Die Abiturprüfungen wurden verschoben, doch nicht jeder Schüler findet die Entscheidung gut
Noch mehr Zeit zum Lernen

Neben geschlossenen Läden, Einkäufen mit Schutzmasken und Einschränkungen im öffentliche Leben haben viele Schüler in NRW noch eine Sache mehr, die ihnen Sorge bereitet: die Abiturprüfungen. Lange Zeit war nicht klar, wann diese geschrieben werden.

Donnerstag, 02.04.2020, 17:46 Uhr
Abiturienten haben momentan viel zu grübeln. Ihre Abschlussprüfungen wurden nach hinten verschoben, und für einige bringt das die ganze Planung durcheinander.
Abiturienten haben momentan viel zu grübeln. Ihre Abschlussprüfungen wurden nach hinten verschoben, und für einige bringt das die ganze Planung durcheinander. Foto: dpa

Vorige Woche verkündete das Ministerium für Schule und Bildung NRW, dass die Prüfungen erst ab dem 12. Mai beginnen. Damit haben die Schüler circa drei Wochen mehr Zeit, sich auf ihren finalen Test vorzubereiten. Die Lehrer allerdings auch weniger Zeit, Klausuren zu korrigieren. „Mit dieser Verschiebung wollen wir den Schülerinnen und Schülern, die jetzt vor ihren Abiturprüfungen stehen, die Zeit vom 20. April bis 11. Mai geben, um sich auch in der Schule zusammen mit ihren Lehrerinnen und Lehrern weiter auf die Abiturprüfungen vorzubereiten“, begründet das Ministerium in der Pressemitteilung seine Entscheidung. Seit dem 16. März sind die Schulen landesweit geschlossen.

Doch ist die zusätzliche Zeit wirklich notwendig? Oft wird in den letzten Wochen vor den Ferien kaum noch inhaltlich in den Abschlussklassen gearbeitet, vor allem, da alleine die letzte Schulwoche für die Mottowoche draufgeht. Die Schülerschaft in Steinfurt ist jedenfalls hin- und hergerissen, was die neue Planung angeht. „Ich hätte lieber an den normalen Terminen geschrieben. Ganz viele Planungen der Schüler nach dem Abitur werden dadurch behindert, und mehr Zeit hätten wir für die Vorbereitung nicht gebraucht. Die drei Wochen, die ausgefallen sind, wurden mit Hilfe der Medien bereits nachgeholt“, äußert sich Adriana Thier, 18 Jahre, vom Gymnasium Borghorst zu der Planänderung. Die Stufenkameradin Maya Grunwald sieht dem neuen Terminen ebenfalls kritisch entgegen: „Ich finde, die verschobenen Prüfungen sind nicht so sinnvoll, wie man denkt. Viele werden die drei Wochen nicht nutzen, um sich intensiver vorzubereiten, sondern es als Möglichkeit sehen, drei Wochen später mit dem Lernen anzufangen. Außerdem bleibt der Prüfungsstress viel länger auf uns Abiturienten sitzen. Für manche kann es schon hilfreich sein, die sich zum Beispiel zu Hause um jüngere Geschwister kümmern müssen, aber auch dann kommt das Lernen zu kurz, zumal auch Dinge wie Lerngruppen momentan einfach nicht möglich sind.“

Andere Schüler wie Niklas Rosin, ebenfalls vom Gymnasium Borghorst, sind sich nicht so ganz sicher, ob die Entscheidung jetzt wirklich gut oder schlecht war: „Ich bin irgendwie hin- und hergerissen. Auf der einen Seite finde ich es gut, weil wir wirklich mehr Zeit haben uns vorzubereiten und uns auch wirklich auf die Abifächer konzentrieren können. Wenn wir Glück haben, können wir uns mit den Abikursen nach den Ferien in der Schule vorbereiten, sodass man die jetzigen drei Wochen sozusagen noch nachholen kann. Auf der anderen Seite wird die Planung komplett über den Haufen geworfen, sei es von uns Schülern oder die Planung der Lehrer. Vor allem sehe ich das alles ein bisschen problematisch, wenn man dann noch irgendwie krank wird und die Prüfungen nachschreiben muss. Dann wird das alles sehr knapp und stressig.“ Gerade Lehrer geraten durch die neuen Termine unter Druck, denn die Abiturzeugnisse sollen trotz späterer Termine am 27. Juni ausgegeben werden, sodass die Schüler noch genug Zeit haben, sich an den Universitäten zu bewerben. Das Land hat als Notlösung für Lehrer beschlossen, dass korrekturintensive Fächer am Anfang der Klausurphase stattfinden sollen. Dennoch bleibt der Druck sehr hoch.

Einige Schüler können der Verschiebung aber auch etwas Positives abgewinnen, da die Situation für manche schon Zeit benötigt, um sich überhaupt darauf einlassen zu können. „Ich finde es gut, dass die Abiturklausuren verschoben wurden und zwar aus dem Grund, dass, wenn man schon keine Schule hat, man eine längere Vorbereitungszeit braucht. Wir müssen uns auf eine Zeit ohne Unterricht erstmal einstellen, unser Material so ausarbeiten, dass wir auch zu Hause lernen können und uns dann noch intensiv für die Abiturthemen vorbereiten. Dafür braucht man eben mehr Zeit und deswegen würde ich sagen, dass die Entscheidung definitiv gerechtfertigt ist. Ideal wäre es, wenn der Schulbetrieb nach den Osterferien wieder aufgenommen und wir gemeinsam die Sachen wiederholen könnten“, meint Ruth Schnigge, 18 Jahre, vom Arnoldinum in Burgsteinfurt. Für andere Schüler war die Verschiebung der Termine nur eine Frage der Zeit. Anna Batalov, ebenfalls vom Arnoldinum, befürwortet die Entscheidung des Ministeriums: „Ich finde es gut, dass die Klausuren verschoben wurden, weil es an sich ja auch gar keine andere Alternative gab, außer eben diese komplett abzusagen. Die komplette Wiederholungsphase in den Kursen fällt weg. Es ist deutlich schwerer, sich selber zu organisieren, als das gemeinsam im Unterricht zu machen.“

Schwierige Zeiten erfordern drastische Maßnahmen, und auch wenn durch die verschobenen Prüfungen der Plan für viele durcheinander gewürfelt wurde, gilt es, das Beste daraus zu machen. Vielleicht kann gerade die zusätzliche Zeit für ein paar Schüler noch die Rettung sein, doch noch e-Funktionen oder Gedichtsanalysen der Romantik zu verstehen.

Imke Rüße &

Sarah Lülf

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