert und findet in Langenhorst den Therapiehof Jordan mit einem passenden Angebot. Der Kontakt zu Inhaberin und Reittherapeutin Lina Jordan ist schnell hergestellt.

Am Mittwoch nun ist es soweit: Die Ochtruperin rollt mit Anhänger auf den Hof des Fund-Hauses. Mit dabei: Krümel. Das lammfromme Pony mit dem wuscheligen Fell kommt bei den Bewohnern sofort bestens an. Die meisten, die sich um den Vierbeiner scharen, haben in ihrer Biografie schon mal mit Rössern zu tun gehabt. So wie Helga (Name von der Redaktion geändert). Die 84-jährige Sellenerin erinnert sich noch gut an die Zeit, in der nicht Traktoren, sondern Pferde die landwirtschaftliche Arbeit bestimmten. Als erfahrene Kennerin darf sie das Zügel in die Hand nehmen – sie strahlt.

„Krümel geht ganz offen auf Menschen zu, er merkt, wie jemand drauf ist und reagiert entsprechend ruhig oder etwas aktiver“, sagt seine Besitzerin über die Charaktereigenschaften des Ponys. Diese Sensibilität und die Fähigkeit zur Interaktion sind es, die Krümel so geeignet machen für den Job des „Co-Therapeuten“, wie Lina Jordan es nennt. Diese Empathie hat erstaunliche Wirkung auf die Bewohner, die an diesem Vormittag an dem ungewöhnlichen Gruppenangebot teilnehmen. Die Senioren kommen aus sich heraus, teilen Erinnerungen, sind gut gelaunt. Gerne machen sie sich dabei auch nützlich: Krümel wird gebürstet, dass sein Fell nur so glänzt.

Der vierjährige Wallach ist eins von derzeit vier Pferden, die der zwischen den beiden Ochtruper Ortsteilen Langenhorst und Welbergen gelegene Therapiehof im Stall stehen hat. Seit rund einem Jahr ist er im Einsatz – nicht nur in Altenpflege- oder Behinderteneinrichtungen, sondern mit präventivem Ansatz auch in Kindergärten oder Schulen. Einzel- oder gruppentherapeutische Angeboten direkt auf dem Hofgelände runden das Portfolio ab.

Oft geht es um Körperwahrnehmung, um Verbesserung von motorischen, kognitiven oder sozialen Fähigkeiten, berichtet die gelernte Ergotherapeutin. Ein Therapiepferd sei grundsätzlich sehr breit einsetzbar. „Die Tiere haben einen beruhigenden und heilenden Einfluss auf Seele, Geist und Körper“, berichtet sie.

Und Krümel selbst? Der stärkt sich gerade mit etwas Heu, dass ihm seine Besitzerin in einem Beutel mit ins Cläre-Fund-Haus gebracht hat. Daran tut das Pony gut, denn es steht ihm eine ganz besondere Herausforderung bevor: Die Fahrt im Aufzug in den dritten Stock. Dort wartet ein Bewohner in seinem Zimmer auf den Besuch des Pferdchens. Krümel tut sich erst etwas schwer mit dem Übertritt in die Box. Aber mit gutem Zureden von Lina Jordan und einem leckeren Apfel aus der Hausküche klappt es dann doch.

Die Bewohner des Hauses staunen nicht schlecht, was sie an diesem Tag so alles geboten bekommen. Und es wird nicht das letzte Mal sein, dass bei ihnen ein Pferd auf dem Flur steht. „Wir beabsichtigen, künftig regelmäßig tiergestützte Therapien anzubieten – mit Hunden, Hühnern und auch, wie heute, mit einem Pferd“, kündigt Altrogge an. Da schnaubt der Krümel und die Bewohner strahlen!

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