Prediger-Slam
Neues Format mit Potenzial

Steinfurt -

Im Advent in die Kirche zu gehen, wenn ein mit „Predigerslam“ angekündigtes Ereignis stattfindet, hat mit Erwartungen zu tun. Ist das Humbug? Könnte es eine neue Form der Vermittlung von biblischen Themen sein? Spricht mich das an? Werde ich auf Weihnachten eingestimmt?

Montag, 09.12.2019, 13:00 Uhr aktualisiert: 11.12.2019, 09:18 Uhr
Freuten sich nach dem Wettstreit über den Applaus des Publikums und eine kleine Gratifikation: Theresa Sperling, Guido Meyer-Wirsching, Rike Ahlbrand und Alexander Becker (v.l.).
Freuten sich nach dem Wettstreit über den Applaus des Publikums und eine kleine Gratifikation: Theresa Sperling, Guido Meyer-Wirsching, Rike Ahlbrand und Alexander Becker (v.l.). Foto: aro

Am Sonntagnachmittag wagten Pfarrer Guido Meyer-Wirsching, der Hausherr in der Kleinen Kirche, Poetryslammerin Rike Ahlbrand aus Borghorst, Prädikant Alexander Becker sowie Poetryslammerin Theresa Sperling aus Nordhorn eine Premiere. Sie zelebrierten einen „Preacherslam-Gottesdienst“. Die Besucher bekamen einen gedruckten Zettel mit den vier Vortragenden, damit sie ein Kreuz hinter ihre Favoritin bzw. ihren Favoriten setzen konnten. Wer die meisten Kreuze auf sich versammeln konnte, hatte gewonnen. Bei der Begrüßung durch die Prädikantinnen Claudia Bäurich und Ulrike Lagemann wurde dies erklärt, während die beiden selbst mit ihren Beiträgen kritisch auf die Macht von Worten hinwiesen.

Und dann begann die evangelische Liturgie, ganz klassisch mit dem Lied: „Macht hoch die Tür.“ Doch statt des Predigtteils traten die Poeten mit ihren selbst verfassten Texten auf. Wow! Meyer-Wirsching hatte nicht zu viel versprochen, wenn er meinte, dass Predigen für ihn Feuer weitergeben sei. Er sang: „Steht auf …“ und slammte über ein aktuell gewonnenes Fußballspiel (Borussia Mönchengladbach gegen Bayern) hin zu gesellschaftlichen Problemen wie Klimakatastrophe und Rechtsradikalismus. Den roten Faden, Erwartung an Weihnachten, verlor er dabei nicht. Das war Spitze.

Keineswegs dahinter zurück blieb der Slam von Rike Ahlbrand, die sich mit den Ansprüchen an sich selbst auseinandersetzte, „…Erwartung beflügelt und nicht gezügelt…“ Alexander Becker beleuchtete das Warten aus verschiedenen Perspektiven, die gerade durch ihre heitere Leichtigkeit „Warten nervt“ nachdenklich stimmten.

Zuletzt sprengte der emotionale Text „Rockstar“ über eine junge Mutter, die ungewollt schwanger geworden war, von Theresa Sperling alle Erwartungen. Sie war die Gewinnerin, diesmal ohne Verlierer. Bei dieser Form von Gottesdienst kommt keine Langeweile auf, weil die Texte kurz und gut zu merken sind. Außerdem wurden durch Worte Gefühle belebt, die dem Advent entsprechen, nämlich Hoffnung, Mitgefühl und Verständnis. Ob das Experiment geglückt ist, werden die Besucherzahlen beim nächsten Preacherslam entscheiden.

Annegret Rose

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