Sauerstoffwerk E. Howe vor besonderen Herausforderungen
Leben retten mit medizinischen Gasen

Burgsteinfurt -

Aufgrund der Corona-Krise geht das Sauerstoffwerk E. Howe von einem großen Mehrbedarf aus. Es wird auch Sauerstoff, der in Krankenhäusern benötigt wird.

Mittwoch, 06.05.2020, 19:35 Uhr aktualisiert: 06.05.2020, 20:38 Uhr
Geschäftsführer Axel Howe (l.) und Betriebsleiter Michael Zeisler sehen das Sauerstoffwerk auch im Fall erhöhten Bedarfs an medizinischem Sauerstoff gut gerüstet.
Geschäftsführer Axel Howe (l.) und Betriebsleiter Michael Zeisler sehen das Sauerstoffwerk auch im Fall erhöhten Bedarfs an medizinischem Sauerstoff gut gerüstet. Foto: rs

In Corona-Zeiten kann die Nachfrage nach Sauerstoff schnell wachsen. Auch wenn italienische Verhältnisse hierzulande nicht wahrscheinlich sind, will das Sauerstoffwerk E. Howe gerüstet sein. „Vom Rohstoff an sich ist genug vorhanden“, sagt Axel Howe. Der Geschäftsführer des Traditionsbetriebs in Steinfurts kleinstem Gewerbegebiet nahe der B 54 weiß, wo der Flaschenhals zu suchen ist.

Der ist in diesem Fall durchaus wörtlich zu nehmen: er liegt bei den Flaschen selbst. Der Lieferant für technische und medizinische Gase hat seine Lagerkapazitäten kurzfristig erweitert, um dem drohenden Behälter-Problem entgegenzuwirken. Howe: „Wir waren frühzeitig vorgewarnt und haben entsprechend gehandelt.“

Zwei bis zehn Liter

Neben Sanitätshäusern, die wiederum Patienten im Homecare-Bereich versorgen, gehören auch regionale Krankenhäuser zum Kundenstamm des Industriebetriebs bei medizinischem Sauerstoff. Deren Versorgung angesichts der deutlich ausgebauten Anzahl an Beatmungsplätzen auf den Intensivstationen sicherzustellen, hat bei Howe eine hohe Priorität. „Wir stehen in engem Kontakt mit den Krisenstäben und können mit geringer Vorlaufzeit auch mit erhöhten Bedarfen liefern“, versichert Michael Zeisler.

Bei üblicher Auftragslage macht der Sortimentsbereich der medizinischen Gase, zu dem bei Howe neben sogenannter medizinischer Luft, Kohlendioxid und Lachgas eben auch der medizinische Sauerstoff gehört, rund ein Fünftel des Gesamtumsatzes aus, klärt der Betriebsleiter auf. Hauptgeschäft des Unternehmens sei der Vertrieb sogenannter technischer Industriegase, wie sie zum Beispiel in der Metallverarbeitung Verwendung finden. Das könnte sich wegen Corona kurzfristig ändern.

Krisenzeit

„Wir gehen von einem Mehrbedarf von Einzelflaschen in allen Gebindegrößen aus“, berichtet Axel Howe. Deren Bandbreite ist aus Laiensicht erstaunlich groß: Die kleinsten Ausführungen sind vom Volumen her vergleichbar mit einer Cola-Dose. Dann geht es bis hinauf bis zur 50-Liter-Flasche, wobei Behälter in der Größenordnung von zwei bis zehn Litern den Löwenanteil in der Nachfrage ausmachen. Zudem kann auch bündelweise geliefert werden.

Die pharmazeutische Herstellung und Befüllung erfolgt auf dem Firmengelände selbst. Geschäftsführer und Betriebsleiter gewähren dem Berichterstatter von der Zeitung gerne Einblick in die Prozesse. Dem fällt sofort auf: Der Produktionsprozess ist gekennzeichnet von hohen Sicherheitsmaßstäben, schließlich wird mit hohen Drücken (im Prüfungsprozess werden Gasflaschen mit bis zu 300 bar befüllt) und explosiven Stoffen gearbeitet.

Medizinische Gase

Letzteres ist beim Sauerstoff zwar nicht der Fall. Dafür hat der Gesetzgeber in diesem Bereich sehr hohe Qualitätsvorgaben gesetzt, die auf dem Arzneimittelgesetz beruhen. „Gleich ein ganzer Stab, vom Leiter Qualitätskontrolle über den Leiter Herstellung bis zur sogenannten qualifizierten Person, kümmert sich um die Einhaltung“, weiß der Geschäftsführer. Bevor ausgeliefert werden kann, muss jede einzelne Flasche dafür freigegeben werden.

Ebenso hat jede Flasche neben einem Gefahrgutaufkleber, der den Inhalt kennzeichnet auch einen Barcode, der eine Nachverfolgung der Vertriebswege ermöglicht. Eine gesonderte Desinfektionsanweisung erklärt, wie der Umgang zu erfolgen hat. „Da angekündigt worden ist, dass wegen der Corona-Krise auch Studenten in der Patientenversorgung eingesetzt werden könnten, haben wir die ergänzt“, betont Howe.

Ein kleiner zusätzlicher Baustein in der Vertriebsstrategie des Werkes, der zeigt, dass es in der aktuellen Krisenzeit erhöhte Verantwortung trägt. Denn vom ausreichenden Angebot an medizinischem Sauerstoff hängt es unter anderem entscheidend ab, ob ein schwer erkrankter Covid-19-Beatmungspatient überlebt oder nicht. Die Verantwortlichen des Sauerstoffwerks sind sich dessen bewusst und wollen ihren Beitrag dazu leisten, Leben zu retten.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7398372?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686838%2F
Nachrichten-Ticker