Protestanten und Katholiken rücken enger zusammen
„Gemeinsam Christ sein“

Borghorst -

Das hat es in Steinfurt noch nie gegeben: Am 12. und 19. September feiern die Protestanten aus Borghorst und den umliegenden Gemeinden Konfirmation in der katholischen Nikomedeskirche. Corona macht‘s möglich. Das große Kirchenschiff bietet genügend Platz, damit die 33 Konfirmanden mit ihren Familien die Aufnahme in die evangelische Gemeinde feiern können. Prädikant Alexander Becker genügten dazu zwei kurze Telefonate mit Pfarrer Dr. Jochen Reidegeld von St. Nikomedes – und die Sache war geritzt. Für beide ist diese Hilfestellung nicht das Ende, sondern erst der Anfang von Ökumene. „Gemeinsam Christ sein“, so Pfarrer Reidegeld, das sei das Ziel.

Freitag, 28.08.2020, 18:38 Uhr
Pfarrer Dr. Jochen Reidegeld und Prädikant Alexander Becker wollen die Zusammenarbeit zwischen den beiden Gemeinden vertiefen. Mitte September feiern die Protestanten in St. Nikomedes Konfirmation.
Pfarrer Dr. Jochen Reidegeld und Prädikant Alexander Becker wollen die Zusammenarbeit zwischen den beiden Gemeinden vertiefen. Mitte September feiern die Protestanten in St. Nikomedes Konfirmation. Foto: Axel Roll

 

Die Corona-Krise hat die beiden Konfessionen vor Ort noch enger zusammenrücken lassen. Dabei war das Verhältnis schon vor der Pandemie außerordentlich gut, wie Jochen Reidegeld, der bekanntlich noch nicht allzu lange in Steinfurt ist, empfindet. „Auf Zuruf“, so beschreibt es Alexander Becker, würden derzeit die Probleme gelöst, die gemeinsam angegangen werden müssten. Und davon gibt es eine ganze Menge. Dem Prädikanten, der auch Leiter des Presbyteriums ist, fallen da spontan die Gestaltung von Beerdigungen, Gottesdiensten an Schulen oder – beim Blick in die Zukunft – Weihnachten ein. „Wir sind da immer bemüht, einen gemeinsamen Weg zu finden.“

Das Weihnachtsfest ist ein gutes Stichwort. Schon jetzt ist klar, dass es die traditionellen Gottesdienste wohl nicht geben wird. „Also müssen wir uns Gedanken um Alternativ-Formen machen“, betont der leitende Pfarrer von St. Nikomedes. Eine Idee, die es noch näher zu diskutieren gilt, wäre ein ökumenischer Gottesdienst auf dem Marktplatz.

Reidegeld und Becker sind sich einig. Die offene Kooperation soll nicht in Formalien erstickt werden. Will heißen: Es wird nicht irgendwelche Gremien oder Ausschüsse geben, die die Zusammenarbeit der Konfessionen bündeln werden. Alexander Becker: „Das soll so spontan bleiben wie es derzeit läuft.“

Corona, darüber sind sich die beiden Seelsorger einig, hat etwas mit Kirche und mit den Menschen gemacht. „Sie stellen sich mehr Grundsatzfragen“, ist Pfarrer Reidegeld überzeugt. Zum Beispiel, wofür das Christentum heute steht. So gebe es viele Menschen, die als Christ, aber ohne die Institution Kirche leben wollten. „Da dürfen wir nicht beleidigt sein“, warnt Reidegeld. Kirche müsse zurück auf die Straße, direkt zu den Menschen. „Wir sind kein Monopolist mehr, sondern Wettbewerber.“ Dabei gelte es, sich nicht anzubiedern, sondern zum Kern zurückzukehren und die Inhalte von Kirche in den Mittelpunkt zu rücken. Alexander Becker: „Wir sind kein Paketbote, der da irgendwas vor die Tür stellt.“

Alexander Becker ist wieder bei den Konfirmanden. „Seelsorge steht für die Frage: Was braucht der andere?“ Bei den Gesprächen mit den Jugendlichen sei schnell klar geworden, dass ihnen das Miteinander sehr viel wichtiger sei als das Feiern unter dem eigenen Kirchturm. Darum der Hilferuf Richtung St. Nikomedes. Und darum die schnelle, positive Antwort. Dr. Jochen Reidegeld: „Das ist für mich eine Selbstverständlichkeit. Alles Abgrenzende ist mir fremd.“ Auch zwischen den Konfessionen.

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