Arbeiterlieder im geschichtlichen Kontext
Die Wurzeln reichen oft tief

Burgsteinfurt -

Es waren vor allem Gesangsstücke der sozialistischen Arbeiterbewegung, die in der Stadtbücherei zu hören waren. Der münsterische Musiker Manfred Kehr sang sie, begleitet wurde er von Mitgliedern der Band „Folk on Feire.“ „Wir wollen die Menschen nicht zur Revolution führen, sondern in einem geschichtlichen Kontext Lieder singen, die einstmals wichtiger Bestandteil der deutschen Identität waren“, sagte Kehr.

Sonntag, 16.02.2020, 19:44 Uhr aktualisiert: 17.02.2020, 15:26 Uhr
Manfred Kehr (2.v.l.) sang in Begleitung von Mitgliedern der Gruppe „Folk in Feire“ Arbeiterlieder.
Manfred Kehr (2.v.l.) sang in Begleitung von Mitgliedern der Gruppe „Folk in Feire“ Arbeiterlieder. Foto: Rainer Nix

Seit Ende 2015 ist das deutsche Arbeiterlied Bestandteil der UNESCO-Liste als immaterielles Kulturerbe und schützenswertes Kulturgut. Am Samstagabend erlebten mehr als 40 Zuhörer in der Stadtbücherei Steinfurt fernab jeglicher Sentimentalität die Darbietung deutscher und nationaler Arbeiterlieder. Der münsterische Musiker Manfred Kehr sang sie, begleitet wurde er von Mitgliedern der Band „Folk on Feire.“

„Wir wollen die Menschen nicht zur Revolution führen, sondern in einem geschichtlichen Kontext Lieder singen, die einstmals wichtiger Bestandteil der deutschen Identität waren“, erläuterte Kehr in einem Gespräch. In erster Linie werden unter Arbeiterliedern Gesangsstücke der sozialistischen Arbeiterbewegung verstanden.

Ihre Wurzeln reichen oft tief, wie bei dem Lied „Die Weber“ von Heinrich Heine. Es wurde erstmals 1844 im Wochenblatt „Vorwärts“ veröffentlicht, das Karl Marx stark beeinflusste. Wie viele dieser Lieder zeigt es den bitteren Alltag der Arbeiterklasse. Weiter standen Lieder, wie „Brüder zur Sonne zur Freiheit“, der Ruf par excellence nach Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität, das Solidaritätslied „Vorwärts und nicht vergessen“, „Bella Ciao“, „die Internationale“ und viele weitere auf der Setlist.

Kehr wurde von Maria Stemping (Flöte), Kalle Schmees (Gesang, Gitarre) sowie von Gerda Kaumanns (Gesang, Mandoline, Mandola) der Gruppe „Folk on Feire“ begleitet. „Eigentlich sind wir auf Irish Folk“ spezialisiert, so Kaumanns, „doch die Arbeiterlieder sind ein gemeinsames Projekt, an dem wir mitarbeiten.“ Die sozialistische Arbeiterbewegung war in früheren Zeiten für die unteren Schichten oft eine attraktive Perspektive. Diesen Schluss lassen bereits die Liedtexte zu: „Völker hört die Signale! Auf zum letzten Gefecht! Die Internationale erkämpft das Menschenrecht.“

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