„Night of Light“ taucht Rolinck-Turm und Martin-Luther-Haus in dunkles Rot
Flammender Appell

Burgsteinfurt -

Die Aktion „Night of Light“ hat am Montagabend auch in der Kreisstadt für Aufmerksamkeit gesorgt. Mit Einbruch der Dunkelheit wurden der Turm der Brauerei Rolinck und das Martin-Luther-Haus rot angestrahlt. Eine Firma aus Wettringen wollte mit der Aktion auf die aktuelle Situation der Veranstaltungswirtschaft hinweisen.

Dienstag, 23.06.2020, 15:50 Uhr aktualisiert: 25.06.2020, 17:23 Uhr
Schöne Bilder mit ernstem Hintergrund: Rolinck-Turm und Martin-Luther-Haus sind im Rahmen der „Night of Light“ am Montagabend von der Wettringer Firma Lightconcept rot angestrahlt worden. Die Aktion sollte auf die dramatische Situation der Veranstaltungswirtschaft hinweisen.
Schöne Bilder mit ernstem Hintergrund: Rolinck-Turm und Martin-Luther-Haus sind im Rahmen der „Night of Light“ am Montagabend von der Wettringer Firma Lightconcept rot angestrahlt worden. Die Aktion sollte auf die dramatische Situation der Veranstaltungswirtschaft hinweisen. Foto: Drunkenmölle

Einigen vorbeihuschenden Autofahrern war das Bild lediglich ein flüchtiger Schnappschuss mit dem Handy aus dem offenen Wagenfenster wert. Andere Abendradler und Spaziergänger hat der von Scheinwerfern rot angestrahlte Rolinck-Turm, die rote Fassade des Martin-Luther-Hauses sowie das in Rot getauchte Kino-Foyer aber dann doch bewegt, sich etwas länger mit den Hintergründen der „Night of Light“ zu beschäftigen. Damit wollte die Veranstaltungswirtschaft am Montag bundesweit und eben auch in Steinfurt auf ihre aktuelle Lage aufmerksam machen. Grund: In der Branche herrscht Alarmstufe Rot. Schützenfeste, Konzerte, Theateraufführungen, Sport-Events – jegliche Art von Großveranstaltungen sind aufgrund der Corona-Krise seit dem 10. März untersagt. Die jüngsten Absagen in Steinfurt betreffen die Oldie-Night und das Jubiläums-Brauereifest aus Anlass von 200 Jahren Rolinck.

Zahlreiche, durch den Virus in ihrer Existenz gefährdete Unternehmen fühlen sich wie auf eine Rote Liste der akut vom Aussterben bedrohten Branchen gesetzt. Aus diesem Grund haben sich alle Bereiche dieses Wirtschaftszweiges zu einer Interessen- und Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen und die Aktion „Night of Light“ ins Leben gerufen. Überall wurden am Montagabend markante Gebäude in rotes Licht getaucht. Leuchtende Mahnmale, verbunden mit dem flammenden Appell, insbesondere an die Politik, die Branche vor einer massiven Pleitewelle zu bewahren und hunderttausend Arbeitsplätze zu sichern. Durch das vorläufige Verbot von Großveranstaltungen bis zum 31. August werden 80 bis 100 Prozent Umsatzausfall über einen Zeitraum von mindestens acht Monaten befürchtet.

„Das hat uns ins Mark getroffen. Wir befinden uns in einer Art Ohnmacht“, beschreibt Raphael Berndzen in der WDR-Lokalzeit im Fernsehen die Situation. Der Geschäftsführer von Lightconcept in Wettringen hatte mit seinem Team sowohl bei Krombacher als auch der Bürgergenossenschaft Martin-Luther-Haus angefragt, die markanten Gebäude im Steinfurter Stadtbild in die Lichtinstallation einzubinden. „Eine Aktion, die wir gerne unterstützt haben“, erklärt Krombacher-Pressesprecher Peter Lemm auf Nachfrage dieser Zeitung. Daumen hoch, um ein Zeichen zu setzen, auch unmittelbar nach der Anfrage bei den MLH-Betreibern.

„Wir fühlen uns von der Politik ignoriert“, baute Berndzen seinen Frust ab. Seine Forderung ist, „dass man uns nicht nur hört, sondern auch versteht“. Verbunden ist der Hilferuf damit, einen Branchendialog mit der Politik einzugehen, um gemeinsam einen Weg aus der Krise zu finden. Derzeitige Hilfeleistungen in Form von Kreditprogrammen würden nicht ausreichen. „Die wirtschaftliche Durchführung von Veranstaltungen ist zurzeit und bis auf Weiteres unter den geltenden Restriktionen und notwendigen Hygieneregelungen nicht mehr möglich. Es bestehen somit besondere, ökonomische Herausforderungen, um die sogenannten ,First in-Last out’-Unternehmen sowie die in der Veranstaltungswirtschaft tätigen Einzelunternehmer, mithin die gesamte Branche, zu retten“, erklärt die Arbeitsgemeinschaft die Ziele ihrer Initiative und hofft, dass in diesem Zusammenhang die roten Gebäude mehr als eine Momentaufnahme wert waren und noch lange in Erinnerung bleiben: „Die Farbe Rot steht für die Leidenschaft für unseren Beruf, unsere Profession. Wir brennen für das, was wir tun.“

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