Hygiene und Andrang auf dem Wochenmarkt hoch wie nie
Wie auf der Autobahn: Abstand halten

Burgsteinfurt -

Wie auf der Autobahn: Überall hängen Abstand-halten-Schilder. Anders als auf Deutschlands schnellsten Straßen hält sich hier auf dem Kopfsteinpflaster der Burgsteinfurter Altstadt aber jeder dran. Und das ganz ohne Polizei. Was manchmal nicht so einfach ist. Wenn Dirk Borgmann zum Beispiel die Schlange vor seinem Geflügelstand nicht so schnell abarbeiten kann, kommen sich die Kunden hinten in der Reihe mit den Käse-Käufern von Christian Althues ins Gehege. Herausforderungen der besonderen Art in Zeiten von Corona.

Sonntag, 22.03.2020, 17:24 Uhr
Desinfektionsmittel auf dem Wochenmarkt in Burgsteinfurt in Zeiten von Corona
Desinfektionsmittel auf dem Wochenmarkt in Burgsteinfurt in Zeiten von Corona Foto: Axel Roll

 

Auf dem Freitags-Wochenmarkt unter verschärften Hygieneregeln überbieten sich Händler wie Kunden mit gegenseitigen Komplimenten. „Unglaublich, wie diszipliniert das hier alles abgeht“, freut sich Bio-Gemüsehändler Christian Dieckmann. Nicht nur das Schlangestehen im Zwei-Meter-Abstand. Auch die Hinweise auf den Tafeln, sich doch bitte nicht selbst an den Gurken oder Äpfeln zu bedienen, wird eisern befolgt.

Die Käufer wiederum freuen sich, dass die Händler überhaupt da sind. „Das hören wir heute Morgen immer wieder“, sagt Alex Sommer, die jetzt erst, die Rathausuhr hat gerade zehn geschlagen, ihr Frühstücksbrötchen essen kann. „Der reine Wahnsinn hier“, kommentiert die Horstmarer Obst- und Gemüsehändlerin den ungewohnten Andrang vor den Ständen. „Nicht mal zu Weihnachten geht das so rund wie jetzt.“

Warum die Steinfurter verstärkt auf ihre Märkte strömen, dafür haben die Beschicker unterschiedliche Erklärungen. Eierhändlerin Rabea Wenning glaubt, dass sich viele Kunden Vorräte anlegen. „Außerdem sieht man heute viele Einkäufer hier, die sonst nicht da sind. Wahrscheinlich kaufen die lieber an der frischen Luft als im Supermarkt.“ Bei ihr läuft das Geschäft so gut, dass Ehemann Bernd die Hühner zu Hause zu einer Extra-Legerunde animieren muss. „Er bringt gleich noch Ware nach“, deutet Wenning auf klägliche drei Eierpappen, die neben ihr auf dem Klapptisch stehen.

Die beiden Käse-Experten Harry Ter Steege und Christian Althues haben ebenfalls gute Geschäfte. Nicht nur in Steinfurt. „Das fing vergangenen Dienstag schon an“, weiß Ter Steege, der auf 30-jährige Wochenmarkt-Erfahrung zurückblickt. Bei aller Freude: „Wir wissen aber alle nicht, wie es weitergeht“, beobachtet der Coesfelder Marktbeschicker Christian Althues eine große Verunsicherung. Er verzeichnet als Lieferant von Weinhandlungen und Restaurants, wo derzeit ja gar nichts geht, große Umsatzrückgänge.

In den Wagen und an den Ständen, egal, ob Käse, Wurst, Gemüse oder Blumen verkauft werden, steht überall Desinfektionsmittel neben der Kasse oder unterm Tresen. Sandra Roters, die mit ihrem Chef Feinkosthändler Vinzenz Kuhl feinste Fleisch-, Wurst- und Käsewaren unters Volk bringt, erläutert: „Nach jedem Bezahlen werden bei uns die Hände desinfiziert.“

Ob dabei Gummihandschuhe eine Hilfe sind, darüber gibt es unterschiedliche Ansichten. Christian Ahlhues ist gegen die Gummi-Überzieher: „Wir setzen auf Sauberkeit, Reinigung, Desinfektion und gesunde Hände.“ Einig sind sich hingegen alle Kollegen auf dem Markt: Coronavirus hin oder her, die Hygiene muss einfach immer stimmen.

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