Tabakfabrik Rotmann: Sanierung schreitet voran
Gründerzeit-Stolz in Reinkultur

Burgsteinfurt -

Sie spiegelt mit ihren reich verzierten Fassaden und Giebeln den ganzen Stolz der Gründerzeit wider: Die Tabakfabrik Rotmann an der Ochtruper Straße gehört zweifellos zu den markantesten industriehistorischen Gebäuden der Kreisstadt. Jahrelang fristete das Ensemble, das seit fast 30 Jahren unter Denkmalschutz steht, ein Mauerblümchendasein. Abrissarbeiten auf dem rückwärtigen Gelände, wo unter anderem eine Lagerhalle abgetragen wurde, sowie ein Bauzaun im Innenhof verraten indes: Der ortsbildprägende Komplex, der peu á peu um die Jahrhundertwende entstand, wird schon bald aus seinem Dornröschenschlaf erwachen.

Freitag, 17.01.2020, 19:00 Uhr
Charakteristische Backsteinfassade der Gründerzeit: Die Gebäude der Tabakfabrik sind architektonische Kleinode. Die Sanierung wird indes sehr aufwendig, viele Steine müssen ausgetauscht, die Verfugung komplett erneuert werden.
Charakteristische Backsteinfassade der Gründerzeit: Die Gebäude der Tabakfabrik sind architektonische Kleinode. Die Sanierung wird indes sehr aufwendig, viele Steine müssen ausgetauscht, die Verfugung komplett erneuert werden. Foto: rs

„Wir gehen davon aus, dass Umbau und Sanierung im Laufe des Jahres 2022 abgeschlossen sein werden“, sagt Max Schulte. Der 31-jährige Steuerberater aus Münster hatte 2016 die Tabakfabrik mit allen Gebäuden zusammen mit seinem Vater Christoph von Vorbesitzerin Elisabeth Rummeling gekauft. Seitdem laufen die Planungen zur Umnutzung mit den Komponenten Wohnen, Büro und Dienstleistung.

„Eigentlich wollten wir damit schon längst fertig sein“, erklärte der Investor in dieser Woche beim Vor-Ort-Termin – ohne jedoch ernüchtert zu wirken. Weiß Schulte doch um die Komplexität solcher Projekte. Damit meint er im Fall der Tabakfabrik weniger die Denkmalbehörde, mit der zeitintensive Abstimmungsgespräche geführt werden müssen, ehe überhaupt ein Handwerker die Kelle in die Hand nimmt. Vielmehr geht es um die baurechtliche Genehmigung des Projekts, das bekanntlich nicht nur die Sanierung des Altbestands, sondern auch zwei Neubauten umfasst. Nach den Anwohnerprotesten, die 2018 dazu geführt haben, dass die beiden Mehrfamilienhäuser in ihrer Massivität zurückgenommen wurden, schaut die Genehmigungsbehörde, sprich das Bauamt der Stadt, genauestens hin, was sie genehmigt und was nicht. Zumindest für die Renovierung des Südostflügels – dort wo zuletzt eine Tae-Kwon-do-Schule und ein Baumarkt untergebracht waren – erwartet der Investor noch in diesem Monat grünes Licht aus dem Rathaus.

Dieser Flügel, in dessen Inneren schon seit rund einem Vierteljahr umfangreiche Entkernungsarbeiten laufen, ist es denn auch, der als erstes fertiggestellt werden soll. „Wir rechnen noch in diesem Jahr mit der Bezugsfertigkeit“, sagt Schulte. Ist es soweit, soll das derzeit noch im Nordwestflügel untergebrachte Bildungsinstitut auf zwei Etagen dorthin umziehen. Für eine weitere Büroetage hat der Investor noch keine Mieter. Der Rest des Südostflügels bleibt dem Wohnen, im Obergeschoss teils in Loftausführung, vorbehalten.

Die Planung von Vater und Sohn Schulte sieht darüber hinaus vor, ebenfalls noch in diesem Jahr mit dem Bau der Tiefgarage mit 58 Stellplätzen sowie den beiden Neubauten mit zusammen 28 Wohnungen im hinteren Bereich zum Baugebiet Spinnerei Rolinck zu beginnen – wenn die notwendige Baugenehmigung denn rechtzeitig vorliegt. 2021 soll dieser Teil fertig werden. Es schließen sich zunächst die Außenarbeiten am Altbau an, bevor es an den Innenausbau geht. „Wir wollen Baulärm vermeiden, wenn die Mieter der Neubauten eingezogen sind“, erklärt Schulte den Hintergrund.

Die Investoren haben sich dafür entschieden, die Wohnungen zunächst allesamt zu vermieten. Ein Verkauf sei eventuell später angedacht. Auf die zum Teil sehr ausgefallenen individuellen Wünsche bei einem direkten Eigentumserwerb durch Private einzugehen, habe sich als zu aufwendig erwiesen, begründet Schulte diese Entscheidung.

Die Mieter-Nachfrage sei bereits sehr hoch, berichtet er. Konkrete Zusagen könne er derzeit noch nicht machen. „Ich weiß ja noch nicht einmal, was die Baugenehmigung konkret zulässt und will Enttäuschungen vermeiden.“

Fest steht indes schon jetzt: Die Mieter werden gediegenen, teils sehr exklusiven Wohnkomfort genießen – besonders auch im Altbau. Dafür sorgen verglaste Lofts, Galeriebereiche, freiliegende Stahlträger, Dachterrassen und einiges mehr. Auch das Wohnen in einer der drei Reihenhauswohnungen, die im ehemaligen Remisengebäude entstehen, hat sicher seinen eigenen Reiz.

Entgegen der Ursprungsplanung wird es jedoch definitiv nichts mit der in der früheren Maschinenhalle geplanten gehobenen Gastronomie. „Wir können die dafür vorgeschriebenen Stellplätze nicht realisieren“, nennt Schulte den Grund. Stattdessen könnte er sich vorstellen, dass eine Rechtsanwaltskanzlei oder ein Architekt dort einzieht.

Etwas skeptisch schaut der Investor auf die vielen kleinen und großen Baustellen, die sich aktuell an der Immobilie auftun. Er weiß, dass es immer Höhen und Tiefen bei solch einem großen Bau-Projekt, zumal noch Altbau, gibt. Trotzdem bleibt Schulte Optimist: „Wenn alles fertig ist, bin ich sicher, dass ich sagen kann: Es hat sich gelohnt!“

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