Amüsante und höchst lehrreiche Fortbildung im Fachbereich Physikingenieurwesen der FH in Steinfurt
Immer schön die Hände hoch

Steinfurt -

„Unsteril, raaaaaauuus!“ und „Denken Sie an den Ministranten!“, das sind die beiden Lieblingssätze von Dr. Helmut Ahrens gewesen, der an der Fachhochschule eine Fortbildung à la Edutrainment – Education, Training, Entertainment – gegeben hat. Interaktiv, amüsant und höchst lehrreich verwandelte der Arzt an der Klinik für Allgemeine Orthopädie und Tumororthopädie des Universitätsklinikums Münster den Seminarraum in einen OP-Saal.

Sonntag, 15.12.2019, 16:02 Uhr
In voller Montur: Die Studierenden der Fortbildung hielten sich auf dem Steinfurter FH-Campus zum sterilen Arbeiten brav an die „Ministranten-Haltung“.
In voller Montur: Die Studierenden der Fortbildung hielten sich auf dem Steinfurter FH-Campus zum sterilen Arbeiten brav an die „Ministranten-Haltung“. Foto: FH Münster/Gerks

„Unsteril, raaaaaauuus!“ und „Denken Sie an den Ministranten!“, das sind die beiden Lieblingssätze von Dr. Helmut Ahrens gewesen, der an der Fachhochschule eine Fortbildung à la Edutrainment – Education, Training, Entertainment – gegeben hat. Interaktiv, amüsant und höchst lehrreich verwandelte der Arzt an der Klinik für Allgemeine Orthopädie und Tumororthopädie des Universitätsklinikums Münster den Seminarraum in einen OP-Saal und die 40 teilnehmenden Studierenden der Biomedizinischen Technik in OP-Assistenten – in voller Montur mit Kittel, Mundschutz und Haube.

Das oberste Gebot im OP ist und bleibt nun mal: Die Umgebung und alle Personen müssen steril sein. Wer sich nicht daran hält, fliegt raus. Die Studierenden lernten unter anderem, dass sie für den OP nicht nur die Hände, sondern auch die Unterarme mit Desinfektionsmittel einreiben müssen. Unterm UV-Licht konnten sie prüfen, wie gut sie dabei gearbeitet hatten. Und danach durften sie die Hände nicht mehr unter die Gürtellinie bringen. „Kleiner Tipp: Die Hände wie ein Ministrant falten, ist etwas angenehmer, als wenn man sie einfach hochhält, das wird irgendwann echt anstrengend“, sagte Ahrens. Ebenfalls ein Muss: ein möglichst großer Abstand von mindestens 50 Zentimetern zu Gegenständen und anderen Personen. Wer doch mal an wem vorbei muss, sucht erst den engen Schulterkontakt und wählt dann die Rücken-an-Rücken-Methode: Man rollt sich quasi um die Person herum an ihr vorbei – denn die Kittel im OP werden hinten geschlossen, und damit sind die Rücken die Zonen, die am wenigsten steril sind.

Auch auf die für den OP essenziellen Fragen hatte Ahrens Antworten. Wie verschwindet ein langer Bart unterm Mundschutz? „Die meisten Kollegen machen sich einen Zopf rein.“ Mit oder ohne Socken in den OP? „Ich gehe gern ohne Socken in meine Schuhe und lasse das Blut dann antrocknen, das nach unten läuft, wenn am OP-Tisch mal was daneben läuft.“ Was ist, wenn ich während der Operation niesen muss? „Sie gehen, sofern es so schnell noch geht, zurück vom Patienten und niesen dann voll in seine Richtung. Die Keime hängen dadurch entweder im Mundschutz oder sind links und rechts seitlich weggeschossen.“ Und warum tragen eigentlich alle Grün im OP? „Wenn Sie drei Stunden in eine offene Bauchhöhle voll rotes Blut schauen und dann woanders hinsehen, sehen Sie auf hellen Flächen überall Flecken, dann werden Sie bekloppt.“ Das Grün fängt diesen Effekt des Auges ab.“

Den Kursteilnehmern demonstrierte der Gewinner zahlreicher Lehrpreise eine Operation an einem Sprunggelenk. Er erläuterte ihnen auch die Anzeichen einer aufsteigenden Ohnmacht, so dass die zukünftigen Medizintechniker noch rechtzeitig den Saal verlassen könnten. Zum Schluss bekam jeder in kompletter OP-Kleidung die Handschuhe übergestreift. Und nicht vergessen: „Wenn Sie als Studierender mit Unwissenheit glänzen, sind Sie im OP enttarnt.“

Ahrens war mit seiner Fortbildung zum sterilen Arbeiten „Steril bleibt steril, auch wenn es auf den Boden fiel – Warum es im OP keine 3-Sekunden-Regel gibt“ auf Einladung von Prof. Dr. Karin Mittmann und ihrem Team vom Fachbereich Physikingenieurwesen erstmalig auf den Steinfurter Campus der FH gekommen. „Sowohl blutige Studienanfänger als auch Masterstudierende, die schon in der Abschlussarbeit sind, haben die sterile Handhabung mit Begeisterung trainiert!“, so Mittmann.

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