Fast 1300 Besucher erleben die 9. Sinfonic Rock Night des Kulturforums Steinfurt
Die Stufen zum Himmel erklommen 

Steinfurt -

Dass alle Akteure für ihr Projekt brennen, konnten die fast 1300 Besucher der 9. Sinfonic Rock Night des Kulturforums Steinfurt im Gymnasium Borghorst während dreier Vorstellungen erleben. Dabei zeigten die Musiker, der Chor und die Solisten, was sie alles drauf haben.

Sonntag, 08.03.2020, 15:56 Uhr aktualisiert: 08.03.2020, 16:00 Uhr
Helen Stegemann und Christoph Bumm-Dawin erklommen bei„Stairway do Heaven“die Stufen zum Himmel.
Helen Stegemann und Christoph Bumm-Dawin erklommen bei„Stairway do Heaven“die Stufen zum Himmel. Foto: Martin Fahlbusch

Da musste der gute Franz Strickmann, der so gerne Bratsche spielt, 80 Jahre alt werden, um dann bei der 9. Sinfonic Rock Night des Kulturforums Steinfurt seine Liebe zu der „Heftigband Rammstein“ und deren Song „Engel“ zu entdecken – altersgerechtes Headbanging inklusive. Ehrlich gesagt war es für den umtriebigen Hobbymusiker am Wochenende in der Mensa des Gymnasiums Borghorst bei den bombigen Konzerten am Freitag und Samstag in dem drei mal mit jeweils rund 430 Zuhörern bestens gefüllten Saal auch eher ein musikalischer Flirt.

Denn erstens sang seine Frau Elisabeth wie er im Sinfonic Rock Chor mit, und zweitens könnte der Arrangeur des Rammstein-Hits, Richard von Soldenhoff, der an einem Pult bei den ersten Geigen saß, der stattliche Enkel des „heavy-metal-offenen“ Ehepaars sein. Damit ist anschaulich beschrieben, was eines der Geheimnisse dieses kulturellen Events in der Kreisstadt ausmacht.

Erfolgreich

Diese sinfonische Rock-Nacht, die am Wochenende seine erfolgreiche neunte Auflage mit Bravour ablieferte, bringt wirklich Alt und Jung, sogenannte E- wie U-Musiker unter der konzentriert-freundlichen Stabführung von Michael Gantke im besten Sinne in Stimmung und Kommunikation.

Und das Publikums belohnt es mit jeder Menge Beifall und stehenden Ovationen. „Für mich ist es das hier das wichtigste musikalische Ereignis für Steinfurt“, zögerte Bürgermeisterin Claudia Bögel-Hoyer in ihrer Begrüßung auch nicht lange mit ihrem Ritterschlag.

„Hier kann das Kulturforum Steinfurt mit seinen Zweckverbandsgemeinden überzeugend und umwerfend zeigen, was es drauf hat“, freute sie sich aus Erfahrung auf das, was kam. Kulturforum-Direktorin Dr. Barbara Herrmann schwenkte daraufhin zufrieden die Hygiene-Mittel-Sprühdose. Es war diesmal eine musikalische Mischung von „weit weg“ – oder um es mit Robert Schumann zu sagen „von fernen Ländern“ und unterschiedlichen Musikrichtungen – und „ganz nah“ vor die Ohren des geneigten regionalen Publikums.

Locker 100 Musikerinnen und Musiker legten gleich fetzig mit Chuck Mangiones „Children of Sanchez“ los, bei dem Anja Bareither ihrem konischen Horn die sprichwörtlichen Flügel verlieh. Mit Helen Stegemann setzte man erneut auf eine echte Frontfrau, die so viel Schwung und Fröhlichkeit auf die Bühne schmeißt. Die könnte Gustav Mahlers Totenlieder singen und man käme locker über jeglichen Schmerz hinweg.

Keine Sinfonic Rock Night ohne „Mister Sinfonic Rock-Night“ Donovan Wilmer van Waard, bei dem schon Etliche im Publikum dahinschmolzen, als er nur die Bühne enterte. Und als er dann die ersten Töne raushaute. . .

Marie Teigeler ist eine stimmstarke Bank, wenn es am Solisten-Micro um Vielschichtigkeit und Empfindsamkeit geht. Sie ließ sich von den feinen Sopransaxophon-Tönen von Sebastian Baum bei Stings „Englishman in New York“ zwar galant einspinnen und entpuppte sich dann umso strahlender. Der „Musical Director“ Michael Gantke schaffte es, mit Anja Bareither (Trompete und Flügelhorn), Junko Otake-Tiedemann (Viola), Matthias Kleiner (tiefes Blech) Romuald Mervet (Keyboard), Gerhard Turksma (E-Gitarre), Vitali Petrovic (E-Bass) und Christian Willeczelek (Schlagzeug) Musikdozenten in den Klangkörper als Stützen einzuziehen, die von den anderen Orchestermitgliedern regelrecht aufgesogen werden.

Und er konnte sich auf den „Chorcoach“ Andreas Scholz verlassen, der die Truppe zu einem vielschichtigen Background-Fundament gemacht hat. Michael Gantke sorgte aber auch bei Howard Shores „Lord oft he Rings“ oder Bedrich Smetanas „Die Moldau“ dafür, dass die sinfonischen Qualitäten seiner Mitspieler zum Tragen kamen. Hier musste er ganz schön als umsichtiger Dirigent „ackern", damit Streicher und Bläser zu einer Einheit wurden.

Moderator Christoph Bumm-Dawin, der im Nebenberuf auch Musikdozent ist, bedeckte zwischenzeitlich sein dünner werdendes Haar mit einem „Siebziger-Jahre-Lockenmop“, griff im Hawaii-Hemd zur Altquerflöte, um dann mit Helen Stegemann locker die Treppen zum Himmel zu erklimmen („Stairway to heaven“). O-Ton Bumm-Dawin: „Hier brennen alle – egal, ob auf, vor, hinter und neben der Bühne – gemeinsam für dieses Projekt. Und, hey Leute, was ihr hier von Orchester, Band, Chor und Solisten hört – das kann man alles im Kulturform Steinfurt lernen. Meldet Euch an, nutzt die Gelegenheit – oder kommt einfach im nächsten Jahr wieder.“

 

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