Jugendliche aus Australien berichten über die Brände in ihrer Heimat
„Es muss viel mehr getan werden“

Über 1,25 Milliarden Tiere sind den verheerenden Waldbränden in Australien schon zum Opfer gefallen. Eine Naturkatastrophe, die bereits 8,4 Millionen Hektar, die ungefähr der dreifachen Größe Belgiens entsprechen, erfasst hat, wird nicht durch ein einfaches Buschfeuer oder eine kleine Dürre hervorgerufen. Da in Australien von Dezember bis Februar Hochsommer ist, war mit saisonalen Buschfeuern zu rechnen. Jedoch gibt es in diesem Sommer weitaus mehr Brände als üblich. Im Süden Australiens haben sich einzelne Brände zu einem sogenannten Megafeuer vereint, das sich rasant ausbreitet und nach Angaben lokaler Medien nicht mehr zu löschen ist.

Donnerstag, 09.01.2020, 14:52 Uhr
Bilder wie diese gehen momentan um die Welt. Der Kontinent Australien brennt und die Feuerwehrkräfte scheinen machtlos gegen die schiere Anzahl an Buschbränden, die momentan das Land verwüsten und Menschen und Tieren das Leben kosten.
Bilder wie diese gehen momentan um die Welt. Der Kontinent Australien brennt und die Feuerwehrkräfte scheinen machtlos gegen die schiere Anzahl an Buschbränden, die momentan das Land verwüsten und Menschen und Tieren das Leben kosten. Foto: A2800 epa Paul Buck

Längere und intensivere Sommer, höhere Temperaturen, Ausfall von Regen und starke Windböen begünstigen die Brände enorm. Neben der Vielzahl an Tieren haben schon über 25 Menschen ihr Leben wegen der Brände verloren, darunter auch einige Helfer, die rund um die Uhr ihr Leben riskieren, um die Brände so gut es geht in Schach zu halten.

Doch die lodernden Flammen sind nicht das einzige Problem, mit dem die Bewohner stark betroffener Orte wie beispielsweise Sydney zu kämpfen haben. Der Rauch, der durch die Brände entsteht, stellt ein hohes Gesundheitsrisiko dar, mit dem viele anfangs nicht gerechnet haben. Das Feinstaub-Level ist elfmal so hoch wie das Level, das als gefährlich gilt, berichten australische Ärzteverbände.

Auch politisch können die Brände drastische Konsequenzen haben. „Australien steht an einem Wendepunkt“, sagt Dale Dominey – Howes, ein australischer Katastrophen- und Feuerforscher aus Sydney. Er beschreibt die Situation lediglich als einen Vorgeschmack auf das, was Australien in Zukunft erwartet. Zu allem Übel glauben von den führenden Politikern der australischen Regierung nicht viele an den Klimawandel. Er wurde in den letzten Jahren belächelt und zerredet, doch nun bekommen sie die Folgen der klimatischen Lage am eigenen Leib zu spüren.

Passend dazu werden erste Stimmen laut, welche die Regierung öffentlich kritisieren und sich gegen sie aussprechen. Viele Bewohner Australiens sind der Meinung, es müsse jetzt etwas getan werden, solange es noch möglich sei.

Die Hitze sorgte bereits dafür, dass mehrere Flüsse und Seen ausgetrocknet sind, während der Wasserbedarf ständig ansteigt. Zudem werden einzelne Feuer durch den Wassermangel stärker entfacht und es entsteht ein höheres Brandrisiko. Die Regierung will den Wassermangel mit Meerwasser-Entsalzungsanlagen so gut es geht ausgleichen, doch diese Anlagen laufen mit Kohlestrom, der den Klimawandel fördert und somit einen Teil zu dem Wassermangel beisteuert.

Neben der Gewinnung neuen Trinkwassers soll der Wasserverbrauch mit Hilfe neuer Gesetzte verringert werden. Es ist einem Privatverbraucher beispielsweise nicht mehr erlaubt, seinen Pool beliebig oft nachzufüllen oder sein Auto zu Hause zu waschen. Es werden also durchaus Maßnahmen ergriffen, um das Problem gering zu halten, doch vielen Anwohnern reicht das nicht aus. Während die Regierung nach Lösungen sucht und die Einsatzkräfte im Kampf gegen die Flammen tun, was sie können, suchen die Bewohner das Weite.

In vielen Gebieten wurde der Notstand ausgerufen, die Bewohner dort mussten ihre Häuser verlassen. Einfach in das Auto steigen und losfahren, können aber nicht alle. Viele Staus, Straßensperrungen und nicht genügend Treibstoff an den Tankstellen erschweren die Evakuierung in vielen Regionen. Die australische Ausgabe des „Guardian“ beschreibt es als einer der größten Evakuierungsaktionen in der Geschichte des Landes.

Die Situation hat ein unvorstellbares Ausmaß erreicht. Mittlerweile legte, Regierungsangaben zufolge, im Küstenort Mallacoota ein Militärschiff an, um Tausende Menschen mit Lebensmitteln zu versorgen und in Sicherheit zu bringen. Noch ist unklar, wie die Situation sich weiter entwickelt, welches Ausmaß die Brände noch annehmen, wie viele Opfer sie noch fordern werden und wie es nach dem Höhepunkt der Katastrophe weitergehen soll.

Der Jugendfrei-Redaktion ist es gelungen, mit einigen Jugendlichen aus den betroffenen Gebieten, die Mitglieder bei Reisen auf den fünften Kontinent kennengelernt haben, Kontakt aufzunehmen. Sie schildern die Katatstrophe im Folgenden aus ihrer ganz persönlichen Sicht.

Der 18-jährige Ethan Rennie aus Australien beschreibt die Situation folgendermaßen: „Die australischen Feuer sind entsetzlich, die Leute verstehen das Ausmaß dieses Ereignisses gar nicht. Viele Menschen haben ihr Leben oder ihren Lebensunterhalt verloren. Es muss viel mehr getan und unternommen und Geld muss gespendet werden.“

Toby Hines, 18 Jahre, sagt: „Die Zerstörung und das Ausmaß des Buschfeuers waren noch nie so schlimm wie jetzt. So etwas habe ich noch nie gesehen. Es hat nicht nur Einfluss auf unser alltägliches Leben, es wird Jahrzehnte dauern, bis sich die Natur erholt hat. Am Anfang hatten unsere Leute nicht die Ressourcen, um die Feuer in Schach zu halten, nicht mal mit der Hilfe von Tausenden Freiwilligen. In Zeiten von Social Media wurde die dringend notwendige Aufmerksamkeit auf die Lebensgefahr dieser Feuer gelenkt. Auch die Großzügigkeit vieler Leute, die spenden, ist eine große Hilfe, auch wenn Geld niemals die Schönheit Australiens in der nächsten Zeit wiederherstellen kann.“

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