Verena Eßer aus Borghorst und ihr frisch angetrauter Ehemann steckten coronabedingt 14 Tage in Costa Rica fest
Feuerprobe für die junge Ehe

Borghorst/Münster -

Erst Traumurlaub, dann Odyssee: Verena Eßer und ihr Mann Jonathan hatten sich ihren Urlaub in Costa Rica auch anders vorgestellt. Am Anfang lief alles bestens, ein echter Traumurlaub eben. Dann kam die Corona-Krise und das Paar saß in dem mittelamerikanischem Land fest. 14 Tage zwischen Hoffen und Bangen: Dann endlich ging es wieder gen Heimat – mit dem letzten Flieger ihrer Airline.

Dienstag, 07.04.2020, 20:24 Uhr aktualisiert: 08.04.2020, 16:22 Uhr
Kontraste einer Urlaubsreise: Verena Eßer und ihr Mann Jonathan zu Beginn ihrer Reise vor romantischer Kulisse (l.). Später stand banges Warten
Kontraste einer Urlaubsreise: Verena Eßer und ihr Mann Jonathan zu Beginn ihrer Reise vor romantischer Kulisse (l.). Später stand banges Warten Foto: privat

Stellen Sie sich vor: Sie verbringen den Urlaub ihres Lebens in einem exotischen Land, erleben Regenwald-Safaris, atemberaubende Strände, gehen auf einem Vulkan spazieren, genießen tolle Gastfreundschaft. Dann plötzlich verkehrt sich alles ins Gegenteil: Sie sitzen in diesem Land fest, statt Hotelkomfort gibt es nur noch eine drittklassige Ferienwohnung, sie plagt Heimweh und die Ungewissheit, wann es wieder nach Hause geht. Verzweiflung macht sich breit ...

Was nach der Rezeptur zu einen Hitchcock-Klassiker klingt, hat Verena Eßer hautnah erlebt. Anfang März reist die 30-jährige Borghorsterin, die seit ein paar Jahren in Münster lebt und bald wieder zurück nach Steinfurt ziehen will, mit ihrem frisch angetrauten Ehemann Jonathan nach Costa Rica. Zwei Wochen erleben beide einen Traumurlaub par excellence in dem mittelamerikanischen Staat, der als Reiseland vielfach noch als Geheimtipp gilt. Dann trifft die Corona-Krise das junge Paar mit voller Wucht ...

„Zunächst haben wir uns noch keine allzu großen Sorgen gemacht und dachten auch gar nicht an Corona, als wir nach zwei Wochen Urlaub erfuhren, dass unser Rückflug gecancelt worden ist“, berichtet die junge Frau. Es hieß, zwei Tage später werde ein Alternativflug von unserer Airline angeboten, allerdings von einem anderen Flughafen im Nordwesten des Landes aus. Das Paar wollte dort an besagtem Tag einchecken. „Aber dann wurden wir von der Gruppe getrennt und erfuhren, dass unsere Visa für die USA, es war eine Zwischenlandung in Atlanta vorgesehen, ungültig geworden sind“, erinnert sich Verena Eßer.

Kein Rückflug also nach Deutschland, da war guter Rat teuer. Was folgte, ahnten die beiden zu dem Zeitpunkt noch nicht. Zwei ganze weitere Wochen sollten vergehen, ehe es dann doch noch ein Happy End mit dem letzten Linienflug geben sollte, die ihre Airline von Costa Rica aus überhaupt noch nach Europa anbot. Dazwischen eine Zeit der Odyssee zwischen drittklassiger Unterkunft und Flughafen, verzweifelter Recherche im Internet nach Rückflugangeboten, Telefonaten mit dem Auswärtigen Amt und der deutschen Botschaft.

Enttäuscht sei sie insbesondere über die Unfähigkeit der Botschaftsangehörigen gewesen, ihnen in der Notlage adäquate Hilfe zu geben, berichtet die 30-Jährige. „Sie sind nicht die Einzigen“, sei als lapidare Antwort auf die Bitte gekommen, sie doch auf die Liste der Urlauber zu setzen, die im Rahmen der Rückholaktion der Bundesregierung zurück nach Deutschland geholt werden sollen. Und schließlich: „Kümmern sie sich selber drum.“

Zurück in der Unterkunft nahe der etwas abseits gelegenen Stadt Liberia mit ihrem internationalen Flughafen tat das junge Paar (Verena Eßer: „Das war nach unserer Heirat im vergangenen Jahr die erste große Feuerprobe unserer Ehe“) genau das. Was folgte war ein Hin und Her zwischen Wohnung und Flughafen. Immer wieder wurde ihnen der Zugang zum Flugzeug verwehrt – meist wegen Überbuchung.

Etliche Flüge seien auch total überteuert angeboten worden, bericht die junge Frau. „Einmal sollten wir pro Ticket 6700 Euro zahlen, ein Wahnsinn!“, echauffiert sich die 30-Jährige noch heute über diejenigen, die die Notsituation nicht nur von ihnen, sondern vielen weitere Gestrandeten auszunutzen versuchten. „Die psychische Belastung wurde immer größer“, blickt Verena Eßer mit Schrecken zurück. Trost fanden sie und ihr Mann immerhin bei der Familie und Freunden, mit der sie via Internet immer in Verbindung standen.

Am vergangenen Sonntag schließlich schlug für die Gestrandeten dann endlich die Stunde der Rückkehr – mit dem letzten Flug, den ihre Airline KLM vom Flughafen Liberia aus anbot. Jetzt sind beide wieder in Münster. Der Alltag ist aber noch nicht wieder eingekehrt. Bis Ostersonntag noch dauert die Quarantäne, die alle Auslandsrückkehrer derzeit einzuhalten haben. Mit ihnen sind viele Freunde – auch in Borghorst – froh, dass alles ein gutes Ende gefunden hat.

Apropos Borghorst: Zeitgleich habe auch ihre Trauzeugin und ihr Mann, das Borghorster Paar Nina und Tobias Gövert, Auslandsurlaub gemacht – allerdings nicht in Amerika, sondern in Neuseeland. Auch sie seien gestrandet. Und auch für sie gebe es ein Happy End: „Am heutigen Mittwoch erwarten wir sie zurück“, berichtet Verena Eßer. Urlaub in Corona-Zeiten – beide Paare werden diese Tage wohl zeitlebens nicht vergessen ...

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