Nach Satzungsbeschluss des B-Planes: Mobilheimpark in Veltrup soll alsbald Realität werden
Luftholen und durchstarten

Steinfurt -

Dirk Köninck ist erleichtert: Nachdem der Stadtrat in der vergangenen Woche der Bebauungsplanänderung mehrheitlich zugestimmt hat, kann der Landwirt aus Veltrup mit der Errichtung eines Mobilheimparks an seinem Hof beginnen. Er musste viel Geduld aufbringen: Über ein Jahr diskutierte die Politik über das Für und Wider, ehe jetzt die Entscheidung kam.

Mittwoch, 01.07.2020, 16:34 Uhr aktualisiert: 07.07.2020, 15:30 Uhr
Der rechtskräftige Bebauungsplan zeigt die Sondergebiete, die orange eingefärbt sind. Der Mobilheimpark soll im nordwestlichen Bereich entstehen. Auf dem weitläufigen Gelände stehen die Gebäude recht locker (kl. Bild).
Der rechtskräftige Bebauungsplan zeigt die Sondergebiete, die orange eingefärbt sind. Der Mobilheimpark soll im nordwestlichen Bereich entstehen. Auf dem weitläufigen Gelände stehen die Gebäude recht locker (kl. Bild). Foto: Stadt Steinfurt/Architekturbüro Quiring, Soest

Dirk Köninck ist ein optimistisch denkender Mensch. Wenn man den 50-jährigen Landwirt aus Veltrup indes auf das Bebauungsplanänderungsverfahren für den geplanten Mobilheimpark als Teil des Campingplatzes Steinfurter Land anspricht, dann wirkt der Familienvater doch ein wenig zerknirscht. Mehr als ein Jahr hat es gedauert, bis der geänderte Bauleitplan Nummer 71 nun rechtskräftig geworden ist. In der letzten Sitzung vor der Sommerpause hat der Stadtrat mehrheitlich grünes Licht für den Satzungsbeschluss gegeben.

Vor allem aus den Reihen der FDP und der FWS gab es bis zum Schluss Gegenwind. Die Befürchtungen: Wenn auf dem vorgesehenen Gelände die Parzellen einzeln an Privatleute verkauft werden, erleide die Stadt einen Kontrollverlust, weil sie es mit zu vielen Eigentümern zu tun habe. Zudem steige die Gefahr des Dauerwohnens. Ein Antrag der FDP, wonach die Stadt das Gebiet mit einem Vorkaufsrecht belegen solle, scheiterte daran, dass es zuvor bereits einen rechtskräftigen B-Plan gab.

Köninck kann die politischen Diskussionen um sein Projekt nicht nachvollziehen. Er betont, dass die Betreibergesellschaft „ZeitNatur Veltrup GmbH“, an der er beteiligt ist, die Mobilheimplätze nicht verkaufen, sondern vermieten wird. Die Gefahr eines Dauerwohnens oder gar das Entstehen einer Splittersiedlung im Außenbereich bestehe nicht. „Das ist laut gültiger Campingplatz-Verordnung rechtlich auch gar nicht zulässig“, macht Köninck deutlich.

Apropos Campingplatz-Verordnung: Sie ist Hintergrund dafür, dass das Bauleitplanverfahren nochmals verlängert werden musste. „Die Verordnung wurde zwischenzeitlich, was die zulässige Grundfläche und Höhe von Mobilheimen anbelangt, geändert“, erklärt der Landwirt. Dass ihn dieses verhältnismäßig überschaubare Detail mehr als ein Jahr Zeitverlust für sein ambitioniertes Vorhaben einbringen würde, hätte er wohl auch nicht gedacht ...

Schwamm drüber, Köninck hat sich seinen Optimismus bewahrt und blickt nach vorn. Luftholen und durchstarten lautet seine Devise. Der Boom, den die Branche derzeit erlebt, gibt ihm Motivation. Campen ist „in“ wie nie – die Sparte gehört eindeutig zu den Gewinnern der Corona-Krise. Während des Pressegesprächs klingelt das Handy des Platzbetreibers immer wieder. Am anderen Ende der Leitung sind Wohnmobilisten, Fahrradfahrer oder Wohnwagenbesitzer, die nach freien Kapazitäten in Veltrup fragen. Die kann Köninck derzeit noch bieten, „in der nächsten und übernächsten Woche sind wir aber nahezu komplett ausgebucht“. Die Kundschaft ist international. Der Campingplatz Steinfurter Land ist so etwas wie eine Drehscheibe zwischen Südeuropa und Skandinavien. Aber es kommt auch die Radlergruppe aus dem benachbarten Rheine, die das Pressegespräch unterbricht und spontan nach einem Zeltplatz fragt.

Köninck ist überzeugt davon, dass sich der Aufwärtstrend in der Campingbranche, der schon vor einigen einigen Jahren begann, weiter anhält. Ihm fällt auf: Viele Neulinge, vor allem auch junge Familien, haben das Camping als alternative Urlaubsform für sich entdeckt. „Die Leute wollen Naturnähe, sie wollen Ursprünglichkeit und Unabhängigkeit. All das haben wir hier zu bieten“, sagt der Landwirt und deutet dabei neben dem zum Anwesen gehörenden See auch auf die alten Hofgebäude. Sein Plan: Den alten Spieker, das Backhaus, den Stall und weiteres mehr mit den Einnahmen aus dem Mobilheimpark und dem Campingplatz behutsam sanieren und sie für den Tourismus zugänglich machen. „In der letzten Woche hatten wir hier im alten Pferdestall einen Yoga-Kurs. Warum das nicht ausbauen?“, fragt er.

In der Tat: Der Charme der historischen Hofgebäude auf dem Köninckschen Anwesen beeindruckt. Die ältesten stammen aus dem 18. Jahrhundert, verströmen jede Menge Urigkeit. Die Marschrichtung, in die die ganze Familie eingebunden ist, steht: Die Könincks setzen künftig schwerpunktmäßig auf Tourismus, der über Jahrhunderte bestimmende Broterwerb über die Landwirtschaft tritt in den Hintergrund. Vorläufiger Endpunkt einer Entwicklung, die Ende der 1970er-Jahre auf dem Veltruper Hof begann, als Könincks Eltern erstmals Ferienwohnungen für Touristen anboten.

 

Auf dem Hof Köninck soll auch in diesem Jahr wieder ein Hofleuchten stattfinden. Geplant ist die Lichtshow am 19. September (Samstag). Ob sie coronabedingt tatsächlich stattfinden wird, ist derzeit noch mit einem Fragezeichen versehen. Informationen folgen rechtzeitig.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7476509?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686838%2F
Nachrichten-Ticker