Auf das Coronavirus vorbereitet
Ärzte sehen keinen Grund zur Panik

Steinfurt -

Auch wenn es bisher noch keinen bestätigten Fall gibt, so sind sich Ärzte einig: Das Coronavirus wird auch Steinfurt erreichen. Ärzte und Krankenhaus sind auf diesem Fall bestens vorbereitet und wollen versuchen, eine schnelle Ausbreitung auf jeden Fall zu verhindern. Für infizierte Patienten kann das bedeuten, zwei Wochen auf einer Isolierstation verbringen zu müssen.

Dienstag, 25.02.2020, 16:06 Uhr aktualisiert: 26.02.2020, 14:56 Uhr
Dr. Markus Eichler, Chefarzt Interdisziplinäre Notfallmedizin am UKM Marienhospital, zeigt die Schutzanzüge, die Mitarbeiter und Ärzte bei einem Corona-Verdachtsfall tragen müssen.
Dr. Markus Eichler, Chefarzt Interdisziplinäre Notfallmedizin am UKM Marienhospital, zeigt die Schutzanzüge, die Mitarbeiter und Ärzte bei einem Corona-Verdachtsfall tragen müssen. Foto: Marion Fenner

Das neuartige Coronavirus kommt näher, und die Sorge davor wächst. Angst oder gar Panik will Dr. Markus Eichler, Chefarzt Interdisziplinäre Notfallmedizin am UKM Marienhospital, aber auf keinen Fall verbreiten. „Wir sind wach, wir sind aufmerksam, und wir sind vorbereitet“, sagt der Mediziner. „Jeder Patient, der mit Erkältungssymptomen wie Husten, Fieber und Atemnot in eine Arztpraxis oder ins Krankenhaus kommt, wird gefragt, ob er sich zuvor in einem der Risikogebiete aufgehalten hat“, ist Eichler überzeugt.

Gutes Gespür

Das bestätigt auch Allgemeinmediziner Volker Leiß. „Hausärzte haben ein sehr gutes Gespür dafür, ob jemand nur eine Erkältung hat oder ernsthaft erkrankt ist.“ Und selbstverständlich werde immer nach einem Auslandsaufenthalt gefragt.

Sollte sich ein Verdacht erhärten, gibt es vom Robert-Koch-Institut vorgegebene Leitlinien, an die sich Mediziner halten. Dazu gehört eine unmittelbare Meldung an das Gesundheitsamt. Zu dieser Meldung hat das Bundesministerium für Gesundheit die Ärzte seit dem 1. Februar verpflichtet. Des Weiteren müssen Mediziner dafür Sorge tragen, dass der Patient umgehend in Quarantäne geschickt wird. Mit dem Rettungswagen werden Patienten aus Steinfurt in das Mathias-Spital nach Rheine gebracht, das über eine eigens für diese Fälle eingerichtete Isolierstation verfügt. „Bis feststeht, ob der Patient wirklich das Virus in sich trägt, muss er dort bleiben“, sagt Eichler. Laut Dr. Karlheinz Fuchs, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes im Kreis Steinfurt, dauert der Test, der in einem speziellen Labor vorgenommen wird viereinhalb bis sechs Stunden.

Wir sind wach, wir sind aufmerksam, und wir sind vorbereitet.

Dr. Markus Eichler, Chefarzt Interdisziplinäre Notfallmedizin am UKM Marienhospital

Bestätigt sich der Verdacht, muss der Patient für 14 Tage auf einer Isolierstation untergebracht werden. Kommt jemand in die Notfallambulanz in Steinfurt, kann er auch dort isoliert werden. Entsprechende Räume und spezielle Schutzanzüge für die Mitarbeiter gehörten seit der Sars-Pandemie zu Beginn des 21. Jahrhunderts zur Standardausrüstung. Schutzanzüge trägt auch die Besatzung des Rettungswagen, der nach dem Transport genau so gründlich gereinigt und desinfiziert werden muss wie die Isolationszimmer.

Die Isolation, die durchaus in die Freiheit und das Selbstbestimmungsrecht des Patienten eingreife, wie Eichler betont, diene dem Schutz der Bevölkerung. „Das neuartige Coronavirus ist hochansteckend“, erklärt der Chefarzt – die schnelle Ausbreitung mache die eigentliche Gefahr aus. An einer nicht desinfizierten Türklinke könne das Virus bis zu neun Tage überleben, betont Eichler.

Risikogebiete

Bestätigt sich der Verdacht einer Coronavirus-Infektion, müsse der Patient 14 Tage in der Isolation bleiben und werde dort behandelt, heißt es in der Orientierungshilfe des Robert-Koch-Institutes. Auch Kontaktpersonen des Patienten werden untersucht.

Menschen, die aus einem der Risikogebiet, zu denen seit gestern neben China auch Norditalien und Regionen im Iran und Südkorea gehören, nach Deutschland kommen, sollten sich bei den örtlichen Gesundheitsämtern melden, sagt Fuchs. Dort werden sie unter anderem gebeten, zu Hause zu bleiben und sich selbst zu beobachten, ob bei ihnen Krankheitssymptome auftreten. Ziel der Vorsorgemaßnahmen sei, das Auftreten einer Grippe- und einer Coronawellwelle zeitlich zu entzerren. Wenn alle auf einmal krank würden, sei das vom Gesundheitssystem nicht mehr zu bewältigen.

Hygienemaßnahmen

Leiß hält die Gefahr, sich im Kreis Steinfurt mit dem Coronavirus zu infizieren, zurzeit für äußerst gering. „Wir haben in Deutschland mehr Lottogewinner als Menschen, die an dem Virus erkrankt sind.“ Dennoch hält auch er es für möglich, dass sich das in absehbarer Zukunft ändern kann. Daher bleibe es wichtig, sich aufmerksam an die empfohlenen Hygienemaßnahmen zu halten: Hände waschen und des Öfteren desinfizieren, immer in die Armbeuge niesen und husten und auf das Händeschütteln verzichten. „Ich gebe prinzipiell keinem meiner Patienten mehr die Hand, ich winke ihnen nur noch zu.“ Und das liege nicht nur am Coronavirus, sondern auch an Grippeviren und all den andern Krankheitserregern, die gerade in den nasskalten Monaten vermehrt unterwegs sind.

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