Szenische Lesung zur Charles-Dickens-Weihnachtsgeschichte „A Christmas Carol“
Geizhals, Geister, Gentlemen

Burgsteinfurt -

„Gibt es schließlich eine bessere Form, mit dem Leben fertig zu werden, als mit Liebe und Humor?“

Sonntag, 22.12.2019, 16:14 Uhr
Szenische Einstimmung auf Weihnachten (v.l.): Markus von Hagen, Christoph Tiemann, Philip Ritter, Urs von Wulfen, Tilman Rademacher, Sarah Giese. Natürlich hatten sie einen tosenden Abschiedsapplaus, vor allem nach dem Gesang: „Kommt her, oh ihr Gläubigen“, ein traditionelles englisches Lied.
Szenische Einstimmung auf Weihnachten (v.l.): Markus von Hagen, Christoph Tiemann, Philip Ritter, Urs von Wulfen, Tilman Rademacher, Sarah Giese. Natürlich hatten sie einen tosenden Abschiedsapplaus, vor allem nach dem Gesang: „Kommt her, oh ihr Gläubigen“, ein traditionelles englisches Lied. Foto: Annegret Rose

Dessen Botschaft lautet Warmherzigkeit, Respekt, Mitgefühl und Nächstenliebe. Angesichts gesellschaftlicher und politischer Entwicklungen ist die Geschichte aktueller denn je. Durch die gemeinsame Planung der Verantwortlichen von Stadtbücherei, deren Förderverein und SMarT kam es zum Auftritt des Theaters „Exlibris“ aus Münster. Dabei wählten sie als Veranstaltungsort den an diesem Abend ausverkauften Bagno-Konzertsaal. Er bildete eine schöne Kulisse für die szenische Lesung. Ganz stilecht traten die Vorlesenden in viktorianischen Gewändern auf.

Die Theatergruppe um Christoph Tiemann, der den Scrooge sprach, nahm das Publikum mit in das puritanisch-kapitalistische England, wo der bedürftige Mitmensch vom geizigen Geschäftsmann Scrooge abschätzig beurteilt wird.

Mit ihren wandelbaren, herzzerreißenden Stimmen und inspirierenden Bildern versetzten Sarah Giese, Markus von Hagen, Christoph Tiemann, Tilman Rademacher, Urs von Wulfen und Musiker Philip Ritter die Zuhörer in diese Welt. Das gelang ihnen so überzeugend, dass manch einer ganz abwesend in die Pause ging, weil er noch in der Geschichte steckte.

Denn in der Weihnachtsnacht zum 25. Dezember erscheinen dem Scrooge drei Geister, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verkörpern. Sie versetzen ihn in Angst und Schrecken. Sein eigener Werdegang zeigt ihm in der Rückschau, dass durch die wachsende Gier zum Geld die Beziehung zu seiner Freundin Belle verhindert wurde.

Sein Weg in die Einsamkeit scheint besiegelt. Mit rasselnden Ketten und einem riesenhaften Kerl wandelt er durch das verschneite London im Nebel. Er sieht seinen Angestellten Bob Cratchit in der Gegenwart, ärmlich, aber liebevoll im Kreise der Familie. Ihre Sorge dreht sich um den Jüngsten, Tiny Tim. Auf Scrooges Frage an den Geist, warum ihm nicht geholfen wird, antwortet der Geist mit Scrooges eigenen Worten: „Bei der Überbevölkerung könnte dieses Ereignis eintreten. Wenn sich die Zukunft nicht ändern würde!“

Der Sohn seiner geliebten Schwester, Fred, feiert im Kreise der Familie. Als sparsamer Mann wollte er dort nie teilnehmen, weil es in seinen Augen Verschwendung ist, so üppig zu feiern. Jetzt wird er wehmütig.

Das ist noch nicht alles. Denn unerbittlich führt ihn der Geist der Zukunft zu einem Lumpenhändler. Dort werden Gegenstände von einer gerade stattgefundenen Bestattung verkauft. Sie erinnert ihn nicht nur an den eben verstorbenen Geschäftspartner Maley, sondern an sich selbst. Es sind seine Bettvorhänge, die die Reinemachefrau verhökert. Hier wiederholt der Geist den magischen Satz: „Das könnte eintreten, wenn sich die Zukunft nicht ändern würde.“

Am nächsten Morgen erwacht ein neuer, ein veränderter Scrooge. Er ist froh, dass Weihnachten nicht vorbei ist, weil er seinem Angestellten einen großen Truthahn schicken kann und dessen Gehalt verdreifacht. Auch Tiny wird gerettet und die beiden Gentlemen, die für die Armen sammeln, bekommen eine großzügige Spende. Zuletzt feiert er im Kreise der Familie seines Neffen Fred, er ihn bislang immer vergeblich eingeladen hatte.

Da war er, der Geist von Weihnachten. Im Publikum hinterließ er lächelnde, begeisterte Gesichter. Die Spendenaktion, eine Initiative des Ensembles, für die Obdachlosenhilfe in Münster konnte beginnen.

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