Rabea Wenning ist seit einem halben Jahr auf dem Wochenmarkt
Das Küken vom Eierstand

Burgsteinfurt/Horstmar-Leer -

Mit ihrer halbjährigen Dienstzeit ist sie das Küken auf dem Burgsteinfurter Wochenmarkt. Und offensichtlich schon sehr beliebt. Harry, der Käsehändler von schräg gegenüber, schlendert vorbei, rollt vielsagend mit den Augen und sagt: „Also wenn ich selbst nicht so glücklich verheiratet wäre . . .“ Rabea Wenning bedankt sich bei dem Kollegen, der nie um einen lockeren Spruch verlegen ist, mit einem spöttischen Lächeln. „Ich fühle mich hier schon voll akzeptiert“, sagt die 35-jährige Leererin, die so gar nicht dem Klischee der Eierfrau entspricht.

Freitag, 06.03.2020, 15:46 Uhr aktualisiert: 08.03.2020, 07:44 Uhr
Der Aufbau des Marktstandes ist immer schnell gemacht.
Der Aufbau des Marktstandes ist immer schnell gemacht. Foto: Axel Roll

 

Flapsig ausgedrückt, könnte man sie aber so nennen. Auf dem Alu-Campingtisch vor ihrem Familien-Kleintransporter stapeln sich drei Türme mit Eierlagen. Zu Hause, auf dem Hof in Ostendorf maschinell sortiert nach den Größen M, L und XL. Der Nachschub wartet auf der Ladefläche des Autos. Wie gut das Geschäft an diesem nass-kalten Freitagmorgen laufen wird – der Regen trommelt bis zum späten Vormittag ohne Unterbrechung auf den Marktschirm – das kann Rabea Wenning jetzt, die Morgendämmerung hat gerade die Straßenlaternen ausgeknipst, noch nicht sagen.

Der Wecker klingelte um halb sechs. Für das Frühstück bleibt meist keine Zeit. Noch mal eben schnell die beiden Kinder drücken, waschen, anziehen und ab ins Lager, um die an den Vortagen gesammelten Eier in den Wagen zu packen. Natürlich schön vorsichtig . . . Heute morgen sind das rund 700 Stück. Tisch, Schirm samt Fuß und Gasheizstrahler hat die Landwirtin, die studierte Diplom-Pädagogin ist, schon am Vorabend ins Auto gepackt. Die Fahrt nach Burgsteinfurt – wieder schön vorsichtig. „Bei den Huckeln im Wohngebiet muss ich besonders aufpassen“, schmunzelt Rabea Wenning. „Einmal sind mir bei einer Vollbremsung schon mal die Eier durchs Auto geflogen.“ Zum Glück war sie da auf dem Rückweg vom Markt.

Den Schritt in die Eier-Direktvermarktung sind Rabea und Ehemann Bernd erst im letzten Sommer gegangen. Nach einem privaten Feldversuch mit vier Hühnern rüstete die Familie auf: 300 Tiere liefern seitdem die begehrte Kalkschalenware. Das Besondere: Die Wenningschen Hühner leben auf der freien Wiese, genießen den Luxus eines ebenso modernen wie tierfreundlichen Mobilstalls. Derzeit sind es 300, schon bald kommt Stall Nummer zwei, mit dem sich das Federvieh dann mehr als verdoppeln wird.

Mit dem Aufbau ihres Standes ist Rabea Wenning immer schnell fertig. „Da habe ich es wirklich besser als meine Kollegen“, weiß die gebürtige Metelenerin. So könnte der Verkauf schon um kurz nach sieben starten. An diesem Morgen vergeht aber noch eine dreiviertel Stunde, bis die erste Kundin „Bitte zehn L-Eier“ verlangt. Die Händlerin bleibt gelassen: „Kein Tag ist hier wie der andere.“ Beispiel letzter Dienstag: Super Wetter, super Andrang. „Normalerweise sind die Freitage immer die umsatzstärksten.“ Dienstag hat die 35-Jährige so viel verkauft wie noch nie.

Nachliefern muss Ehemann Bernd an diesem Morgen allerdings nicht. Trotzdem ist Rabea Wenning gegen Mittag mehr als zufrieden. „So gut wie alles weggegangen.“ Warum die Burgsteinfurter bei ihr und nicht im Supermarkt kaufen? „Die Leute wollen wissen, wo die Ware herkommt.“ Außerdem ist die Leererin von ihren Eiern überzeugt: „Die schmecken so gut wie bei Oma.“ Sie selbst isst die Eier aus dem eigenen Stall am liebsten am Wochenende. „Dann gibt es bei uns Eiburger zum Frühstück. Rührei im Brötchen mit Gemüse und Frischkäse.“ Über den Spruch, der den Marktstand schmückt, muss man sich jetzt nicht mehr wundern: „Ei love You.“

Wer sich den Mobilstall anschauen möchte, hat am Tag der offenen Tür am 22. März Gelegenheit dazu. Ostendorf 60, ab 11 Uhr.

 

 

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