Weberquartier: Detaillierte Altlastenerfassung ist Baubeginn des Gesundheitscampus vorgeschaltet
Sünden der Vergangenheit auf Spur

Borghorst -

Noch ist es nicht der von allen Beteiligten ersehnte offizielle Baubeginn für das Prestigeprojekt Gesundheitscampus, aber immerhin eine wichtige, weil unabdingbare vorbereitende Maßnahme: Seit Donnerstag ist ein Bagger auf dem Gelände des Weberquartiers unterwegs, um dort Bodenproben zu entnehmen, die etwaige Altlasten aufdecken sollen. Die Verantwortlichen rechnen mit positiven Befunden.

Donnerstag, 28.05.2020, 16:54 Uhr aktualisiert: 29.05.2020, 14:20 Uhr
Wie ein Spielzeug wirkt der Bagger der Firma Wehrmann auf dem riesigen Weberquartier-Gelände. Am Donnerstag ist dort die Altlastenerfassung gestartet, die dem Baubeginn für das Gesundheitscampus vorgeschaltet ist. Eine erster Bodenstich nahe der ehemaligen Tankstelle zeigte, dass dort kontaminierte Bereiche vorhanden sind (kl. Bild).
Wie ein Spielzeug wirkt der Bagger der Firma Wehrmann auf dem riesigen Weberquartier-Gelände. Am Donnerstag ist dort die Altlastenerfassung gestartet, die dem Baubeginn für das Gesundheitscampus vorgeschaltet ist. Eine erster Bodenstich nahe der ehemaligen Tankstelle zeigte, dass dort kontaminierte Bereiche vorhanden sind (kl. Bild). Foto: Ralph Schippers

„Beginnen die jetzt mit dem weiteren Abriss?“ Der Anwohner schaut skeptisch auf den Bagger, der auf dem Weberquartier im Schatten von St. Nikomedes hin und her rollt. Doch die befürchtete Lärmbelästigung hält sich am Donnerstag noch in Grenzen: Es handelt sich um eine vorbereitende Bodenuntersuchung im Hinblick auf Altlasten, die auf dem 25 000-Quadratmeter-Areal des früheren Textil-Imperiums Kock durchgeführt wird. „Wir werden in den kommenden zwei Tagen an rund 50 Stellen Bodenproben entnehmen und sie anschließend auf Verunreinigungen untersuchen“, sagt Andreas Beunink vom Büro Dr. Schleicher & Partner aus Gronau, das den Auftrag für die Bodenuntersuchung vom Investor, der Berliner IGP-Gruppe, erhalten hat.

Dabei rechnen die Verantwortlichen aufgrund früherer Analysen durchaus mit Belastungen des Baugrunds – zum Beispiel durch Löse- oder Bleichmittel oder auch Altöl. „Das kann man in diesem Fall jedoch relativ einfach in den Griff bekommen“, sagt Beunink. Grund für die Zuversicht ist der lehmige Untergrund, auf der einst die Kock-Hallen standen. Er wirkt wie eine natürliche Sperre, lässt keine Schadstoffe ins Grundwasser sickern. Die sogenannten Baggerschürfe, die auf dem künftigen Gesundheitscampus von der Heeker Landschaftsbaufirma Wehrmann vorgenommen werden, dienen dazu, das Ausmaß der Bodenbelastung und damit verbundene Entsorgungskosten genauer zu bestimmen. In rund vier Wochen sollen die Ergebnisse vorliegen, kündigt der Diplom-Geologe an.

Mit vor Ort sind auch Stefan Albers vom Fachdienst Stadtplanung und Bauordnung der Stadtverwaltung sowie Rabea Dost vom Büro für faunistische Erfassungen Axel Donning aus Rheine. Die Landschaftsökologin hat die in den vielen Jahren der Brache auf dem Areal heimisch gewordene Tierwelt im Auge – und dabei besonders die Fledermäuse. Eine durchgehende ökologische Baubegleitung ist Standard bei derartigen Bauvorhaben. Die streng geschützte Mopsfledermaus wird auch auf dem künftigen Gesundheitscampus noch eine Heimstatt haben, wenngleich in weitaus geringerer Anzahl als zuletzt, sagt Rabea Dost. Denn der am Buchenberg angelegte Tunnel sowie der Fledermauswald zeigen gute Wirkung.

Stefan Albers, der das Gelände kennt wie seine Westentasche, steht derweil für Fragen der Beteiligten der Altlastenuntersuchung bereit. Zudem kündigte der Fachdienstleiter beim Ortstermin an, dass die am städtebaulichen Qualifizierungsverfahren beteiligten Architekturbüros in der kommenden Woche der Fachjury ihre Entwürfe für die Ausgestaltung des künftigen Gesundheitscampus vorstellen werden. Nach der über mehrere Stunden angesetzten Präsentation im Rathaus und anschließender Beratung der Beteiligten soll eine Entscheidung darüber fallen, welcher Vorschlag als Siegerentwurf weiter verfolgt wird.

„Der Siegerentwurf ist so etwas wie ein Favorit, der aber in Details durchaus noch veränderbar ist“, macht Albers deutlich. Die Umsetzung erfolge in enger Abstimmung mit der Politik: Vor einer abschließenden Entscheidung im Rat steht unter anderem auch eine Beratung im Planungsausschuss der Stadt an. Mit dem Beginn der eigentlichen Bauarbeiten rechnen Stadt und Investor mit Frühjahr kommenden Jahres.

Wie bereits berichtet, soll in prominenter, innenstadtnaher Lage von Borghorst ein Nutzungsmix von Reha- und Pflegeeinrichtungen sowie privates, urbanes Wohnen realisiert werden. Ein besonderes Augenmerk des Bauherrn IGP-Gruppe liegt dabei auf der funktionalen Verbindung des nahen UKM-Marienhospitals mit dem neuen Campus.

Die endgültige Nutzungsaufteilung steht aufgrund des laufenden Verfahrens noch nicht fest. In einer Pressemitteilung weist der Investor darauf hin, dass der größte Teil der Fläche für die Rehaklinik reserviert werden könnte. In Ergänzung sind ein Therapiebereich und ein Bewegungsbad denkbar. Ein kleinerer Teil steht für das Pflegeheim zur Verfügung, das durch eine Pflegeschule und Appartements für die Pfleger komplettiert werden könnte.

Zur Arrondierung des Areals ist Wohnungsbau vorgesehen, daneben ist derzeit auch eine Kita auf dem Areal geplant. „In enger Abstimmung mit dem zur Universitätsklinik Münster gehörenden Marienhospital Steinfurt wollen wir in Steinfurt einen Modellstandort schaffen, der das optimale Zusammenspiel von Akutkrankenhaus, stationärer sowie ambulanter Rehabilitation ermöglicht“, wird IGP-Vorstand Stefan Gräf in der Mitteilung abschließend zitiert.

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