Unterwegs mit Vera Schubert vom Fachdienst für Ordnung und Sicherheit
Hier ein Wort, dort eine Ermahnung

Steinfurt -

Viele, viele Gespräche, die sich irgendwie alle um dieses verdammte Virus drehen, eine für örtliche Verhältnisse ganze Menge an Dienstkilometern, die der neue silber-blaue Flitzer zwischen Kieferngrundsee, Bolzplatz Ochtruper Straße und Borghorster Wochenmarkt abspult sowie zu guter Letzt ein paar Ermahnungen für eine Handvoll Jugendlicher, die es an Raestrups Teich, auf dem BWS-Parkplatz und an der Michael-Ende-Schule mit dem Versammlungsverbot nicht so genau nehmen. Für Vera Schubert ist es ein ganz normaler Arbeitstag – in Zeiten von Corona.

Donnerstag, 30.04.2020, 17:22 Uhr aktualisiert: 03.05.2020, 15:39 Uhr
Vera Schubert weist einige Kolleginnen, die bislang als Küchenfeen in der Realschul-Mensa tätig waren, als „Ordnungshüterinnen“ auf dem Wochenmarkt ein.
Vera Schubert weist einige Kolleginnen, die bislang als Küchenfeen in der Realschul-Mensa tätig waren, als „Ordnungshüterinnen“ auf dem Wochenmarkt ein.

Obwohl: Was ist schon normal? Die Mitarbeiterin des städtischen Fachdienstes für Ordnung und Sicherheit denkt da schon lange nicht mehr drüber nach. Für sie ist wichtig: „Mir macht der Job immer noch sehr viel Spaß.“ Trotz täglicher Überstunden und regelmäßiger Wochenendarbeit. Von einem Wust an Vorschriften, der sich wöchentlich, manchmal auch täglich ändert, gar nicht erst zu reden. . .

Diese Kontrollrunde am Nachmittag steht unter der Überschrift Maskenpflicht. Kontrolle? Vera Schubert ist eine Meisterin ihres Fachs, ihre Besuche in den Geschäften und auf dem Borghorster Wochenmarkt nicht nach Kontrolle aussehen zu lassen. Eher nach Hilfe. Meistens läuft es so wie bei Wajahat Shafig, der in seinem „Multi Store“ an der Rottstraße orientalische Lebensmittel verkauft. „Na, wie läuft es?“, fragt die Ordnungshüterin den Chef, der vorne links an der Kasse – natürlich mit Mundschutz – auf Kundschaft wartet. „Gut“, lautet die knappe wie freundliche Antwort. Vera Schubert hat für den Geschäftsinhaber einen wichtigen Hinweis, den er gleich dankbar aufgreift: „Hinter dem Spukschutz müssen Sie keine Maske tragen.“

Auf dem Markt auf dem Roten Platz wird die Mitarbeiterin des Ordnungsamtes schon erwartet. Drei Kolleginnen, die bislang als Küchenfeen in der Realschul-Mensa zauberten, sollen jetzt auf den öffentlichen Plätzen als Ordnungsbienen summen und Besucher wie Händler an Maskenpflicht und Abstandsregeln erinnern. Nach einer kurzen Einweisung und dem Verteilen der neongelben Dienstwesten macht Vera Schubert mit den Kolleginnen eine Runde vorbei an den Ständen, um den Beschickern das neue Personal vorzustellen.

Für die Ordnungskraft ein Heimspiel. Als Marktmeisterin kennt sie die Protagonisten des Freiluftverkaufs in beiden Stadtteilen ziemlich gut. Bevor sie in den Wagen steigt, um an den einschlägig bekannten Treffpunkten in den Burgsteinfurter Bauerschaften nach dem Rechten zu sehen, sieht sie einen Radfahrer quer über den Platz flitzen. „Hey, bitte absteigen“, ruft sie dem Mann hinterher. Der kontert: „Der Markt ist doch noch gar nicht angefangen.“ Antwort: „Radfahren ist hier trotzdem verboten.“

Am Kieferngrundsee begegnet Vera Schubert einer einsamen Joggerin. Unten am Ufer sieht sie drei einzelne Spaziergänger, die ihre Hunde ausführen. Letztes Wochenende hat sie hier ein Dutzend Jugendliche aufgescheucht, die sich beim Auftauchen des Ordnungsamt-Autos in alle Winde zerstreuten. Tote Hose auch am lauschigen Aaufer. „Hier gibt es keine Möglichkeiten zur Flucht“, schmunzelt die 27-Jährige.

Menschenleere auch am Bolzplatz hinter den Wohnblocks an der Ochtruper Straße. Nur das Flatterband, das ist am Eingangstor wieder abgerissen. „Da machen sich einige einen Sport draus“, lässt sich die Stadtbedienstete nicht aus der Ruhe bringen. Sie hat im Kofferraum Reserveband dabei. Ruckzuck ist es vor dem Tor verknotet – mal sehen wie lange.

Susanne Laumann als Schuberts Chefin hat derweil ganz andere Sorgen. Sie muss den Außen- wie Innendienst organisieren. „Nur mit den eigenen Leuten wäre das gar nicht mehr zu schaffen“, erläutert die Fachdienstleiterin. Darum ist sie auf die „Personal-Kollekte“ angewiesen, die aus den anderen Abteilungen des Rathauses reichlich kommt und mit der die täglichen Streifen in beiden Ortsteilen bestückt wird. In den Erdgeschoss-Büros herrscht derweil der mittlerweile ganz normale Wahnsinn. „Eigentlich benötigten wir eine richtige Hotline“, meint Susanne Laumann. Die Verunsicherung bei den Bürgern sei groß, darum die vielen Anfragen. Krisenstab, Quarantäneverfügungen, Arbeitsschutz – Corona hat den Fachdienst fest im Griff. Aber das schweißt zusammen: „Wenn wir uns nicht gegenseitig den Rücken freihalten würden, ginge hier gar nichts.“

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