Märkte haben Zuwachs bekommen
Aus dem Flieger auf die Steinstraße

Burgsteinfurt -

„Die Zeit war genau richtig dafür.“ In der Corona-Krise sind solche Sätze selten. Und auch wenn Stefan Eberle so etwas sagt, hätte er sich einiges anders gewünscht. Denn so ganz freiwillig steht der 40-jährige Münsteraner nicht auf dem Burgsteinfurter Wochenmarkt, um Kaffee und Kuchen zu verkaufen. Die Pandemie war es, die Eberle vom Himmel auf das Kopfsteinpflaster der Burgsteinfurter Steinstraße zwang.

Freitag, 22.05.2020, 18:32 Uhr aktualisiert: 24.05.2020, 18:48 Uhr
Stefan Eberle freut sich über die gute Resonanz auf sein Angebot. Er bietet nicht nur Kaffe-Spezialitäten an, ein Stück Kuchen gibt es auch dazu. Ingrid Heeke (l.) verkauft Brot, Brötchen und Kuchen der Bäckerei Schultejann: „Es werden bei jedem Markttag mehr Kunden.“
Stefan Eberle freut sich über die gute Resonanz auf sein Angebot. Er bietet nicht nur Kaffe-Spezialitäten an, ein Stück Kuchen gibt es auch dazu. Ingrid Heeke (l.) verkauft Brot, Brötchen und Kuchen der Bäckerei Schultejann: „Es werden bei jedem Markttag mehr Kunden.“ Foto: Axel Roll

Bis vor wenigen Wochen war der gelernte Restaurantfachmann als Flugbegleiter in ganz Europa unterwegs. Erst kam Corona, danach die Kündigung. „Da habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht“, sagt der gebürtige Ibbenbürener, der ab sofort die Wochenmärkte in Borghorst (nur am Samstag) und in Burgsteinfurt verstärkt.

Bäckermeister Michael Schultejann, der seit drei Wochen seine rollende Bäckerei in Burgsteinfurt halten lässt, verstärkt mit Brot, Brötchen und Backwaren ganz bewusst die Beschicker-Mannschaft. Er ist erst seit Kurzem selbstständig und auf der Suche nach einer „qualitätsbewussten Kundschaft“, wie der Wettringer Handwerker sagt.

Beide Neulinge lässt der Start in Steinfurt hoffen. „Die Leute finden es total klasse, dass sie hier auf dem Markt nicht nur einen Kaffee trinken können, sondern noch ein Stück Kuchen dazu bekommen“, freut sich Stefan Eberle. Dabei muss er derzeit noch mit gebremstem Schaum arbeiten. „Ich würde gerne ein paar Stehtische und Bierzeltgarnituren aufstellen“, erläutert der Münsteraner sein Konzept.

Michael Schultejann weiß, dass er sich die Stammkundschaft erst erarbeiten muss. „Aber es wird von Mal zu Mal mehr“, sieht er in Steinfurt Potenzial. Er setzt auf Qualität, hat Enzyme und andere chemischen und biologischen Helferlein aus seiner Backstube verbannt, wie er sagt.

Stefan Eberle will sich von der bekannten Kaffeebuden auf Märkten mit seinem zusätzlichen Kuchenangebot absetzen. Das liegt auf der Hand: Der gebürtige Ibbenbürener kommt aus einem Bäckereibetrieb. „Ich habe mit zwölf schon meinem Vater in der Backstube geholfen.“ Darum ist für ihn klar: „Zum Kaffee gehört ein Stück Kuchen.“

Eigentlich wollte Eberle seinen Kaffeewagen nur so aus Spaß über die Stadtfeste und Märkte fahren. „Als dann aber die Kündigung kam, musste ich mir was anderes überlegen“, so der ehemalige Flugbegleiter. Seine Bar, die er sechs Jahre lang in der Nähe des münsterischen Hauptbahnhofs betrieben hatte, gab er zwischenzeitlich ebenfalls auf – ihm war die Miete zu hoch geworden.

Das Kaffeemobil hat der handwerklich versierte Marktbeschicker selbst gebaut. „Mir war dabei wichtig, dass ich flexibel bin.“ So bietet er im Augenblick noch selbstgemachte Waffeln an, kann aber im Hochsommer das Waffeleisen gegen die Eismaschine austauschen.

Bäckermeister Michael Schultejann ist erst seit einem halben Jahr selbstständig. „Ich habe erst den Meister gemacht und dann den Betrieb in Wettringen übernommen“, so Schultejann. „Filialen sind für mich aber nicht der richtige Weg“, erklärt er sein Wochenmarkt-Engagement. Sein Wagen steht nicht nur in Burgsteinfurt, sondern auch in Emsdetten und Ochtrup. Seine ersten Erfahrungen: „Die Kunden achten sehr auf Qualität.“

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