Dietutnix im Arnoldinum
Scheinheilig ins Spritzgebäck

Burgsteinfurt -

Sie sind immer für eine Überraschung gut und so kann es passieren, dass der Knaller ihrer Weihnachtshow ein Sommerlied ist. Frei interpretiert nach Peter Maffays Teenie-Ballade „Und es war Sommer“, singt Sabine Hollefeld von ihrer persönlichen Klimakatastrophe: „Ich hab Sommer, das erste Mal im Leben, in heißen Wellen kommt die Hitze an“. Diese Offenbarung ihrer Wechseljahressymptomatik brachte das vornehmlich weibliche Publikum schnell in Lach-Wallung. Damit hatten die vier Frauen von Dietutnix ihre Gäste schnell „am Haken“.

Sonntag, 08.12.2019, 19:00 Uhr aktualisiert: 11.12.2019, 09:18 Uhr
Das Publikum war hin und weg von den vier Protagonistinnen: Erst nach vier Zugaben ließ es das Kabarett-Quartett von der Bühne.
Das Publikum war hin und weg von den vier Protagonistinnen: Erst nach vier Zugaben ließ es das Kabarett-Quartett von der Bühne. Foto: cm

Sie sind immer für eine Überraschung gut – und so kann es passieren, dass der Knaller ihrer Weihnachtshow ein Sommerlied ist. Frei interpretiert nach Peter Maffays Teenie-Ballade „Und es war Sommer“, singt Sabine Hollefeld von ihrer persönlichen Klimakatastrophe: „Ich hab Sommer, das erste Mal im Leben, in heißen Wellen kommt die Hitze an“. Diese Offenbarung ihrer Wechseljahressymptomatik brachte das vornehmlich weibliche Publikum schnell in Lach-Wallung. Damit hatten die vier Frauen von Dietutnix ihre Gäste schnell „am Haken“.

Zunächst ging es in das Kühlhaus einer Tortenfabrik, das die vier Kabarettistinnen im Juli anmieten mussten, um in die richtige Stimmung für das Schreiben des Weihnachtsprogramms zu kommen. Trotz Glühwein und Hitzewellen holte sich Sabine Hollefeld dort „Gefrierbrand am Großzeh‘, das tut schäbbich weh!“, klagte die stabile Emsdettenerin, die sonst so schnell nichts umhaut. Nur ihre Kolleginnen, die gehen ihr gewaltig auf den Keks, wenn sie sie beim Vorlesen der Weihnachtsgeschichte immer wieder unterbrechen.

Auf was für einem Esel sie denn reiten soll, möchte die schwangere Jungfrau Maria wissen. Nach längerer Diskussion einigt sich die Truppe auf einen „katalanischen Eselhengst, samt Zuchtbuch und Equidenpass“. Der misstrauische Josef fordert einen Vaterschaftstest, und Maria macht sich folgenden, werbewirksamen Reim auf ihren Verlobten: „Schalldämpfung für jedermann – komm zu Jupp dem Zimmermann“.

Dietutnix, die auf Einladung des Kulturforums nach Steinfurt gekommen war, arbeitet alle Zutaten eines typischen Weihnachtsfestes ab, aber mit untypischen Mitteln und dem kritischen Blick des Kabaretts. Deshalb setzen Susanne Anders, Petra Münsterweg, Heike Knief und Sabine Hollefeld ihre münsterländische Bodenständigkeit gegen glasierte Scheinheiligkeit und scheuen auch keinen Zickenkrieg auf offener Bühne. Neid und Konkurrenz unter Schwestern ist genauso Thema, wie das Mobben eines unpassenden Sterns oder das Ablästern über die Schwiegermutter. Und wer hätte gedacht, dass zwei „plattdüütsch schnackende“ Rentnerinnen so flott online unterwegs sind?

Zwischen ihre Sketche hat das komische Quartett aus Emsdetten exquisite Musik eingebaut. Heike Knief spielt souverän sowohl Bachs „Toccata“ als auch die „Habanera“ aus Carmen auf dem Bechstein-Flügel. Alle Vier glänzen bei lockeren Instrumentalstücken, neugetextete Weihnachtslieder und eben dem schweißtreibende Sommerlied.

Womit wir schon bei den Zugaben sind. Das nun bestens aufs Fest vorbereitete Publikum erklatschte sich nicht weniger als vier davon, musste aber auch selber ran: „Oh, Du Fröhliche“ und „Leise rieselt der Schnee“ sang die ganze, bis auf die Empore gefüllte, Aula des Arnoldinums in heiliger Eintracht und Vorfreude aufs heimische Spritzgebäck!

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7121199?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686838%2F
Nachrichten-Ticker