Wie Rolinck die Corona-Krise überwinden will
Das Glas ist immer noch halb voll

Steinfurt -

Corona zwingt auch die Brauerei Rolinck in die Knie. Der Shutdown in der Gastronomie, die Absage von Volks- und Schützenfesten – das Steinfurter Traditionsunternehmen muss starke Verluste beim Absatz verkraften. Nach einem Monat Kurzarbeit zieht die Produktion jetzt allerdings langsam wieder an. Es wird wieder in drei Schichten gearbeitet. Der Standort kann durch seine Flexibilität punkten.

Freitag, 10.07.2020, 16:50 Uhr aktualisiert: 12.07.2020, 12:26 Uhr
Seit einem Jahr ist Braumeister Marcel ter Steege als Werkleiter für den Rolinck-Standort der Krombacher-Gruppe in Steinfurt verantwortlich. Die Corona-Krise hat auch dort für einen heftigen Einbruch beim Absatz gesorgt. Nach einem Monat Kurzarbeit wird allerdings jetzt schon wieder in drei Schichten gearbeitet.
Seit einem Jahr ist Braumeister Marcel ter Steege als Werkleiter für den Rolinck-Standort der Krombacher-Gruppe in Steinfurt verantwortlich. Die Corona-Krise hat auch dort für einen heftigen Einbruch beim Absatz gesorgt. Nach einem Monat Kurzarbeit wird allerdings jetzt schon wieder in drei Schichten gearbeitet. Foto: Drunkenmölle

Stadt-, Volks- und Schützenfeste sind abgesagt, Open-Air-Konzerte abgeblasen, Fußball findet nur noch unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Und die Kneipe um die Ecke kämpft nach Wochen, in denen die Zapfhähne hochgedreht und die Kochtöpfe vom Herd genommen waren, ums nackte Überleben. Das Corona-Virus macht nicht nur Menschen, sondern ganze Wirtschaftszweige krank. Die Burgsteinfurter Bierbrauer sind davon nicht ausgenommen. Auch Rolinck muss kämpfen.

Eigentlich sollte dieses Jahr ein besonderes der Steinfurter Brauerei werden. 200 Jahre besteht das Unternehmen. Doch die Pandemie hat der Traditionsfirma die Feierlaune kräftig verdorben. Kurzarbeit statt Jubiläumsfest. Wer hätte das noch Anfang des Jahres gedacht?

„Das hat uns allen mächtig ins Kontor geschlagen“, blickt Marcel ter Steege, seit einem Jahr Werkleiter bei Rolinck, auf eine niederschmetternde Halbjahresbilanz. Der Absatz beim Fassbier ist um 40 bis 50 Prozent eingebrochen. Lediglich die Flaschenproduktion konnte halbwegs aufgefangen werden. Nach drei Jahren, in denen die Erfolgskurve im Gegensatz zum Bundestrend in Steinfurt stetig nach oben gegangen ist, ist dieser Absturz für die aktuell 64 Rolinck-Beschäftigten ganz bitter.

Aber, bei allem Frust, den die Rolinck-Mannschaft schiebt, das Glas bleibt für sie immer noch halb voll und nicht halb leer. Das hat Gründe. „Die Marke ist im Münsterland etabliert, die Verbundenheit groß. Rolinck kann auf eine breite Kundentreue bauen“, sagt ter Steege.

Ein weiteres Plus, so der gelernte Braumeister, sei die Flexibilität am Standort Steinfurt. „Das ist gerade in Krisenzeiten ein Riesenvorteil, auf Veränderungen im Markt schnell reagieren zu können“, verweist ter Steege darauf, dass in Burgsteinfurt ja nicht nur unterschiedliche Rolinck-Premiumprodukte produziert, sondern für die Krombacher-Gruppe jede Menge Aufgaben übernommen werden. Das Arbeitsspektrum reicht von der Spezialabfüllung bis zur Lager- und Transportlogistik. Ter Steege: „Wir sind da ganz breit aufgestellt.“

Das Krombacher-Mutterunternehmen weiß die Fähigkeiten der westfälischen Tochter zu schätzen. „Krombacher setzt auch in Zukunft auf die Marke Rolinck. Der Standort Steinfurt ist mittlerweile existenziell für das Unternehmen“, sagt Krombacher-Pressesprecher Peter Lemm. Dieses Bekenntnis der Unternehmensführung spiegele sich unter anderem auch mit den „deutlich siebenstelligen Investitionen“ wider, die Krombacher seit der Übernahme im Jahr 2007 in die Rolinck-Brauerei gesteckt hat. Eine neue Etikettieranlage und eine neue Lagerhalle sind gerade in Betrieb genommen worden, fügt Lemm an.

Darüber hinaus werden bei Rolinck Planungen vorangetrieben, den Standort auszubauen. Entsprechende Anträge, den Bebauungsplan zu ändern, sind bereits bei der Stadt Steinfurt gestellt. (wir berichteten). Wachstum ist das Ziel. Ter Steege dazu: „Sie sehen, es geht voran.“

Das gelte auch für die Unternehmensstrategie. Um am Markt bestehen und expandieren zu können, setzt Krombacher auf mehrere Säulen: auf enge Kundenbindung in Gastronomie und Handel, auf Produktvielfalt und auf Regionalität. „Das kann Rolinck alles bieten“, ist Lemm überzeugt und führt ein Beispiel an: Ganz frisch kommt in diesen Tagen Rolinck glutenfrei auf den Markt. „Wir sind, was den Geschmack angeht, im ganz oberen Bereich gelandet“, klopfen sich die Braumeister ein bisschen auf die Schulter. Bewusst habe man kein Krombacher-, sondern ein Rolinck-Etikett auf die Flasche geklebt. Das sei auch ein Ausdruck dafür, welches Vertrauen die Krombacher in die Rolinck-Fähigkeiten setzen wird.

Und: Nach einem Monat Kurzarbeit wird bei Rolinck übrigens wieder in drei Schichten gearbeitet. Mit steigender Nachfrage zieht auch die Produktion wieder an. Vier junge Leute werden am 1. August ihre Ausbildung bei Rolinck beginnen. Die Vorgänger werden übernommen. Das Minus soll beim Absatz nicht größer als 30 Prozent werden, gibt Marcel ter Steege ein Ziel aus. Das Glas bleibt immer noch halb voll.

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